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Das Nein der Ebikoner zum MParc ist auch ein Warnsignal für andere Grossprojekte

Nach der Abfuhr des Stimmvolks für das MParc-Projekt in Ebikon: Die Initianten der geplanten Sagenmatt-Siedlung wollen den Dialog mit der Bevölkerung verstärken. Zudem wird das Pro-Komitee MParc beim Gemeinderat einen Antrag stellen.
Roman Hodel

Ein urbanes Quartier mit 340 Wohnungen hätte es werden sollen, dominiert von einem 55 Meter hohen Hochhaus. Ein bisschen Stadt in der Agglo. Doch die Ebikoner versenkten das Projekt der Migros Luzern auf dem MParc-Areal an der Urne überraschend deutlich mit 58,7 Prozent (wir berichteten). Ein Nein, das nicht zuletzt die Initianten von anderen Grossprojekten im Rontal aufhorchen lässt. Allen voran die Moyreal Immobilien AG. Die Tochterfirma der Amag plant auf dem Areal des heutigen Garagenbetriebs eine ähnlich dicht bebaute Siedlung mit 260 Wohnungen.

Visualisierung des Sagenmatt-Projekts. (Nightnurse Images GmbH)

Visualisierung des Sagenmatt-Projekts. (Nightnurse Images GmbH)

«Wir haben die Abstimmung sehr aufmerksam verfolgt», sagt Niels Lehmann, Leiter Projektentwicklung bei Moyreal. «Das Resultat bedeutet für uns, dass wir der Bevölkerung genau aufzeigen müssen, was bei unserem Vorhaben die Vorteile für Ebikon sind.» Im Unterschied zum MParc-Projekt sei ihr Sagenmatt-Projekt sicher weniger städtisch geprägt. Die Häuser orientierten sich mit fünf bis maximal sieben Geschossen an den Nachbargebäuden. «Es passt von der Gesamtarchitektur besser zu Ebikon», so Lehmann. Denn gerade das Hochhaus als Symbol für eine urbane Prägung habe polarisiert. Er sagt:

«Die Ebikoner verstehen sich nach wie vor eher als Dörfler, auch das zeigt das Abstimmungsresultat.»

Wobei: Die Kritik am MParc-Projekt betraf nicht nur das Hochhaus, sondern auch andere Aspekte wie die 0,6 Parkplätze pro Wohnung. Ein Wert, den die Sagenmatt ebenfalls einhalten muss. Trotzdem ist Lehmann optimistisch: «Bei der Sagenmatt ist eine Antwort auf diese Herausforderung fester Bestandteil des Konzepts, indem wir die Mobilität in den Mietzins einrechnen.» Zu jedem Mietvertrag gehört etwa ein Busabo oder die Nutzung der siedlungseigenen Carsharing-Flotte. Lehmann rechnet damit, dass die Ebikoner noch dieses Jahr über den Bebauungsplan zur Sagenmatt abstimmen können. «Vorgängig werden wir das Gespräch mit allen Parteien und auch mit der Stimmbevölkerung suchen, um ihnen das Projekt im Detail vorzustellen.» Nur so sei ein Ja an der Urne realistisch.

Auch in der Nachbargemeinde Dierikon hat man die MParc-Abstimmung verfolgt – nicht ohne Grund: Direkt neben der Mall of Switzerland soll das Rontalzentrum entstehen. Über einem Sockelbau mit Büros und Gewerbe hat der Liftbauer Schindler als Landbesitzer 350 Wohnungen in vier 55 Meter hohen Wohntürmen geplant (Ausgabe vom 15. Januar).

So könnten das Rontalzentrum dereinst aussehen. (Visualisierung: Architekturbüro Iwan Bühler)

So könnten das Rontalzentrum dereinst aussehen. (Visualisierung: Architekturbüro Iwan Bühler)

Analog zu Ebikon macht sich auch hier der Gemeinderat für ein privates Projekt stark. «Das deutliche Nein zum MParc hat mich schon überrascht», sagt Dierikons Gemeindepräsident Max Hess (CVP). Dennoch seien die beiden Bauvorhaben nicht vergleichbar. Er sagt:

«In Ebikon existieren mehrere grosse Projekte – bei uns hingegen zurzeit nur dieses eine, und erst noch sehr detailliert.»

So sei jetzt schon klar, dass etwa die Strassenquerung für Fussgänger mit einer Passerelle gelöst werde. Die Kommunikation mit den Parteien und der Bevölkerung laufe in einer kleinen Gemeinde ebenfalls anders. Hess: «Wir sind näher beim Volk.» Zwar wurden an einem Infoanlass kritische Stimmen laut (wir berichteten). Trotzdem: Bis jetzt – so seine Wahrnehmung – seien die Dierikoner dem Rontalzentrum gegenüber mehrheitlich positiv eingestellt. «Auch weil wir die direkte Infrastruktur wie etwa Strassen wegen des Projekts nicht ausbauen müssen.» Dass manche Angst vor Leerständen haben, kann Hess verstehen. «Nur, dies kalkulieren die Investoren ein – die vier Türme müssen nicht alle auf einmal gebaut werden.»

Felix Meyer, Geschäftsleiter der Migros-Genossenschaft Luzern, während die Gemeinde Ebikon über das Nein zum Projekt auf dem MParc-Areal informiert. (Bild: Nadia Schärli, 10. Februar 2019)Felix Meyer, Geschäftsleiter der Migros-Genossenschaft Luzern, während die Gemeinde Ebikon über das Nein zum Projekt auf dem MParc-Areal informiert. (Bild: Nadia Schärli, 10. Februar 2019)
Daniel Gasser, Gemeindepräsident von Ebikon (links), und Felix Meyer, Geschäftsleiter der Migros-Genossenschaft Luzern, an der Information über das Nein zum Projekt auf dem MParc-Areal . (Bild: Nadia Schärli, 10. Februar 2019)Daniel Gasser, Gemeindepräsident von Ebikon (links), und Felix Meyer, Geschäftsleiter der Migros-Genossenschaft Luzern, an der Information über das Nein zum Projekt auf dem MParc-Areal . (Bild: Nadia Schärli, 10. Februar 2019)
Daniel Gasser, Gemeindepräsident von Ebikon (links), und Felix Meyer, Geschäftsleiter der Migros-Genossenschaft Luzern, an der Information über das Nein zum Projekt auf dem MParc-Areal . (Bild: Nadia Schärli, 10. Februar 2019)Daniel Gasser, Gemeindepräsident von Ebikon (links), und Felix Meyer, Geschäftsleiter der Migros-Genossenschaft Luzern, an der Information über das Nein zum Projekt auf dem MParc-Areal . (Bild: Nadia Schärli, 10. Februar 2019)
3 Bilder

Bildergalerie zur MParc-Abstimmung

Welche Gründe in Ebikon hauptverantwortlich für das Nein waren, ist noch unklar. Das Pro-Komitee Weichle/MParc wird beim Gemeinderat deshalb einen Antrag für eine Nachbefragung stellen. «Deren Ergebnis ist wichtig im Hinblick auf künftige Projekte», sagt Kurt Steiner (CVP) vom Pro-Komitee. Gemäss Gemeindepräsident Daniel Gasser (CVP) ist eine solche Nachbefragung «selbstverständlich eine Option.» Noch sei es jedoch zu früh für eine verbindliche Aussage. Der Gemeinderat werde sich in den nächsten Tagen Gedanken machen, wie es weiter geht, auch bezüglich Ortsplanung. Gasser: «Der direkte Austausch mit Befürwortern und Gegnern wird dabei sicher zentral sein.»

Migros will Zwischennutzung «zeitnah» starten

Derweil will die Migros Luzern mit der Zwischennutzung des MParcs «zeitnah» starten. Ein Teil des Gebäudes nutzt der Grossverteiler aktuell als Lager. Angeboten werden Verkaufs-, Logistik-, Gewerbe- und Lagerräume. Sprecherin Antonia Reinhard sagt: «Interessenten können sich gerne melden.»

So hätte es auf dem MParc-Areal dereinst aussehen sollen. Blick in die Weichlenstrasse. In der Mitte ist die Glashalle des ehemaligen Migros-Gartencenters erkennbar, ganz links hinten - schön versteckt - das 55-Meter-Hochhaus.So hätte es auf dem MParc-Areal dereinst aussehen sollen. Blick in die Weichlenstrasse. In der Mitte ist die Glashalle des ehemaligen Migros-Gartencenters erkennbar, ganz links hinten - schön versteckt - das 55-Meter-Hochhaus.
Geplant waren diverse Wohnhäuser mit grossen Fensterflächen und viel Grün drumherum. Geplant waren diverse Wohnhäuser mit grossen Fensterflächen und viel Grün drumherum.
Zwischen den Gebäuden waren Begegnungszonen geplant.Zwischen den Gebäuden waren Begegnungszonen geplant.
Das Quartier hätte laut laut der Migros ökologisch vorbildlich werden und Platz für die unterschiedlichsten Wohnformen haben sollen.Das Quartier hätte laut laut der Migros ökologisch vorbildlich werden und Platz für die unterschiedlichsten Wohnformen haben sollen.
Das waren noch Zeiten: Geburtstagstorte zum 5-Jahr-Jubiläum des MParcs Ebikon. (Archivbild LZ (12. April 2002)Das waren noch Zeiten: Geburtstagstorte zum 5-Jahr-Jubiläum des MParcs Ebikon. (Archivbild LZ (12. April 2002)
Nach 20 Jahren Betrieb wurde das Zentrum im November 2017 geschlossen. Mit Ausnahme der Migrol-Tankstelle sind alle Migros-Formate in die Mall of Switzerland gezogen. (Bild: PD/Genossenschaft Migros Luzern)Nach 20 Jahren Betrieb wurde das Zentrum im November 2017 geschlossen. Mit Ausnahme der Migrol-Tankstelle sind alle Migros-Formate in die Mall of Switzerland gezogen. (Bild: PD/Genossenschaft Migros Luzern)
Das Raumprogramm von oben. (Visualisierungen: PD/Genossenschaft Migros Luzern)Das Raumprogramm von oben. (Visualisierungen: PD/Genossenschaft Migros Luzern)
Besucherinnen eines Infoanlasses zum Projekt beäugen das Modell des geplanten Quartiers. (Bild: hor, Ebikon 27. November 2018)Besucherinnen eines Infoanlasses zum Projekt beäugen das Modell des geplanten Quartiers. (Bild: hor, Ebikon 27. November 2018)
8 Bilder

So hätte das MParc-Areal entwickelt werden sollen

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