DAS HISTORISCHE BILD: Wie Luzern zum Auslöser des Barbie-Booms wurde

Spielzeug Regina, meine Arbeitskollegin, hatte zwei Stück davon. Aber eigentlich mag sie sich nicht mehr daran erinnern, zu unangenehm ist ihr das Kapitel. Bei Aleksandra, unserer Auslandchefin, braucht es dagegen nur ein Stichwort und schon sprudelt es aus ihr heraus.

Drucken
Teilen
Barbie, Ken und ein tragbarer Plattenspieler mit Barbie-Songs: Der Barbie-Kult kannte schon früh keine Grenzen, wie dieses Bild aus dem Jahre 1961 belegt. (Bild: Getty)

Barbie, Ken und ein tragbarer Plattenspieler mit Barbie-Songs: Der Barbie-Kult kannte schon früh keine Grenzen, wie dieses Bild aus dem Jahre 1961 belegt. (Bild: Getty)

Dutzende dieser Puppen habe sie gehabt, habe an denen unter anderem auch die ersten Versuche als Coiffeuse vorgenommen – mit haarsträubendem Ergebnis.

Es geht um Barbie, eines der erfolgreichsten Kinderspielzeuge, das in diesem Jahr seinen 56. Geburtstag feiert. Am 9. März 1959 war es, als der amerikanische Spielzeughersteller Mattel in New York die erste Puppe präsentierte. Ihr Outfit: Ein gestreifter Badeanzug. Entwickelt wurde Barbie von Ruth Handler, die die Puppe nach dem Spitznamen ihrer Tochter Barbara benannte.

Ihren Anfang nahm die Geschichte aber bereits Anfang der 1950er-Jahre, und Luzern spielte eine zentrale Rolle dabei. Ruth Handler wollte eine Ankleidepuppe produzieren, die einem Mannequin glich. Viel zu teuer, meinte ihr Mann. Doch dann legte das Ehepaar auf seiner Europareise einen Halt in Luzern ein, und Ruth Handler entdeckte in einem Schaufenster eine Puppe, genau wie sie sie sich vorstellte, kaufte diese und legte daheim mit der Produktion los.

Der Erfolg der Barbie beruht wesentlich darauf, dass sie sehr schnell über eine üppige und zuweilen eigentümliche Garderobe verfügte. Ein Jahr nach der Lancierung kam die Modeldesigner-Barbie auf den Markt, 1961 die Flugbegleiter-Barbie, bevor dann 1965 die Astronauten-Barbie in den Spielzeugläden landete. Drei Jahre später konnte die Plastikpuppe in einen pinken Pelzmantel gehüllt werden ... Barbie blieb nicht lange alleine. Bereits 1965 kam Skipper, ihre kleine Schwester auf den Markt, und 1969 Christie, die afro-amerikanische Freundin.

Nicht umsonst werfen Feministinnen Mattel immer wieder vor, Barbies würden einen schädlichen Schönheitswahn verbreiten, ein schlechtes Frauenbild zementieren und die Kinder zum Konsum verleiten. Zumindest was die Emanzipation anbelangt, hatte die Erfinderin anderes im Sinn: Sie wollte kleine Mädchen bewusst mit einer Puppe spielen lassen, die eine selbstbewusste Frau darstellt, und nicht ein Baby, nicht, dass sie bereits in Kindesalter in die Rolle der Hausfrau und Mutter schlüpfen. Delikater wird es,wenn man das Schönheitsideal unter die Lupe nimmt, das die Puppe verkörpert. Wissenschaftler haben nämlich rausgefunden: Hätte ein Mensch die Masse einer Barbie, er wäre schlicht nicht überlebensfähig.

Dies tut dem Erfolg der Puppe, die auch nach über 50 Jahren noch keine Falten aufweist, keinen Abbruch. Statistisch gesehen werden pro Sekunde drei Barbies weltweit verkauft.

Übrigens: Seit 1961 hat Barbie einen Mann an ihrer Seite: Ken. Und Ken macht wie Barbie alle möglichen Moden mit: Vom Spiesser-Look bis zur Abendrobe für den High-School-Abschlussball gibt es alle Formen – Hauptsache es ist alles schön kitschig.

Dominik Buholzer