Das erste Interview mit Samuel Koch

Ein halbes Jahr nach dem Unfall bei «Wetten, dass..?» wendet sich der verunglückte Kandidat Samuel Koch erstmals an die Öffentlichkeit. «Ja, ich würde unter derselben Ausgangslage die gleiche Wette noch mal eingehen, sagte er im Interview mit ZDF-Moderator Peter Hahne, das in Nottwil aufgezeichnet wurde.

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ZDF-Moderator Peter Hahne im Gespräch mit Samuel Koch. (Bild: zdf.de / Michael Kramers)

ZDF-Moderator Peter Hahne im Gespräch mit Samuel Koch. (Bild: zdf.de / Michael Kramers)

«Würde ich wissen, was passiert, wäre ich ja doof, wenn ich die noch mal machen würde. Aber im Prinzip gab es keinen Grund, der mich aufhalten hätte müssen», sagte der 23-Jährige laut einer Mitteilung des Senders vom Freitag.

Koch war am 4. Dezember 2010 beim Versuch, in Thomas Gottschalks ZDF-Show «Wetten, dass..?» mit Sprungstelzen über ein fahrendes Auto zu hüpfen, so schwer gestürzt, dass er eine Querschnittslähmung erlitt.

«Jeder Skiurlaub ist gefährlicher»

«Ich bin mindestens 500 bis 600 Mal über so ein Auto gehüpft ... Jeder Skiurlaub, den ich gemacht habe, war definitiv gefährlicher als dieses ganze Autogehüpfe», erklärte Koch. Das Gespräch wurde im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil aufgezeichnet, in dem der 23-Jährige behandelt wird.

Auf die Frage von Peter Hahne, ob der Bibelvers «Niemand kann tiefer fallen als in Gottes Hand» noch für ihn zutrifft, sagte Samuel Koch: «Ich atme, also auf jeden Fall ja. Es gibt ja leider Patienten mit ähnlichen Lähmungen, die noch an Atemgeräten angeschlossen sind, denen es wesentlich schlechter geht als mir. Es hätte um einiges schlimmer werden können.»

Hoffnung nie aufgegeben

Glaubt er an Wunder? Samuel Koch: »Es gibt auf jeden Fall Dinge, die nicht durch Wissenschaft, Medizin erklärbar sind. Und wie gesagt, meine Lunge funktioniert. Ich denke, über Wunder spricht man nicht, man hofft darauf.» Hat er die Hoffnung irgendwann aufgegeben? Samuel Koch: «Hoffnung aufgegeben - nie, zu keinem Zeitpunkt.»

«Hadert nicht mit Schicksal»

Peter Hahne sagte nach dem Interview zu dem Eindruck, den Samuel Koch auf ihn gemacht hat: «Samuel Koch vermittelt das Gegenteil von dem, was man vielleicht erwartet von jemandem, der im Rollstuhl sitzt. Weder beklagt er sein Schicksal noch verstömt er Selbstmitleid. Im Gegenteil: Dieser Junge ist mit sich im Reinen, ohne Selbstvorwürfe, hadert nicht mit seinem Schicksal.»

Auf die Frage, was der prägnanteste Augenblick während des Gespräches gewesen sei, antwortet Hahne. «Ich fragte ihn, ob er die Wette nochmal machen würde. Die Antwort war ein klares Ja.» Auch seine Einstellung, «anderen geht es schlechter als mir, jetzt verstehe ich erst recht nicht mehr, dass wir in Deutschland, wo es uns so gut geht, ständig am Jammern sind», habe ihn beeindruckt, sagt Hahne. Für Samuel Koch, so Hahne, hätten sich die Prioritäten verschoben, er wisse nach eigener Ausage, was für ihn jetzt wirklich wichtig sei.

sda/rem