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Das Kleintheater Luzern kämpft um private Sponsoren

Kleine Kulturveranstalter haben es bei der Suche nach privaten Geldgebern viel schwieriger als die grossen Player. Deshalb sind für das Kleintheater Luzern die 350'000 Franken Subvention von der Stadt Luzern überlebensnotwendig.
Hugo Bischof
Stefan Heuss, Erfinder seltsamer Maschinen (bekannt aus «Giacobbo/Müller»), tritt ab 19. Dezember im Kleintheater Luzern auf. (Bild: PD)

Stefan Heuss, Erfinder seltsamer Maschinen (bekannt aus «Giacobbo/Müller»), tritt ab 19. Dezember im Kleintheater Luzern auf. (Bild: PD)

Die Stadt Luzern erhöht ihre Förderbeiträge für einige Kulturbetriebe und Sportanlässe (wir berichteten). Auch das Kleintheater soll mehr Geld von der Stadt erhalten. Einer der Gründe sei die immer schwieriger werdende Suche nach privaten Sponsoren, sagt der Luzerner Stadtrat. Jährlich 350'000 Franken soll das Kleintheater künftig von der Stadt erhalten – 80'000 Franken mehr als bisher. «Wir erhalten dadurch mehr Planungssicherheit», freut sich Kleintheater-Co-Leiterin Sonja Eisl. «Dies beruhigt den Betrieb und nimmt Druck weg, auch in der täglichen Arbeit im Team.»

«Rein rechnerisch 65'000 Franken mehr»

Zugleich relativiert Eisl den Betrag: «Rechnerisch sind es nicht 80'000, sondern 65'000 Franken mehr. Denn mit dieser Erhöhung dürfen wir nun nicht mehr – wie in den vergangenen drei Jahren – Netzwerkbeiträge beim Fuka-Fonds und der RKK eingeben.» Die bisherigen 10'000 Franken aus dem durch die Billettsteuer gespiesenen Fonds zur Unterstützung kultureller Aktivitäten (Fuka-Fonds) sowie die 5000 Franken von der Regionalkonferenz Kultur (RKK) sind nun nämlich Teil der ordentlichen Subventionen. «Diese Netzwerkbeiträge waren als Überbrückung gedacht, nachdem die Koproduktionsgelder vom Kanton nach dessen Umstellung beim Fördersystem weggebrochen sind.»

Gemäss Eisl ist es tatsächlich schwieriger geworden, private Sponsoren zu finden. Der Stiftungsrat, unter anderen mit Luzerns Alt-Stadtpräsident Urs W. Studer und CSS-CEO Philomena Colatrella, unterstütze die Kleintheater-Leitung sehr mit Kontakten zu potenziellen Geldgebern und diene als Türöffner. «Doch selbst für Leute mit diesen Netzwerken ist es schwierig, verbindliche Zusagen oder längerfristige Partnerschaften zu erhalten.» Die Gründe dafür seien vielseitig: «Eine Hauptrolle spielt der zunehmende Fokus der Privaten auf den Gegenwert eines Sponsorings. Früher war ein Sponsoring vielleicht noch mehr Mäzenatentum, Unterstützung, um etwas zu ermöglichen. Heute ist es meist ein Gegengeschäft: Leistung gegen Leistung.» Gründe für Absagen seien oft, «dass die Firmen unsere Gegenleistungen nicht nutzen können. Viele Unternehmen suchen Anlässe oder Institutionen mit einer grösseren Öffentlichkeit, die breitere Aufmerksamkeit und einen besseren Imagetransfer versprechen.»

Hundert Anfragen – ein einziger Gesprächstermin

Andere Veranstalter mit mehr Glamour-Faktor haben es tatsächlich einfacher. Zur Unterstützung des Luzerner Sinfonieorchesters, das regelmässig mit Weltstars im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) auftritt, gründeten der Unternehmer Michael Pieper und seine Familie kürzlich einen mit 15 Millionen Franken dotierten Fonds. Dieser sei nicht als Ersatz für öffentliche Subventionen gedacht, wurde betont. Sein Ziel sei es, das Luzerner Sinfonieorchester in die «Champions League» der internationalen Toporchester zu bringen (wir berichteten). Zum KKL-Bau selber trugen private Gönner einst über 60 Millionen Franken bei. Eine Summe, von der das Kleintheater nicht einmal träumen darf.

Zusammen mit dem Stiftungsrat und einem Grafikbüro hätten sie eine neue Sponsoringpräsentation erarbeitet, sagt Eisl. «Nachdem wir lange Zeit Firmen gezielt und über persönliche Kontakte angegangen sind, haben wir die neue Mappe in den letzten Wochen an über hundert Firmen verschickt und mit dem gesamten Team eine Telefonaktion zum Nachhaken gestartet.» Das ernüchternde Ergebnis: «Ein einziger Termin für ein Gespräch, ansonsten alles Absagen.»

Das Kleintheater sei dringend auf private Gelder (Sponsoren, Stiftungen, Donatoren) angewiesen, so Eisl. «Das Erarbeiten dieser Gelder, die Erbringung der Gegenleistungen und die Pflege der einzelnen Kontakte und Partnerschaften benötigen jedoch sehr viel von unserer Arbeitszeit, welche uns für anderes fehlt.» Daher sei die Erhöhung der öffentlichen Subventionen so wichtig.

Lange Zeit war Energie Wasser Luzern (EWL) Kleintheater-Hauptsponsor. Das Unternehmen zog sich 2014 zurück. Der damalige Leitungswechsel beim Kleintheater sei Anlass gewesen, «den Fokus beim Sponsoring neu zu legen», so Eisl. Zwei andere frühere Hauptsponsoren hätten das Kleintheater aus wirtschaftlichen Gründen verlassen oder weil sie «statt längerfristigen Verpflichtungen künftig vermehrt auf punktuelle, temporäre Partnerschaften setzen wollten». Einzig die Hirslanden Klinik St. Anna engagiert sich seit vielen Jahren für das Kleintheater und ist heute der einzige Hauptsponsor.

Schwierige Situation für Freie Theaterszene

Das Interesse von Künstlern, im Kleintheater aufzutreten, sei nach wie vor gross, sagt Eisl – «auch dank unseren grossen Bemühungen im Bereich Kontaktpflege, Programmauswahl und Gastfreundschaft». Schwierig geworden sei die Situation für die Freie Theaterszene. «Die Querfinanzierung der einzelnen Gruppen durch öffentliche und private Gelder hat klar abgenommen», sagt Eisl. Der Druck auf Veranstalter, hier auszugleichen, wachse entsprechend. Logische Folge: Es braucht mehr Eigenmittel.

Ausserdem verlangten Agenturen vor allem für bekannte, publikumswirksame Künstler zunehmend höhere Gagen und höhere Eintrittspreise. «Das Kleintheater kann sich Künstler teilweise nur leisten, wenn die Ticketpreise entsprechend angehoben werden», sagt Eisl: «Dies entspricht aber nicht unserer Philosophie, da wir in diesem Zusammenhang auch an unser Publikum denken müssen.» Dazu komme: «Höhere Gagen beziehungsweise Einnahmebeteiligungen für den Künstler schmälern natürlich auch den dringend nötigen Gewinn bei den Ticketeinnahmen für das Kleintheater, mit dem wir das restliche Programm querfinanzieren.»

Die Produktion «Sworn Virgin» gastiert ab dem 14. November im Kleintheater Luzern. (Foto PD)

Die Produktion «Sworn Virgin» gastiert ab dem 14. November im Kleintheater Luzern. (Foto PD)

Ziel sind vermehrt mehrtägige Engagements

Eisl verweist auf den hohen Eigenfinanzierungsgrad von 70 Prozent des Kleintheaters: «Das bedeutet, dass wir sehr kosteneffizient programmieren müssen – das ist ein Spagat, wenn man bei der Qualität keine Abstriche machen will.» Bisher habe man sehr viele Einzelveranstaltungen machen müssen, «da viele Künstler nicht das Publikumspotenzial für mehr Vorstellungen haben, abgesehen von wenigen Ausnahmen wie Mike Müller, OHNE ROLF oder Hazel Brugger». Das bedeute mehr Ausgaben, da mehr Arbeit anfällt, etwa in den Bereichen Werbung, Gastspielkoordination, Technik.

Klarer Wunsch des Kleintheaters sei es, mehr Ensuite spielen zu können, also die gleiche Produktion an mehreren aufeinander folgenden Abenden, sagt Eisl: «Das kommt natürlich auch den Künstlern entgegen.» Vielleicht wird dies dank der Erhöhung der städtischen Subvention künftig wieder vermehrt möglich.

Hinweis: Nächste Aufführungen im Kleintheater Luzern am 14., 16., 17. November, 20 Uhr: Sworn Virgin – Burrnesha (Forever Productions), ein Stück über Geschlechteridentität und kulturelle Prägung. www.kleintheater.ch

Zu 70 Prozent eigenfinanziert

In der Spielzeit 2017/18 betrug der Betriebsaufwand des Kleintheaters Luzern rund 1,4 Millionen Franken. Davon waren 422'350 Franken (knapp 30 Prozent) Subventionen der öffentlichen Hand – neben der Stadt Luzern mit 270'000 Franken trugen dazu der Fuka-Fonds, die Regionalkonferenz Kultur, der Bezirk Küssnacht und die Gemeinde Meggen bei. 293'701 Franken (knapp 21 Prozent) leisteten Private wie Stiftungen, Sponsoren, Donatoren. 693'480 Franken (gut 49 Prozent) betrugen die Einnahmen durch Ticketverkauf, Theaterbar und Vermietungen. Daraus ergibt sich eine Eigenfinanzierung von rund 70 Prozent. (hb)

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