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So sind zwei Seniorinnen auf
falsche Polizistinnen hereingefallen

Immer wieder geben sich Betrüger als falsche Polizisten aus. Und immer wieder tappen insbesondere ältere Damen in die Falle. Zwei Opfer erzählen, wie die Masche funktioniert und wie sehr sie seit dem Vorfall leiden.
Yasmin Kunz
Vor allem ältere Frauen fallen Telefon-Trickbetrügern zum Opfer und verlieren dabei oft mehrere tausend Franken. (Symbolbild: Getty)

Vor allem ältere Frauen fallen Telefon-Trickbetrügern zum Opfer und verlieren dabei oft mehrere tausend Franken. (Symbolbild: Getty)

Fall 1: Betrüger bestellen dem Opfer sogar das Taxi

Wir treffen die mehr als 80 Jahre alte Dame an ihrem Wohnort in unserer Region. Wir, das sind Polizeisprecher Kurt Graf und ich. Sie öffnet uns die Tür. Wir weisen uns aus. «Wie erkenne ich, dass dieser Ausweis echt ist?», fragt sie und zieht ihre Jacke an. «Kann ich den Ausweis nochmals sehen?» Wir zeigen ihn erneut. «Ich bin seit dem Vorfall so misstrauisch. Wem kann ich noch trauen?»

Die Frau, nennen wir sie Anna, wurde in den letzten Tagen Opfer von falschen Polizistinnen und ist bereit, uns zu erzählen, wie perfid deren Vorgehen ist. Die Begegnung kam auf Anfrage unserer Zeitung zu Stande. Das Gespräch führen wir später auf dem Polizeiposten. Diese Sicherheit braucht Anna. Sie spricht mit zittriger Stimme, als sie von jenem Tag erzählt. Zwei Polizistinnen hätten sie angerufen und ihr erklärt, dass ihr Name in einem Büchlein aufgetaucht sei. Das Dokument habe man bei einer Betrügerbande gefunden, darin stünden die Namen der nächsten Opfer. Dann fordern die Polizistinnen Anna auf, Geld abzuheben und dieses als «Köder »zu deponieren. So würden sie die Verbrecher in flagranti schnappen, sagen sie der Seniorin. Anna geht zur Bank, hebt mehrere tausend Franken ab. «Meine Altersvorsorge», kommentiert sie.

Auf der Bank hat sich niemand erkundigt, warum sie auf einmal so viel Geld benötigt. So oder so haben die falschen Polizistinnen Anna zuvor angewiesen, auf Fragen nicht zu reagieren. Das Geld legt sie unter einen Container in der Nähe ihres Wohnorts. «Die Polizistinnen hatte ich die ganze Zeit am Handy, die wussten immer, wo ich war. Sie sagten, das sei zu meiner Sicherheit.» Kurz nachdem das Geld deponiert ist, erfolgt der nächste Anruf. «Wir haben die Täter dank Ihrer Mithilfe schnappen können», erklären sie Anna. Doch eine weitere Bande treibe ihr Unwesen. Und auch diese wolle man schnappen. Anna sagt: «Sie haben mir ein Taxi vor meine Wohnung bestellt, damit ich schneller auf der Bank bin.» Das Prozedere beginnt von vorne.

Fiese Tricks mit dem Telefon

Ist sie nie misstrauisch geworden? «Doch», sagt Anna. «Aber was hätte ich tun sollen? Ich wurde angewiesen, mit niemandem zu sprechen. Und ich hatte solche Angst.» Einmal, da habe sie die Polizistinnen gefragt, warum sie sich nicht zu erkennen gäben. «Verdeckte Ermittlungen» so die Antwort. Und einmal, da hat sie gar die Notrufnummer der Polizei gewählt. «Da wurde ich dann tatsächlich mit dieser falschen Polizistin in Verbindung gesetzt», sagt Anna. Das funktioniert so: Die falschen Polizisten unterbrechen die Telefonverbindung nie. Tippt man dann die Notrufnummer 117 ein, entsteht keine neue Verbindung. Man bleibt in der alten hängen. Es ist auch schon vorgekommen, dass die Betrüger entsprechende Geräusche imitiert haben, um dem Opfer vorzugaukeln, die Leitung sei frei.

Die Täter haben Anna versprochen, ihr das Geld wieder zurückzugeben. Treffpunkt für die Übergabe: eine Kapelle. Es ist bereits dunkel. Anna, unsicher zu Fuss, geht hin. «Ich wollte meine Altersvorsorge zurück», sagt sie. Doch niemand erscheint. Dann verspricht man Anna, das Geld vorbeizubringen. Es taucht niemand auf. Dann wählt sie erneut den Notruf, diesmal klappt es.

Gefragt nach dem schlimmsten Moment, kann das Opfer nicht antworten. Einerseits sei es die Scham, auf einen Trick reingefallen zu sein, andererseits der Verlust des Geldes und die stete Unsicherheit. «Ich habe Angst, dass die bei mir vor der Tür auftauchen und mich möglicherweise verprügeln.» Sie fügt an: «Es ist nichts mehr wie vorher.»

Fall 2: Ständig unter Beobachtung

Zuerst ist es die Kantonspolizei Zürich – dieser Adressat wird jedenfalls auf dem Display des Telefons angezeigt. So nimmt die etwas mehr als 80-jährige Frau, nennen wir sie Bertha, den Hörer ab. «Es hätte ja sein können, dass einem Verwandten etwas zugestossen ist», sagt die ältere Dame aus der Region, die wir ebenfalls auf dem Polizeiposten treffen.

Doch schon bald spürt sie: Irgendetwas ist komisch. «Die haben mir erzählt, dass in Zürich eine Einbrecherbande unterwegs ist. Bei denen habe man ein Buch gefunden, worin mein Name aufgelistet ist», erklärt die vife Frau. Obwohl sich bereits zu Beginn Skepsis breitmacht, fällt die Seniorin auf die falsche Polizistin rein. Man droht ihr, sie werde das nächste Einbruchsopfer sein. Um das zu verhindern, müsse sie Geld als «Köder »hinterlegen. Bertha: «Die Polizistin hat tadellos Hochdeutsch gesprochen.» Sie fragt darum: «Warum sprechen Sie nicht Mundart?» Sie sei nur die Ablösung für die Kollegen, so die Antwort der Betrügerin. Immer wieder hakt Bertha nach, warum sich die Polizei nicht persönlich vorstellt. «Verdeckte Ermittlungen», heisst es.

«Die Polizistin hat tadellos Hochdeutsch gesprochen.»

Betrugsopfer

Kommuniziert wird auch in diesem Fall über das Handy. Am Mittag schaltet es Bertha aus, weil sie Ruhe will. Schaltet es aber später wieder ein – und nimmt erneut einen Anruf der falschen Polizistin entgegen. Ihr wird eingetrichtert, das Handy nicht mehr auszuschalten. Dann holt die Frau bei der Bank Geld. «Zuerst auf der einen Bank, dann auf der anderen.» Auf dem Weg trifft sie zufällig zwei Polizisten. Lange hadert Bertha: Soll ich ihnen etwas sagen? Sie entscheidet, es nicht zu tun. Aus Angst. «Die wussten ständig, wo ich mich aufhalte. So hätten sie wohl auch mitbekommen, wenn ich die Polizisten um Hilfe gebeten hätte.» Die Telefonverbindung ist stets aktiv. Sie lässt sich auf beiden Banken mehrere tausend Franken auszahlen.

Immer wieder versucht sich Bertha aus der misslichen Lage zu befreien. Einmal gibt sie an, den Akku des Handys laden zu müssen. «Ich dachte: Das verschafft mir einen Moment, um den Notruf zu wählen.» Das tut sie auch, landet aber bei der falschen Polizistin, weil diese die Verbindung nie getrennt hat. Bertha hätte das Handy aus- und wieder anschalten sollen, um die Verbindung zu kappen und den Notruf zu wählen.

Falsche Polizistin bleibt hartnäckig

Mit einem Stapel Geld kehrt sie nach Hause zurück. Niemand hat sie auf der Bank gefragt, wozu sie diesen hohen Betrag braucht. Die Täterin ist gierig. Bertha: «Sie sagte, ich hätte doch sicher noch Geld zu Hause.» So legt die Seniorin noch mehr Geld in den Umschlag. Auch sie muss den «Köder» beim Container in der Nähe ihrer Wohnung deponieren. «Ich fragte noch: Ist das nicht zu heikel? Jemand anders könnte das Geld finden.» Man lullt sie ein.

Bertha ist kein leichtes Opfer, weil sie nachhakt und das Handy unerlaubterweise ausgeschaltet hat. Doch das hat die Täterin nicht abgeschreckt. Die Masche ist einfach: Vertrauen gewinnen, eine gute Geschichte erzählen, und die Opfer ausnehmen. Als Polizist ist einem das Vertrauen generell gesichert. «Er ist ja dein Freund und Helfer», sagt Bertha.

Beide Frauen sagen von sich, seither unter Angstzuständen zu leiden, schlecht zu schlafen und nur noch selten das Haus zu verlassen. Sie fühlen sich nicht mehr sicher und haben Angst, erneut Opfer zu werden.

Die Namen der Opfer sind der Redaktion bekannt.

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