Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Das neue Luzerner Theater soll so flexibel wie möglich sein

Ob das Luzerner Theater neu gebaut wird oder nicht, ist noch offen. Beim Theater und bei den politischen Parteien hat man aber schon klare Vorstellungen, was das neue Haus künftig alles leisten muss.
Robert Knobel
Erweitern - oder ersetzen? Das ist noch offen. Klar ist aber: Das Luzerner Theater soll an seinem jetzigen Standort bleiben. (Bild: Roger Grütter)

Erweitern - oder ersetzen? Das ist noch offen. Klar ist aber: Das Luzerner Theater soll an seinem jetzigen Standort bleiben. (Bild: Roger Grütter)

Noch sind es bloss erste Ideen und Entwürfe – aber sie tönen spektakulär: Das Luzerner Theater soll doppelt so gross werden, entweder mit einem Erweiterungsbau oder mit einem kompletten Neubau (wir berichteten). Der politische Prozess ist zwar noch in der Anfangsphase, und auch das Luzerner Theater selber hat sich noch nicht auf eine favorisierte Variante festgelegt. Dennoch hat man beim Theater klare Vorstellungen, welche Kriterien das neue Haus erfüllen muss. Wie bisher soll das Luzerner Theater «ein Mehrspartenhaus für die darstellenden Künste» sein, wie Birgit Aufterbeck Sieber, Präsidentin der Stiftung Luzerner Theater, sagt. Auch die betrieblichen Abläufe sollen im neuen Haus deutlich einfacher werden als im heutigen Gebäude aus dem Jahr 1839.

Auch das Lucerne Festival und die freie Theaterszene sollen ihren Platz erhalten

Dabei geht es um viel mehr, als bloss die veraltete Infrastruktur zu ersetzen. Das Luzerner Theater soll inhaltlich-künstlerisch ebenfalls in eine andere Liga aufsteigen. So soll künftig etwa die Aufführung von aufwändigen Wagner-Opern möglich sein. Auch das Lucerne Festival, welches heute praktisch keine Berührungspunkte mit dem Luzerner Theater hat, soll in Zukunft einen festen Platz an der Reuss erhalten. Hinzu kommt, dass auch die freie Theaterszene eine Plattform erhält. Der stärkere Einbezug der freien Szene wurde bereits im Rahmen der Salle Modulable aufgegleist und soll im neuen Theaterhaus umgesetzt werden.

All dies ist aber nur möglich, wenn das Haus baulich und technisch eine maximale Flexibilität aufweist, ähnlich wie bei der Salle Modulable. Birgit Aufterbeck betont zwar, dass sich die beiden Projekte nicht ohne weiteres vergleichen lassen. Dennoch sagt sie: «Es geht um eine intelligente Mehrfachnutzung der Räume und Raumteile. Kleine und mittlere Produktionen können parallel geprobt, aufgeführt und zwischengelagert werden.» Gerade Letzteres ist ein grosses Handicap des heutigen Gebäudes: Alle Bühnenbilder müssen aufwändig zerlegt, zum Südpol transportiert und dort zwischengelagert werden, bis sie am Folgetag wieder zurückgefahren und aufgebaut werden. Birgit Aufterbeck: «Wir sollten immer vor Augen haben, dass wir nicht nur für uns morgen, sondern für kommende Generationen bauen. Denen sind wir möglichst vielseitige Lösungen schuldig.»

Interessierte Sponsoren für neues Theater

Für Aussagen zu konkreten Baukosten sei es noch zu früh, sagt Aufterbeck. Diese könne man erst in der Wettbewerbsphase näher beziffern. Finanziert wird das neue Theater von Stadt und Kanton Luzern, doch auch Sponsoren werden wohl eine wichtige Rolle spielen. Birgit Aufterbeck: «Wir haben positive Signale von Luzerner Persönlichkeiten, die bereit sind, das Projekt auch finanziell zu unterstützen.»

Da der Betrieb des alten Theaterhauses aus baulichen Gründen nur noch bis 2025 gesichert ist, drängt die Zeit. Gemäss dem Luzerner Stadtpräsidenten und Kulturvorsteher Beat Züsli (SP) will der Stadtrat noch in diesem Winter dem Parlament einen Planungsbericht vorlegen. Gleichzeitig wolle man eine öffentliche Diskussion über die Ergebnisse der Testplanung lancieren. «Wir machen uns Gedanken über zusätzliche Veranstaltungen wie ein Podium oder ein öffentliches Diskussionsforum», sagt Beat Züsli. Trotz des engen Zeitrahmens sei ein sorgfältiges Vorgehen und eine gute Abstimmung mit allen Interessenvertretern unerlässlich. «Zeitdruck hilft nicht – das haben wir in der Vergangenheit gesehen», sagt Züsli. Tatsächlich scheiterte die Salle Modulable vor allem deshalb, weil den Planern des Mega-Projektes am Ende die Zeit davon gelaufen war.

Was die inhaltliche Ausrichtung des künftigen Theaters betrifft, so plädiert die Stadtregierung für die Fortsetzung des bisherigen Wegs. «Derzeit gehen wir davon aus, dass es weiterhin einen Hauptnutzenden wie die Stiftung Luzerner Theater gibt, die aber – wie bereits heute – mit andern zusammenarbeitet.»

Auch der Kanton als Mit-Träger und Haupt-Geldgeber des Luzerner Theaters hat ein entscheidendes Wort mitzureden. Wir sprachen mit Regierungsrat Reto Wyss (CVP), Vorsteher des kantonalen Bildungs- und Kulturdepartements.

Regierungsrat Reto Wyss (Bild Roger Grütter)

Regierungsrat Reto Wyss (Bild Roger Grütter)

Reto Wyss, was sagen Sie zu den Resultaten der Testplanung?

Ich nehme mit grosser Befriedigung zur Kenntnis, dass sowohl ein Neubau als auch ein Erweiterungsbau am Theaterplatz möglich sind. Es ist für die weitere Planung sehr wichtig, dass diese städtebauliche Beurteilung jetzt erfolgt ist.

Der Lead liegt bisher bei der Stadt Luzern. Warum engagiert sich der Kanton nicht stärker fürs neue Theater?

Es war sinnvoll, dass die Stadt bei den raumplanerischen Fragen den Lead übernimmt. Schliesslich muss ja auch die Stadtbevölkerung hinter dem Projekt stehen. Der Stadtrat wird nun den Dialog mit der Stadtbevölkerung pflegen. Bei den nächsten Schritten werden wir aber selbstverständlich eng mitwirken.

Im kantonalen Aufgaben- und Finanzplan sind bis 2022 keine Gelder mehr für die Theater-Erneuerung vorgesehen. Das hat kürzlich zu einem Vorstoss im Kantonsrat geführt. Wie wird sich der Kanton an den Investitions- und Baukosten beteiligen?

Das Gesetz regelt nur den Kostenschlüssel für die normalen Betriebskosten des Theaters. Welchen Finanzierungsanteil der Kanton an den Investitionskosten haben soll, ist Gegenstand von Verhandlungen mit der Stadt. Diese haben aber noch nicht begonnen.

Bei den Betriebskosten zahlt der Kanton 70 Prozent, die Stadt 30. Wäre dies ein Modell auch für die Baukosten?

Nein, es gibt bei den anstehenden Investitionen keinen direkten Zusammenhang mit dem bestehenden Verteilschlüssel.

Bis wann soll in Sachen Finanzierung Klarheit herrschen?

Wir sind sehr daran interessiert, die Frage zügig zu klären. Andererseits ist es mir ein grosses Anliegen, dass wir sorgfältig planen. Bei der Salle Modulable mussten wir ständig unter Zeitdruck arbeiten, gewisse Fragen konnten wir nicht seriös genug klären. Wir müssen uns die Zeit nehmen, all die Fragen, die aus der Bevölkerung auf uns zukommen werden, sauber zu beantworten.

Das sind die Forderungen der Stadtluzerner Parteien

Die Veröffentlichung der Testplanung für das neue Luzerner Theater hat auch bei den städtischen Parteien erste Reaktionen ausgelöst. Ein definitives Bekenntnis für oder gegen einen Neubau hat noch keine Partei abgegeben. Die Fraktionschefs von SP (Simon Roth) und FDP (Sonja Döbeli) zeigen Sympathien für die Variante Sanierung/Erweiterung. SVP-Fraktionschef Marcel Lingg tendiert hingegen zu einem Neubau «als die einfacher umzusetzende Variante.» Auch Michael Zeier-Rast (CVP) sagt: «Wir sind auf jeden Fall offen für einen Neubau, speziell dann, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis dies unterstreichen sollte.»

Die Parteien betonen, dass das neue Theater in Luzern verankert bleiben müsse. «Es braucht ein qualitativ hochstehendes Dreispartenhaus, das sich in erster Linie an die einheimische Bevölkerung richtet», sagt Simon Roth (SP). Auch Marcel Lingg (SVP) will ein «Programm, welches breitere Bevölkerungskreise anzieht.» Für Sonja Döbeli (FDP) ist dies auch ein finanzielles Gebot: «Ziel des Theaters muss es sein, die Selbstfinanzierungsquote zu erhöhen.» Dies sei aber nur möglich, wenn auch «Kassenschlager wie Operetten und Musicals» im Angebot sind. Judith Wyrsch (GLP) sagt zwar: «Die künstlerische Ausrichtung sehen wir nicht als Sache der Behörden.» Doch auch die GLP stehe klar hinter einem Mehrspartenhaus und erhoffe sich neue Synergien, etwa mit dem Lucerne Festival. Grünen-Fraktionschefin Korintha Bärtsch sieht derweil den Kanton in der Pflicht: «Entscheidend ist, dass der Kanton als Hauptfinanzierer mit ins Boot einsteigt und den Prozess für ein neues Theater zusammen mit dem Stadtrat vorantreibt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.