Das Ortsbild der Gemeinde Emmen wird klarer definiert

Die Gemeinde Emmen hat ihr städtebauliches Gesamtkonzept veröffentlicht. Die Quartiere sollen einen höheren Stellenwert erhalten – ebenso der Strassenraum.

Beatrice Vogel
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Wie soll sich Emmen entwickeln? Diese Frage stellte die Gemeinde ihrer Bevölkerung in einer gross angelegten Umfrage. Nun wurde die Antwort in eine Form gebracht – mit dem städtebaulichen Gesamtkonzept. Das Dokument berücksichtigt alle Aspekte der Siedlungsentwicklung, vom Städtebau über den Verkehr bis hin zu den Landschaftsräumen. Es bildet die Grundlage für die Ortsplanungsrevision, welche die Entwicklung für die kommenden 15 Jahre steuert. Gleichzeitig weist es weit über diesen Planungshorizont hinaus: Das Konzept soll bis 2050 als Vision für die räumliche Entwicklung der Gemeinde Emmen dienen.

Das Konzept nimmt verschiedene Forderungen aus der Bevölkerungsumfrage auf. So sollen Strassenräume mehr Aufenthaltsqualität erhalten, Grünräume bestehen bleiben und der Charakter der Quartiere soll sich nicht grundlegend verändern. Zudem werden keine neuen Wohnzonen geschaffen. Verdichtet werden soll hauptsächlich entlang der Hauptachsen an zentraler Lage.

Manche Quartiere werden von Verdichtung verschont

Damit greift die Gemeinde die Befürchtung der Bevölkerung vor zu starkem Wachstum auf, die unter anderem von der SVP mit ihrer Wachstums-Initiative bewirtschaftet wird. Grundsätzlich werden für jedes Quartier bestimmte Charakteristika definiert:

Die Verdichtung soll insbesondere in den zentralen und urbanen Quartieren am Seetalplatz, in der Viscosistadt und entlang der Gerliswil- und Seetalstrasse stattfinden. Und: Andere Quartiere werden gänzlich von Verdichtung verschont, sie sollen vor allem auch grün bleiben. Aber wie viel Wachstum bedeutet das? «Wir machen bewusst keine quantitativen Aussagen zum Wachstum», sagt Christine Bopp, Projektleiterin der Gesamtrevision, die Qualität stehe im Vordergrund.

«Im Vergleich zur heutigen Zonenordnung wird keine markante zusätzliche Verdichtung forciert.»

Indem verschiedene Quartierzentren definiert werden, ist die Bemühung ersichtlich, dass Emmen nicht zum Einheitsbrei werden soll. Zwar wird rund um den Seetalplatz ein Zentrumsquartier definiert. Doch auch die anderen Quartiere sollen in sich funktionieren. «Das Thema hier ist die Stadt der kurzen Wege», so Bopp. Die Grundversorgung soll im Wohnquartier stattfinden. «Auch wurde der Wunsch nach mehr Quartiertreffpunkten geäussert.» Daneben haben die Quartiere viel mit Identität zu tun. «In einer so grossen Gemeinde identifiziert man sich stark mit dem Quartier und dessen Charakter.»

So soll etwa Emmen Dorf dörflich bleiben. Es wird durch Grünstreifen – sogenannte Landschaftsfenster – als eigenständiges Quartier definiert. Überhaupt wird auch den Grünflächen im Konzept viel Platz eingeräumt. Die Siedlungsränder werden festgelegt, damit die anschliessende Landschaft ihr Erscheinungsbild behält und es keine Zersiedelung gibt.

Abkehr von Blockrandbebauungen

Ebenfalls interessant ist das Bekenntnis zum Strassenraum als Lebensraum. Die Hauptachsen Gerliswil- und Seetalstrasse sollen diesbezüglich eine Veränderung durchmachen. So soll etwa der Langsamverkehr mehr Platz erhalten – was für Diskussionen sorgen dürfte. «Natürlich ist das eine politische Frage, auch hinsichtlich der Parkplätze», sagt Bopp. Die Strassen wären aber breit genug. «Uns geht es vor allem darum, dass wir eine klare Haltung zu den Kantonsstrassen haben.» Entlang der Hauptachsen sollen sich zudem die Gebäude zur Strasse hin öffnen. Dies ist eine klare Abkehr von Blockrandbebauungen wie der Feldbreite, die der Strasse quasi den Rücken zukehrt.

Emmen nimmt mit dem städtebaulichen Gesamtkonzept seine Siedlungsentwicklung in die Hand. Der Wandel vom einstigen Industriedorf zur selbstbewussten Stadt schreitet weiter fort. Es sind keine radikalen Änderungen, die diese Vision von Emmen vermittelt. Vielmehr wird die bisherige Stossrichtung weiterverfolgt – und akzentuiert. Gleichzeitig wird dem unkontrollierten Wachstum Einhalt geboten, die Qualität der öffentlichen Räume erhält viel Gewicht.

Trotzdem ist zu bedenken, dass dies eine Vision ist und es nicht sicher ist, dass alles genau so umgesetzt wird. Christine Bopp sagt dazu:

«Das Konzept zeichnet ein Bild davon, was möglich ist und welche Massnahmen es dazu braucht. Aber natürlich müssen wir auch die Bauvorschriften entsprechend gestalten.»

Die Gemeinde könne dadurch Arealentwicklungen massgeblich beeinflussen, wenn sie denn auch entsprechende Bekenntnisse der Bauherren einfordere.

Ausgearbeitet wurde das städtebauliche Gesamtkonzept von Van de Wetering Atelier für Städtebau GmbH in Zusammenarbeit mit der MRS Partner AG, Fahrni Landschaftsarchitekten GmbH und der Hochschule Luzern, Soziale Arbeit. Der Einwohnerrat wird sich an der Sitzung vom 17. Dezember damit befassen.

Wie sich Emmen verändern soll

Im städtebaulichen Gesamtkonzept wurden die folgenden zehn Handlungsfelder definiert:

1. Statt flächendeckender Verdichtung soll gezielt an klar definierten Orten verdichtet werden. Dadurch wird nicht nur das Wachstum begrenzt, viele Quartiere werden damit gar nicht von der Verdichtung tangiert. 2. Der Verkehr soll nicht als Problem, sondern als Chance für die strategische Lage Emmens betrachtet werden. Er soll ein integraler Bestandteil des Städtebaus werden. 3. Die geografische Lage soll sich im Ortsbild und dessen Vielseitigkeit spiegeln. Während städtische Quartiere eher im flachen Gebiet liegen, sind an den Hängen eher grüne, kleinteilige Quartiere angesiedelt. Je nach Lage sind unterschiedliche Wohnangebote gefragt. 4. Arbeitsgebiete sollen besser erschlossen, genutzt und als eigenständige Quartiere mit kompakter Bauweise entwickelt werden. An peripheren Orten soll weniger verkehrsintensives Gewerbe angesiedelt werden. 5. Die Siedlungsränder werden klar definiert, der Landschaftsraum bleibt zusammenhängend erhalten. 6. Bestehende Grünflächen sollen nicht überbaut werden, sondern als Freiräume bestehen bleiben. Zwischen Bebauung und Freiraum soll ein stärkerer Bezug geschaffen werden. 

7. Die historisch gewachsenen Ortsteile wie Emmen Dorf oder Gerliswil sollen als Zentren gestärkt und zu lokalen Treffpunkten entwickelt werden. Statt eines Ortskerns wird dadurch die polyzentrische Struktur betont. 8. Das ÖV-System soll aufgewertet werden, etwa mit einem übersichtlichen Ortsbusnetz. 9. Emmen hat sich als «Strassendorf» entlang der Hauptachsen entwickelt. Heute werden die Strassen als Unorte empfunden, weil die Abstimmung zwischen Städtebau und Verkehr fehlt. Deshalb sollen die Hauptstrassen aufgewertet werden, mit angepasstem Temporegime, guter Querbarkeit und einer Umverteilung der Verkehrsfläche zugunsten von ÖV und Langsamverkehr. 10. Grosse Überbauungen führen oft zu isolierten Siedlungen, die sich vom Strassenraum abkehren. Stattdessen soll die kleinräumige Quartierstruktur weiterentwickelt werden. Dazu gehört die Sicherstellung von Treffpunkten und die Öffnung der Freiräume. Quartiere sollen nicht isoliert, sondern überlagert werden.

Weitere Infos zur Ortsplanungsrevision Emmen: www.qualitaet-emmen.ch