Analyse

Das Rontal zwischen Boom und Stillstand – die Analyse zur Entwicklung in Luzern Ost

Die Achse Luzern-Rotkreuz boomt – doch nicht überall. Während etwa in Root die Post abgeht, haben Ebikon und Dierikon in jüngster Zeit gleich zwei Grossprojekte begraben. 

Roman Hodel
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Roman Hodel

Roman Hodel

Manch einer rieb sich die Augen, als die Dierikoner kürzlich das Rontalzentrum mit seinen vielen Wohnungen und den vier Hochhäusern versenkten. Und zwar noch deutlicher als die Ebikoner im Februar das MParc-Projekt, ebenfalls mit vielen Wohnungen und einem Hochhaus.

Die beiden gescheiterten Projekte stehen symptomatisch für eine gewisse Wachstumsskeptik, die sich auch andernorts breitmacht. Beispielsweise in Emmen mit der Wachstumsinitiative. Interessant ist allerdings, dass ausgerechnet im vom Kanton Luzern als Entwicklungsschwerpunkt definierten Rontal innert weniger Monate zwei Grossprojekte vom Souverän gebodigt wurden. Sind die Rontaler wachstumsmüde?

Nicht unbedingt. Zumal sich die beiden Fälle alleine schon betreffend Standortgemeinde unterschieden. Hier Dierikon, 1500 Einwohner. Ein kleines Dorf, das mit einem einzigen Projekt massiv gewachsen wäre. Dort Ebikon, 14'000 Einwohner. Vom Selbstverständnis her immer noch ein Dorf, aber streng genommen längst ein städtisches Gebilde.

Es ist auch nicht so, dass in diesen beiden Gemeinden nichts passiert. In Ebikon etwa sind nach wie vor grosse Projekte wie etwa die Sagenmatt in der Pipeline – und haben durchaus Chancen, mit dem Segen der Bevölkerung realisiert zu werden. Manchmal ist schlicht Pech dabei so wie beim geplanten, kantonalen Sozialversicherungszentrum. Ebikon hätte sich dieses gerne geangelt, doch der Kanton erteilte Kriens den Zuschlag.

Aber da sind die negativen Erfahrungen mit Grossprojekten. Allen voran mit der Mall, wie dies Pius Zängerle, Präsident des Gemeindeverbands Luzern Plus, gegenüber unserer Zeitung erwähnte (wir berichteten). Sicher, Ebikon verfügt dank der Mall of Switzerland über ein massiv grösseres Einkaufs- und Gastroangebot und sogar einen Kinokomplex. Aber die oft leeren Säle und Läden zeigen: Es hätte dies alles nicht gebraucht, jedenfalls nicht in dieser Grösse – im Gegensatz zum versprochenen Hallen- und Freizeitbad, auf das die Ebikoner wohl noch länger warten müssen.

Wie Zängerle ebenfalls ausführte, hat die Urbanisierung im Rontal erst viel später eingesetzt als etwa in Emmen oder Kriens, den traditionellen Industrieorten. Das stimmt. Entsprechend allergisch reagiert man in Ebikon wohl auf städtische Symbole wie das Hochhaus oder den Trolleybus. Bei Letzterem hiess es, die Oberleitungen würden das Ortsbild stören. Böse Zungen fragten sich: Welches Ortsbild? Es geht hier letztlich auch um Identität.

Was sind wir nun, Dorf oder Stadt?

Diese Frage stellt man sich in Root kaum. Hier ist noch Dorf. Notabene ein ziemlich erfolgreiches. Während Ebikon finanziell darben muss, sprudeln hier die Steuereinnahmen nur so. Dem D4-Businesspark sei Dank. Innert 15 Jahren sind dort über 2000 Arbeitsplätze entstanden. Einer seiner Pluspunkte: Die eigene S-Bahnstation.

Gerade das Beispiel Root zeigt, was im Rontal möglich ist. Denn das Interesse der Investoren für Arbeitsplatzgebiete wie auch Wohnungen kommt nicht von ungefähr. Die Gemeinden zwischen Luzern und Rotkreuz liegen verkehrsgünstig auf der Achse nach Zug und Zürich, bestens erschlossen mit der Autobahn und dem ÖV.

Nun ist aber im Rontal kein zweites D4 nötig. Und niemand erwartet, dass Ebikon oder Dierikon in zehn Jahren so aussehen wie das bloss wenige Kilometer entfernte Rotkreuz. Der aufgrund seines Bahnhofs überhaupt entstandene Ort ennet der Kantonsgrenze spielt aufgrund seiner Lage und dem attraktiven Steuerfuss punkto Arbeitsplätze, Wohnungen und Siedlungsentwicklung längst in einer anderen Liga. Aber Gemeinden wie Ebikon brauchen einen Plan: Welche Entwicklung wollen wir, und wie viel davon? Und sie müssen die Bevölkerung mit im Boot haben. Halbherzig Investoren glücklich zu machen reicht nicht. Was immer zum Beispiel anstelle des MParcs realisiert werden soll – am Ende läuft es wohl wieder auf eine gemischte Wohn-/Gewerbenutzung hinaus. Nur verträglicher. Möglicherweise weniger hoch.

Denn der Standortwettbewerb ist knallhart. Und diesbezüglich hat das Rontal dank seiner Lage schon mal die Nase vorn. Es wäre schade, wenn man dies nicht zu nutzen wüsste.

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