Das müssen Sie übers Grund- und Trinkwasser im Kanton Luzern wissen

Gemäss einer Studie weist das Grundwasser vielerorts zu viel Nitrat auf. Was heisst das für die Konsumenten?

Susanne Balli
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Blick in das Pumpwasserwerk in Sursee. (Bild: Dominik Wunderli)

Blick in das Pumpwasserwerk in Sursee. (Bild: Dominik Wunderli)

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat Mitte August einen Bericht zum Zustand des Schweizer Grundwassers veröffentlicht. Dabei kam heraus: Das Grundwasser ist vor allem durch Nitrat und Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet (siehe Kasten am Ende des Textes). Die Resultate der Studie verunsichern die Konsumenten. Und es tauchen unweigerlich Fragen auf, die wir Werner Göggel, Abteilungsleiter Gewässer und Boden bei der Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons Luzern, gestellt haben. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:

Wer ist für die Beobachtung des Grundwassers zuständig?

Die Nationale Grundwasserbeobachtung Naqua ist das gemeinsame Monitoringprogramm von Bund und Kantonen, das die Grundwasser-Quantität und -Qualität landesweit an rund 600 Messstellen erfasst. Im Kanton Luzern ist die Dienststelle Umwelt und Energie für die Grundwasserbeobachtung zuständig. Die Anforderungen an die Qualität des Grundwassers sind in der eidgenössischen Gewässerschutzgesetzgebung festgelegt, welche sogenannte Anforderungswerte definiert. Diese sind so festgelegt, dass für die Trinkwassernutzung vorgesehenes Grundwasser nach einfachen Aufbereitungsverfahren die Anforderungen an die Lebensmittelgesetzgebung einhält.

Was ist der Unterschied zwischen Grundwasser und Trinkwasser?

Das an einem Pumpwerk oder aus einer Quelle gefasste Grundwasser kann nicht dem Trinkwasser gleichgesetzt werden, und entsprechende Schlussfolgerungen sind falsch. Für Trinkwasser wird oftmals Wasser verschiedenen Ursprungs, zum Beispiel Grundwasser und Seewasser, und verschiedener Herkunft, zum Beispiel Grundwässer verschiedener Pumpwerke, gemischt. Nicht eingehaltene Anforderungswerte in einem Grundwasser müssen nicht zu Grenzwertüberschreitungen im Leitungsnetz führen.

An wie vielen Messstellen im Kanton Luzern hat das Bafu das Grundwasser untersucht?

Die Grundwasserqualität wird im Kanton Luzern an 45 Messstellen untersucht. Davon sind 24 Stellen Bestandteil des Untersuchungsprogramms Naqua. Die Messstellen sind auf der Website (www.uwe.lu.ch) öffentlich einsehbar.

Bei wie vielen Messstellen im Kanton Luzern kamen zu hohe Nitratwerte von über 25 Milligramm pro Liter) vor?

Der Anforderungswert für Nitrat gemäss Gewässerschutzverordnung von 25 mg/l ist in den Grundwasservorkommen mehrheitlich eingehalten. In vier bis fünf Grundwasservorkommen liegen die Nitratwerte leicht über diesem Anforderungswert. Generell hat sich die Situation bezüglich Nitrat in den letzten Jahren verbessert. Werte über 40 mg/l sind seit rund 10 Jahren kaum mehr aufgetreten. Es gibt aber immer noch einzelne Kluftgrundwasservorkommen im Kanton ausserhalb der aufgezeigten Messprogramme, die Nitratbelastungen über dem Anforderungswert aufweisen.

Was ist Nitrat?

Nitrat ist eine Stickstoffverbindung, die von Natur aus im Boden vorkommt. Sie ist aber auch Bestandteil von Düngemitteln. Nitrat dient Pflanzen als Nährstoff. Überschüssiges Nitrat wird von den Pflanzen vorwiegend in Stielen, Blattrispen und den äusseren Blättern gespeichert. In Lebensmitteln und im Körper bei der Verdauung kann aus Nitrat Nitrit entstehen. Nitrit wandelt den roten Blutfarbstoff Hämoglobin in Methämoglobin um. Dieses kann keinen Sauerstoff binden und transportieren, was zu Sauerstoffmangel in den Geweben und im schlimmsten Fall bis zur inneren Erstickung führen kann. Vor allem für Säuglinge in den ersten Lebensmonaten ist eine hohe Nitrat- respektive Nitritaufnahme gefährlich.

Worauf sind die erhöhten Nitratwerte zurückzuführen?

Die Ursache liegt in der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung im Einzugsgebiet dieser Grundwasservorkommen.

Was wird gegen zu hohe Nitratwerte und Pestizidrückstände unternommen?

Das Gewässerschutzgesetz gibt vor, dass die Böden «so zu bewirtschaften sind, dass die oberirdischen und unterirdischen Gewässer (Grundwasser) nicht beeinträchtigt werden, namentlich nicht durch Abschwemmung und Auswaschung von Düngern und Pflanzenbehandlungsmittel». Sind die Anforderungswerte nicht eingehalten, besteht Handlungsbedarf. Dieser kann auf verschiedenen Stufen ansetzen, zum Beispiel bei der Zulassung von Stoffen wie beispielsweise Pflanzenschutzmitteln, bei Vorgaben für die ausgeglichene Nährstoffbilanz in der Landwirtschaft oder bei Einschränkungen von Dünger und Pflanzenschutzmittel im Einzugsgebiet und in der Schutzzone einer Trinkwasserfassung. Weiterer Handlungsbedarf kann sich aus der Lebensmittelgesetzgebung ergeben.

Wie sieht es im Kanton Luzern mit den Pestizidrückständen und Pflanzenschutzmitteln im Grundwasser aus?

Auch in den Grundwasserfassungen im Kanton Luzern können Spuren von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen werden. Es sind jedoch in keiner Fassung im Rahmen des Naqua-Messprogramms Konzentrationen gemessen worden, die den Anforderungswert für Pflanzenschutzmittelwirkstoffe übersteigen.

Wer ist für das Einhalten der Grenzwerte verantwortlich?

Jeder Wasserversorger muss im Rahmen der Selbstkontrollpflicht dafür sorgen, dass alle lebensmittelrechtlichen Anforderungen erfüllt sind.

Was unternimmt der Kanton für sauberes Trinkwasser?

Die Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz kontrolliert die Wasserversorgungen periodisch und überprüft, ob der Pflicht zu Selbstkontrolle nachgekommen wird. Bei allfälligen Mängeln werden Massnahmen angeordnet, um diese zu beheben. Die Lebensmittelgesetzgebung sieht vor, dass die Trinkwasserversorgungen mindestens alle vier Jahre inspiziert werden. Zudem werden regelmässig Wasserproben im Labor untersucht.

Wie viele Wasserversorgungen im Kanton Luzern gibt es?

Es gibt im Kanton Luzern über 200 öffentliche Wasserversorgungen sowie eine Vielzahl von kleinen, privaten Versorgungen. Die grössten Versorgungen sind in der Agglomeration Luzern (EWL, Gemeindewasserversorgungen Kriens, Horw, Emmen, Ebikon) sowie in Hochdorf (WWZ Hochdorf AG) und Sursee – Surental (AquaRegio AG).

Wo können sich Konsumenten über die Qualität ihres Trinkwassers informieren?

Da Trinkwasser im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln nicht einfach mit einer Etikette versehen werden kann, müssen die Wasserversorger die Konsumenten mindestens einmal jährlich über die Qualität des Trinkwassers informieren. Dies geschieht beispielsweise via Wasserrechnung oder Website der Versorger.

Grenzwerte werden vielerorts überschritten

Im Mittelland weisen 80 Prozent der Messstellen beim Grundwasser eine Konzentration von mehr als 10 mg/l Nitrat auf. An rund 15 Prozent aller 600 Messstellen wurden bei Wasserproben zwischen 2007 und 2014 Nitratkonzentrationen von mehr als 25 mg/l nachgewiesen. Dieser Wert ist in der Gewässerschutzverordnung als Anforderung festgelegt. In Gebieten mit viel Ackerbau wurde dieser Wert an 40 Prozent der Messstellen überschritten. An 2 Prozent der Messstellen wurde auch der Höchstwert der Lebensmittelgesetzgebung für Trinkwasser von 40 mg/l Nitrat nicht eingehalten. Ab diesem Wert darf das Wasser nicht mehr konsumiert werden.