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Das Kreuz mit den Kräutern

Lucia Bühlmann kämpft auf ihrem Bauernhof gegen das Wasserkreuzkraut. Ein Problem ist laut dem Kanton Luzern auch das Jakobskreuzkraut. Und schon nähert sich die nächste giftige Pflanze mit einem Kreuz im Namen.
Stephan Santschi
Beseitigt auf ihrem Hof das Wasserkreuzkraut: Lucia Bühlmann.(Bild: Pius Amrein, 18. Juli 2018)

Beseitigt auf ihrem Hof das Wasserkreuzkraut: Lucia Bühlmann.
(Bild: Pius Amrein, 18. Juli 2018)

Eigentlich sieht es recht schön aus mit seinen gelben Blüten, harmlos zumindest. Doch das Wasserkreuzkraut ist giftig, und wenn eine Kuh, ein Schaf oder ein Pferd die Pflanze über Jahre hinweg frisst, erleidet die Leber einen irreversiblen Schaden. Lucia Bühlmann ist deshalb am «Blüemele», wie sie es nennt. Meter für Meter schreitet sie das Land auf ihrem Bauernhof auf dem Sonnenberg in Kriens ab und sticht die Eindringlinge aus dem Boden heraus. Dazu benützt sie ein Eisen, das von einem anderen Krienser Landwirt extra dafür angefertigt worden ist. Wie schon letztes Jahr helfen teilweise Asylsuchende bei der Feldarbeit mit. «Kriens», so sagt es Josef Scherer, der stellvertretende Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbands, «Kriens ist in Sachen Wasserkreuzkraut ein Hotspot im Kanton Luzern».

Das Problem ist nicht neu, vor rund 15 Jahren kam es unter der Leitung der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) zu umfassenden Erhebungen. «Wir stellten fest, dass das Wasserkreuzkraut auf einer Fläche von insgesamt 50 Hektaren vorkommt. Das verwandte und doppelt so giftige Jakobskreuzkraut fand sich derweil auf etwa 5 Hektaren», erzählt Heinrich Hebeisen, Experte für Pflanzenschutz und Ackerbau am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain. Zum Vergleich: Fünf Hektare entsprechen ungefähr der Fläche von sieben Fussballfeldern.

Problem tritt sehr regional auf

Neben Kriens waren und sind auch Meggen, Hertenstein, Finsterwald bei Entlebuch oder Escholzmatt betroffen. «Das Problem tritt sehr regional auf. Für die Betroffenen ist es eine Riesenlast», sagt Hebeisen. Bisher konnte kein Krankheitsfall eines Tiers unbestreitbar auf eines der Kreuzkräuter zurückgeführt werden. Dennoch wurden sie vom Regierungsrat aufgrund ihrer zunehmenden Verbreitung als gemeingefährlich eingestuft. Nicht ausgeschlossen werden könne die Übertragung des Gifts via Bienen in den Honig.

Für Lucia Bühlmann, die vor eineinhalb Jahren den Hof von ihren Eltern übernommen hat, gehört die Unkrautbekämpfung in den Sommermonaten Juni und Juli zum Alltag. Heuer hat sie bereits über 50 Stunden investiert; Unterstützung erhält sie von ihrem Mann Mario, ihrem Vater, einer Nachbarin und wie erwähnt von Asylsuchenden. «Zu Beginn, wenn alle Kräuter gleichzeitig aufblühen, fühle ich mich ohnmächtig. Mittlerweile bin ich wie abgerichtet und kann kaum mehr aufhören», erzählt sie und lacht. Wichtig sei, dass man das Wasserkreuzkraut mit der ganzen Wurzel aus dem Boden nehme, bevor es absamen könne.

Die Flugsamen, so erläutert Heinrich Hebeisen, verbreiten sich nämlich schnell und können bis zu 20 Jahre im Untergrund auf einen günstigen Moment für das Austreiben warten: «Der Samenvorrat im Boden hat enormes Potenzial.»

Chemische Einzelpflanzen-Behandlung mit selektiven Herbiziden sei zwar möglich und bei grossem Befall würden auch Sonderbewilligungen für Flächenbehandlungen erteilt. «Nachhaltig ist das alleine aber nicht. Nach drei Jahren sind die Unkräuter wieder da», so Hebeisen. Die Kreuzkräuter seien sehr robust und anpassungsfähig, finden sich ebenso auf mageren wie nährstoffreichen Wiesen. Hebeisens Fazit lautet deshalb: «Wir brauchen einen langen Schnauf, müssen konsequent dranbleiben. Nur ein Jahr des Nachlassens wirft uns wieder zurück.»

Neben den Landwirten nimmt er auch die Werkhöfe in die Pflicht. «Sie sollten dafür sorgen, dass Wasser- und Jakobskreuzkräuter an den Strassenrändern oder auf brach liegenden Flächen in den Gemeinden ausgerissen werden.» Teilweise klappe das ganz gut, wie etwa in Hochdorf, teilweise aber auch nicht.

Lucia Bühlmann richtet derweil gar einen Aufruf an die ganze Bevölkerung, wenn sie sagt: «Alle sollten mithelfen und die Kreuzkräuter jäten, wenn sie in Privatgärten oder auf Flachdächern auftauchen.»

Aufgepasst auf Eindringling aus Südafrika

Doch dem nicht genug. Kaum hat sich der Kampf gegen das Wasser- und Jakobskreuzkraut etabliert, droht schon der nächste, giftige Eindringling. Sein Name: Schmalblättriges Kreuzkraut. Im Gegensatz zu den Schweizer Pendants stammt diese Problempflanze aus Südafrika. «Importiert worden ist sie vor allem in Schafswolle», weiss Hebeisen.

Zunächst fiel sie entlang von Autobahnen auf, doch mittlerweile breite sie sich zunehmend ausserhalb davon aus. «In Frankreich hat sich das Schmalblättrige Kreuzkraut bereits auf die landwirtschaftlichen Flächen ausgedehnt. Bei uns ist es in der Landwirtschaft bisher noch kaum ein Thema. Doch wenn wir nichts unternehmen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es unsere Ackerkulturen, Weiden und Biodiversitätsförderflächen erreicht.»

Auch auf Flachdächern in der Stadt Luzern und Hohenrain habe er den Neophyten bereits ausgemacht. Das Lawa führe aktuell Erhebungen durch, um die Notwendigkeit von Massnahmen zu prüfen.

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