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DAS ANDERE INTERVIEW: «Gfrörli können wir nicht gebrauchen»

Der 37-jährige gelernte Automechaniker Daniel Fankhauser ist Chefmonteur beim Seilbahnhersteller Garaventa AG Goldau. Er arbeitet seit September auf dem Pilatus. Seither war er praktisch nur übers Wochenende zu Hause. Warum diese Baustelle trotzdem ideal ist für ihn und wie Monteure sich ab vom Schuss die Freizeit gestalten, erzählte er in seiner kurzen Mittagspause.
Interview Roger Rüegger
Daniel Fankhauser von der Firma Garaventa. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Daniel Fankhauser von der Firma Garaventa. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Daniel Fankhauser, die Reise zu Ihrem Arbeitsplatz ist super. Wer wird schon mit dem Heli zur Arbeit geflogen. Aber es ist saukalt, etwas windig, und obendrein liegt Schnee. Wie halten Sie das aus?

Daniel Fankhauser: Was denn, die Bedingungen heute sind super. Es könnte viel schlimmer sein.

Was kann schlimmer sein, als bei der Arbeit zu frieren?

Fankhauser: So übel ist es nicht. Auf dem Dachsteingletscher in Österreich wechselten wir bei minus 28 Grad und Wind von 80 Kilometer pro Stunde ein Seil. Das war grenzwertig. Auf dem Pilatus genügen die Sommerarbeitshandschuhe.

Gibts bei Ihnen keine Frostferien?

Fankhauser: Vergessen Sies. Wer bei diesen Verhältnissen nicht arbeiten will, muss den Job wechseln. Wir sind praktisch immer am Werken.

Ein paar Wintereinsätze habe ich als Monteur auch schon erlebt. Bei minus 20 Grad suchte unser Team aber alle zwei Stunden eine Beiz auf, um uns aufzuwärmen. Wie machen Sie es hier?

Fankhauser: Wer unseren Job macht, muss robust sein. An die Kälte gewöhnen sich die meisten. Gfrörli können wir nicht gebrauchen.

Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um bei Ihnen mitmachen zu können?

Fankhauser: Unsere Leute müssen flexibel und schwindelfrei sein. Wer zwei linke Hände hat und die Arbeit nicht selber erkennt, ist fehl am Platz. Ich kann nicht jedem hinterherrennen und ihm erklären, was zu tun ist.

Arbeiten bei Ihnen auch Seilbahnmonteurinnen?

Fankhauser: Hatten wir bei uns schon. Ich selber habe jedoch nie mit ihnen gearbeitet. Aber so viel ich weiss, haben alle nach einer oder zwei Saisons aufgegeben.

Kann ich nachvollziehen. Weshalb haben Sie als Automechaniker von der beheizten Werkstatt auf die Baustelle in den Bergen gewechselt?

Fankhauser: Ich suchte nach der Rekrutenschule Arbeit. Weil ich in keiner Werkstatt fündig wurde, fuhr ich im Winter Pistenbully und montierte im Sommer Seilbahnen. Und bin bei den Bahnen geblieben. Das Monteurleben hat mir zugesagt.

Passt es Ihnen wirklich, nur an den Wochen­enden daheim zu sein?

Fankhauser: Das gefällt mir zumindest besser, als mehrere Monate lang nicht nach Hause zu kommen, wie es bei Auslandeinsätzen üblich ist. Wenn das Übernachten im Hotel nichts für mich wäre, hätte ich schon lange weitergesucht.

Super. Und wie steht Ihre Frau zu dieser Wochenendbeziehung?

Fankhauser: Sie wäre nicht unglücklich, wenn ich öfter zu Hause wäre. Doch sie wusste, worauf sie sich einlässt. Die Arbeit hatte ich bereits, bevor wir uns kennen lernten.

Die Arbeiten auf dem Pilatus sind im April abgeschlossen. Haben Sie eine Wunschdestination für danach?

Fankhauser: Unser Beruf ist kein Wunschkonzert. Aber eine Baustelle in der Schweiz oder im nahen Ausland wäre ideal.

Ihre Arbeit ist spannend. Den Feierabend hier oben stelle ich mir hingegen weniger aufregend vor.

Fankhauser: Viel Freizeit haben wir nicht. Monteure arbeiten oft einige Stunden länger. Ich gehe nach Feierabend unter die Dusche, zum Essen, danach schaue ich TV, surfe im Net und dann gute Nacht.

Keine Kartenspiele, wo sie einander die Spesen aus der Tasche ziehen?

Fankhauser: Je nach Umständen wird auch mal ein Jass geklopft, wenn kein Internet oder TV-Empfang vorhanden ist. Doch ich muss die Abende nicht mit den Leuten verbringen, die ich tagsüber auf der Baustelle sehe.

Was haben Sie für Hobbys?

Fankhauser: Hobbys kann man bei unserem Job vergessen.

Hier oben schon, aber zu Hause?

Fankhauser: Wenn ich daheim bin, unternehme ich mit meiner Frau etwas.

Immerhin wohnen Sie in einem hübschen Hotel.

Fankhauser: Hier schon. Wenn man in einem Containerdorf im Massenlager schlafen muss, ist es nicht mehr vornehm.

Auf der höchsten Baustelle der Zentralschweiz zu arbeiten, stelle ich mir speziell vor. Ist es das?

Fankhauser: Es ist eine Baustelle wie andere auch. Wir haben schon einige gröbere Bahnen gebaut.

Die Kletterei ist etwas für Wagemutige. Wie gefährlich ist Ihr Job?

Fankhauser: Der ist gefährlich, wenn man ihn nicht richtig macht. Aber das ist bei vielen Berufen so.

Machen Sie Ihre Ferien in den Bergen, oder haben Sie die Nase voll von Bergbahnen?

Fankhauser: In den Ferien will ich nicht in die Berge. Dann fahre ich mit meiner Frau in den Süden, etwa nach Thailand.

Stichwort Thailand und Auslandmontage. Ist es ein Klischee, dass Monteure gerne eine Füdlibar aufsuchen?

Fankhauser: Ich bin verheiratet und brauche solche Bars nicht. Die jungen Monteure bezahlen sicher gerne mal etwas mehr fürs Bier.

Sie arbeiten oft über dem Abgrund. Müssen Sie eine spezielle Ausbildung haben oder Kletterkenntnisse?

Fankhauser: Nein. Wir haben firmeninterne Sicherheitsvorschriften. Man kann nicht für alles eine Ausbildung machen.

Was ist, wenn Ihnen ein Werkzeug ins Tal runterfällt?

Fankhauser: Dann ist es weg.

Müssen die Monteure den Verlust bezahlen?

Fankhauser: So weit kommts noch. Es fällt zwar manchmal etwas runter, aber deshalb liegen nicht ganze Werkzeugsätze im Tal.

Video: Einen Videosequenz zu den Bauarbeiten am Pilatus finden Sie im Internet auf www.luzernerzeitung.ch/bonus

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