Premiere in der Zentralschweiz: Das Hotel Montana in Luzern hat jetzt ein LGBT-Zertifikat

Schweizer Hotels schicken ihr Personal in eine LGBT-Schulung. Das Luzerner «Montana» ist das erste Hotel in der Zentralschweiz mit offiziellem LGBT-Zertifikat.

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(sre) Mit der Abstimmung zum Diskriminierungsschutz vom 9. Februar ist das Thema des Umgangs mit homosexuellen Menschen wieder in aller Munde. Schweiz Tourismus präsentiert entsprechend sieben Schweizer Hotels mit einem offiziellen Zertifikat, welches bestätigt, dass deren Personal eine Schulung zum Umgang mit LGBT-Gästen absolviert hat. Das Luzerner Art Deco Hotel Montana ist eines davon.

Angeboten werden die Schulungen vom internationalen Beratungsunternehmen «OutNow». Wie Schweiz Tourismus mitteilt, haben bereits über 60 Hotels die Schulung absolviert. Ein Dutzend hätten sich dann für die abschliessende Zertifikatsprüfung angemeldet und sieben Schweizer Hotels wurden mit dem Label «OutNow 2020 Certified» ausgezeichnet. Folgende Schweizer Hotels tragen das Zertifikat:

  • The Alpina, Gstaad
  • Belvedere, Grindelwald
  • The Capra, Saas-Fee
  • Carlton Europe, Interlaken
  • Hotel Eden, Spiez
  • Greulich Design & Lifestyle Hotel, Zürich
  • Art Deco Hotel Montana, Luzern

Dem Hotel Montana ist die Inklusion von LGBT-Gästen schon länger ein Anliegen. Schon zur 100-jährigen Jubiläumsfeier vor 10 Jahren hatte man einen Regenbogen – das Symbol der LGBT-Gemeinschaft – auf die Hotelfassade projiziert. Solche Aktionen, so wie auch das Zertifikat, seien als Statement wichtig. «Alle können so sehen, dass wir offen gegenüber allen sind. Bei uns kann sich jeder, unabhängig von sexueller Orientierung, Religion, Alter, Nationalität oder Geschlecht wohl fühlen», erklärt Franziska Furrer, Marketing-Assistentin vom Hotel Montana, gegenüber «watson».

Das Hotel Montana in Luzern präsentierte sich 2010 anlässlich seiner 100-Jahr-Feier im Regenbogen-Gewand.

Das Hotel Montana in Luzern präsentierte sich 2010 anlässlich seiner 100-Jahr-Feier im Regenbogen-Gewand.

Bild: Facebook

Es geht aber auch darum, Angehörigen der LGBT-Gemeinschaft gewisse Ängste zu nehmen. «Aus Untersuchungen wissen wir, dass sich viele LGBT-Menschen Sorgen über den Empfang im Hotel machen. In erster Linie geht es dabei um die Angst vor möglicher Homophobie», erklärt Ian Johnson, CEO von OutNow. Was für Hetero-Paare normal ist, soll auch für homosexuelle selbstverständlich werden.«Zum Beispiel, dass die Buchung eines Doppelbettes richtig ist und das Paar dies auch so wünscht.»

«Das Wichtigste ist, dass sich schwule, lesbische und transidente Gäste wohl fühlen können, um sich zu entspannen und einfach nur sie selbst zu sein», so Johnson. «Sie wollen einfach genau den gleichen Service, wie alle anderen auch.» In den Schulungen gehe es genau darum: «Wir versuchen dem Hotelpersonal diese Bedenken zu vermitteln und ihnen zu zeigen, wie sie völlig unbekümmert damit umgehen können.»

Sibylle Gerardi von Luzern Tourismus begrüsst die Entwicklung. «Es ist für uns positiv, dass sich ein Luzerner Hotel unter den zertifizierten Hotels befindet», sagt sie. «In Luzern sind alle Gäste willkommen und ein solches Label kann helfen, dies gegenüber potenziellen Gästen zu kommunizieren.»

LGBT-Gäste sind lukrativer

Zumal Gäste aus der LGBT-Gemeinschaft in der Tourismusbranche auch als lukrativ gelten. Man gehe allgemein davon aus, dass sie tendenziell mehr Geld für Reisen ausgeben. «Wenn man dies begründen kann, dann allenfalls am ehesten so, dass diese Gäste überdurchschnittlich häufig Doppelverdiener sind und keine Kinder haben und so eher die oben erwähnten Angebote im Urlaub suchen», erklärt Sibylle Gerardi. «Viele reisen sicherlich auch gerne und wenden dafür darum mehr Zeit und Finanzen auf. Umgekehrt gibt es auch in den Segmenten der nicht-LGBT-Gästen viele mit diesen Interessen.»

Trotz Schulungen extra für LGBT-Gäste gilt also auch hier: den LGBT-Gast gibt es nicht. Alle Gäste sind verschieden. Von Richtlinien für einen speziellen Umgang hält Gerardi deshalb nichts: «Dies sollte auch nicht nötig sein in einer Kultur, in der alle Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität, Religion, und sexueller Ausrichtung gleich wertschätzend behandelt werden.»