Das achte Album des Luzerner Rappers Emm: Zwischen humorvoller Leichtigkeit und beissender Kritik

Emm alias Mario Wälti hat mit «Fame Stutz Glück» sein achtes Album herausgebracht. Es ist vielschichtig, ernst und dennoch verspielt.

Stefan Welzel
Drucken
Teilen
Der Luzerner Rapper Emm.

Der Luzerner Rapper Emm.

Bild: @effesinpage

Wie hält man die Neugier am Leben aufrecht? Wie bleibt man am Puls der Zeit? Wie wichtig ist Anerkennung, Geld, Wohlstand? Das sind Fragen, die sich nicht nur Künstlerinnen und Künstler stellen. Es sind im Innersten solche nach dem Sinn der Existenz.

Im Musikgenre Rap trifft man eher selten auf derartig tiefgründige Fragestellungen, man verortet sie eher im Singer-Songwriter oder Post-Rock. Und erst recht tut man das nicht in Zeiten, in denen so unsäglich viele Rapper hedonistischen Luxusfetisch noch viel exzessiver zur Schau stellen als jemals zuvor. Der Luzerner Emm alias Mario Wälti ist diesbezüglich eine wohltuende Ausnahme in der Szene, ohne sich dabei übertrieben moralisch aufspielen zu müssen. Nun hat der Mittdreissiger sein achtes Album veröffentlicht. «Fame Stutz Glück» ist ein vielseitiges und nachdenkliches Werk, das aber auch viel Spass bereitet.

Finger auf die Wunde der Doppelmoral

Beim ersten kurzen Reinhören in die neuen Tracks könnte man übereilig den Eindruck gewinnen, dass hier jemand einfach nur abrechnen will mit dem materialistischen Zeitgeist. Aber das tut Emm nicht. Er mokiert sich zwar – stilsicher und wortgewandt – über die Attitüden der Tik-Tok- und Instagram-Generation, hebt dabei aber nicht besserwisserisch den Zeigefinger. Im Gegenteil, «Fame Stutz Glück» ist auch mit viel Selbstironie versehen. Wälti ist in seinem bürgerlichen Leben Anwalt und reflektiert den Alltag in unserer Leistungsgesellschaft im Wissen ihrer Widersprüche – und wohl auch der eigenen.

Beispiel gefällig? Im Stück «Leeri Kinos» rappt Emm davon, wie jeder der Held des eigenen Lebens sein will, denn «keine esch me Dorchschnett». Oder zumindest will es keiner sein. Dank der Digitalisierung produziert sich jeder und jede selbstgefällig im World Wide Web: «Kids send im Kampf um Ruhm, Klicks, Kicks» (in «Westside»). Doch gewährt Emm auch Nachsicht, wenn er anfügt, dass man es im Leben durchaus «mängisch eifach au mol liecht näh muess». Und geizt in «Throwback» sodann nicht mit Kritik an vermeintlichen Moralaposteln: «Du hesch of Digitalisierig so en kritischi Secht, doch unloggsch dis Iphone met dim Gsecht.»

Systemkritik blickt durch, wenn Emm im Song mit dem Albumtitel darüber sinniert, was es braucht, um das Leben zu meistern, darin der eigene Boss zu sein: «Du nemmsch guets aber Chnächt-Money. Din Chef zahlt dech aber nemmt sech au das Räscht-Money.» Und in «4 Lieder vom 2Pac» verweist er auf die Doppelmoral einer Gesellschaft, die die ökologische Wende vollziehen will, ohne auf Gewohntes zu verzichten («Oweltschotz fiire aber Ferie i de Troope»). Wer dann noch genüsslich über sich selbst herziehen kann, der macht vieles richtig. Wie im Stück «Museggstross», wo der Rapper einen Protagonisten fragen lässt, warum Emm «das sech no atuet».

Mitreissend funky

Nun, gut tut er es. Musikalisch oszilliert Emm zwischen Bezügen zum Rap moderner Prägung, die ins elektronisch Verspielte ausscheren, souligen Stücken, langsamen Beats und mitreissend funkigem Rap. Diese Bandbreite passt gut zum textlichen Wechselspiel aus introspektiven Sinnfragen, humorvoller Leichtigkeit und ernsthafter Gesellschaftskritik. Bleibt die Frage, was es wirklich braucht, um das Leben zu meistern: Ruhm oder Geld oder Glück? Nun, die Antwort sei jedem selbst überlassen. Die Kunst ist ja dazu da, zum Nachdenken zu bewegen.

Hinweis: Emm – «Fame Stutz Glück». Über Streamingkanäle wie Soundcloud oder Amazon Music abrufbar.

Mehr zum Thema

KULTUR: Kanton Luzern vergibt Werkbeiträge

Der Kanton Luzern hat die Werkbeiträge in den Sparten Rock/Pop/Elektro/HipHop sowie Theater und Tanz vergeben. Insgesamt wurde eine Summe von 120'000 Franken ausgeschüttet.