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DAS ANDERE INTERVIEW: Das Model ist auch am Berg trittsicher

Janine Heini (23), Model, Studentin und Sagen erzählende Wandergruppenleiterin
Das Model Janine Heini (Bild Eveline Beerkircher)

Das Model Janine Heini (Bild Eveline Beerkircher)

Janine Heini ist ein internationales Model, studiert Germanistik und Filmwissenschaft und kennt die Sagen und Mythen des Pilatus so gut wie kaum jemand. Mit ihrem Vater führt die 23-jährige Krienserin Leute auf ihren Hausberg und erzählt ihnen dabei schaurig schöne Geschichten. Wie sie ihren Deutschlehrer fast zur Verzweiflung brachte und worüber sie ein Buch geschrieben hat, erzählt sie im Interview.

Janine Heini, Sie tanzen auf vielen Hochzeiten. In welchen Schuhen fühlen Sie sich im Moment am wohlsten?

Janine Heini: Kommt darauf an. Vom Komfort her sind die Wanderschuhe die bequemsten. Aber High Heels zu tragen, finde ich schon cool.

Also tragen Sie eher die eleganten?

Heini: Ich bin für die Abwechslung. Nach einem Tag beim Shooting als Model oder auf dem Laufsteg bin ich froh, wenn ich abends die High Heels ausziehen und mich zu Hause barfuss bewegen kann.

Und in der Freizeit?

Heini: Da trage ich eher flache Schuhe. Mit meinen 1,76 Meter Grösse würde ich sonst alle meine Freundinnen überragen.

Ihren Freund auch?

Heini: Nein, er ist um einiges grösser als ich. Die Grösse ist für mich auch ein wichtiges Kriterium bei einem Mann.

Dabei sind Sie für ein Model eher klein. Warum sind Sie trotzdem eines geworden?

Heini: Weil ich mit 18 beim Wettbewerb Elite Model Look der Agentur Option teilgenommen habe. Ich habe in Zürich an diesem Casting mitgemacht und kam im Final unter die ersten zwölf. Das hat mir schlussendlich einen Modelvertrag eingebracht. Diesen Traum hatte ich schon immer. Schön, dass es geklappt hat.

Nehmen Sie es mir nicht übel. Aber bei den Frauen in Heidi Klums «Germany’s Next Topmodel» hat man nicht den Eindruck, dass neben Fingernägeln, Frisuren, Schminke und Kleidung viele andere Interessen bestehen ...

Heini: Das hat nicht viel mit dem richtigen Modeln zu tun. Es ist eine TV-Show mit einem Drehbuch. Praktisch in jeder Staffel muss sich eine Teilnehmerin von ihren langen Haaren trennen. Das habe ich so noch nie erlebt. Und mit einer Schlange musste ich auch noch nie posieren.

Kommt vielleicht noch. Wie weit haben Sie es als Model bisher gebracht?

Heini: Ich habe schon in Paris, Mailand, Barcelona und Deutschland gearbeitet. Für junge Leute ist der Job eine super Chance, etwas von der Welt zu sehen.

Als Model müssen Sie sicher auf vieles verzichten. Die Idealmasse sind ja eher knapp. Handkehrum müssen Sie reichlich essen, wenn Sie am Pilatus unterwegs sind. Wie funktioniert das?

Heini: Substanz braucht man auch als Model. Die Arbeitstage können extrem lang sein. Für mich ist das Essen jedoch kein Problem. Ich ernähre mich gesund und mache viel Sport, das ist mir wichtig. Und ich bin offenbar mit guten Genen gesegnet und von Natur aus sehr schlank. Aber es ist schon richtig. Gerade in Paris ist ein Hüftumfang von mehr als 90 Zentimetern ein No-Go. So kommt es vor, dass einem 15-jährigen Mädchen gesagt wird, sie habe zu viel auf den Hüften. Das finde ich echt heftig.

Sie studieren an der Uni Zürich Germanistik und Filmwissenschaft. Warum setzen Sie nicht ganz auf die Karte Model?

Heini: Weil man dieser Arbeit nur für eine beschränkte Zeit lang erfolgreich nachgehen kann.

Als Studentin haben Sie sicher andere Ansprüche, als auf das Äussere reduziert zu werden. Ärgert es Sie nicht, wenn man Ihnen nicht mehr zutraut, als hübsch zu sein?

Heini: Es gibt Leute mit Vorurteilen. Das ist okay. Als Model muss man ja auch nicht unbedingt den Logarithmus einer Zahl ausrechnen. Wobei es nicht schadet, bei Shootings auch für die Fotografen mitzudenken und ihnen die Arbeit zu erleichtern, indem man nicht einfach dasteht wie ein leeres Blatt.

Prima Stichwort. Mit leeren Blättern haben Sie es ja nicht so. Bei Ihrer Maturaarbeit übertrieben Sie masslos, indem Sie die Vorgaben nicht einhielten. Was war da genau?

Heini: (lacht) Ja, meine Arbeit, welche die kulturelle Bedeutung des Pilatus für die Anwohner zum Thema hatte, sollte sich auf 30 Seiten beschränken. Ich habe jedoch 185 geschrieben – und damit meinem Deutschlehrer ein ziemliches Problem bereitet. Er meinte, dass es dafür eigentlich Abzug geben müsste, obwohl die Arbeit sehr gut sei. Er gab mir trotzdem eine glatte Sechs. Ich habe mit der Arbeit auch einen Preis bei «Schweizer Jugend forscht» gewonnen, und später konnte ich die Arbeit als Buch veröffentlichen.

Das auch noch? Coole Geschichte.

Heini: Ja, nicht wahr? Und dabei musste ich nicht einmal aktiv werden, denn der Buchverlag ist auf mich zugekommen.

Es wird immer besser. Sie haben mit 23 ein Buch geschrieben und sind ein internationales Model. Für viele Leute Träume, die sie nie erreichen werden. Was wollen Sie noch mehr?

Heini: Einiges. Dieses Jahr mache ich meinen Bachelorabschluss, und danach würde ich mich gerne noch einmal intensiv mit dem Modeln befassen. Ein Jahr habe ich den Job vor dem Studium schon Fulltime gemacht. Nun will ich versuchen, in New York Fuss zu fassen. Ich glaube, wenn ich dies nicht noch probiere, werde ich es bestimmt irgendeinmal bereuen. Was ich anstelle, gehe ich mit Leidenschaft an. Ich glaube, wenn man etwas gerne tut, macht man es automatisch richtig und auch gut. Ich habe einige Ziele und Vorstellungen im Leben. So könnte ich mir vorstellen, bei einem Magazin als Journalistin zu arbeiten oder auch in der Filmbranche mitzuwirken.

Führen Sie weiterhin Wandergruppen auf den Pilatus und erzählen dabei schaurig schöne Geschichten?

Heini: Wenn es die Zeit zulässt, werde ich bestimmt zusammen mit meinem Vater einige Wandertouren leiten. Ich war unzählige Male oben.

Da war auch die Themenwahl für Ihre Maturaarbeit naheliegend ...

Heini: Ich wohne unmittelbar am Fuss des Pilatus und bin mit dem Berg aufgewachsen. Mein Vater ist Alpinist, und er hat mich und meine Schwester oft auf Bergwanderungen mitgenommen.

Sie meinen die bei Kindern allseits beliebten Sonntagsspaziergänge?

Heini: ... an denen man nur zu gerne zu Hause geblieben wäre, um mit Kolleginnen zu spielen. Ja, genau die. Aber mein Vater unternahm mit uns nie langweilige Wanderungen, sondern machte immer Touren, wo es was zu kraxeln gab und er uns ans Seil binden musste. Und er erzählte uns am sagenumwobenen Pilatussee die Legende von Pontius Pilatus, die dem Berg den Namen gegeben haben soll. Das war echt toll. So ist die Leidenschaft für den Berg geblieben.

Sie haben von diesen Wanderungen in vielerlei Hinsicht profitiert. Das Fortbewegen in unwegsamem Gelände machte Sie bestimmt trittsicher. Hat sich diese Sicherheit auch auf den Laufsteg ausgedehnt?

Heini: Ich trainiere auch Ballett und Yoga. Über ein gutes Gleichgewicht und gestärkte Fussgelenke verfüge ich schon. Hingefallen bin ich auf dem Laufsteg zum Glück noch nie.

Roger Rüegger

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