«Der Aufwand für die Lehrpersonen ist riesig»: So fallen die Reaktionen zur Öffnung der Luzerner Gymis aus

Dass die Luzerner Kantonsschüler ab Montag mehr Präsenzunterricht erhalten, freut den Lehrerpräsidenten. Er sieht aber viel Arbeit auf die Lehrer zukommen. Derweil hinterfragt die Schülerorganisation den Halbklassenunterricht

Julian Spörri
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«Ich bin überrascht und auch aus der Schülerschaft waren die meisten der Meinung, dass der Fernunterricht bis zu den Sommerferien weitergeführt wird», sagt Phillip Zenger, Präsident des Verbands der Luzerner Schülerorganisationen (VLSO), zum Entscheid der Luzerner Regierung. Am Mittwoch wurde bekannt, dass sie den Präsenzunterricht an den Gymnasien im Kanton Luzern erweitert. Ab Montag werden die dritten Klassen wieder in ganzen Klassen unterrichtet. Die vierten und fünften Klassen erhalten Halbklassen-Unterricht.

Alle Luzerner Gymnasiasten müssen ab Montag wieder in die Schule – je nach Alter in ganzen oder halben Klassen.

Alle Luzerner Gymnasiasten müssen ab Montag wieder in die Schule – je nach Alter in ganzen oder halben Klassen.

Bild: Keystone/Gaetan Bally

«Dass man die 3. Klassen wieder an die Schule zurückholt, finde ich sinnvoll», sagt Zenger. Für die Schüler aus der Sekundarschule sei dies das erste Jahr am Gymnasium und damit eine grosse Umstellung. Kritischer äussert sich der Kantischüler hingegen zum Entscheid bezüglich den 4. und 5. Klassen:

«Ich bezweifle, dass Halbklassenunterricht besser als Fernunterricht ist.»

Für jene Klassenhälfte, die nicht vor Ort sei, werde es bei dringenden Fragen nun schwierig, mit dem Lehrer Kontakt aufzunehmen.

Lehrerpräsident: Mehr Kommunikation vom Kanton gewünscht

Bei Markus Elsener schlagen zwei Herzen in der Brust, wie der Präsident des Verbands der Luzerner Mittelschullehrer und -Lehrerinnen selbst sagt. «Einerseits freue ich mich extrem, meinen Schülern wieder real zu begegnen», sagt er. Schliesslich habe man diese Lockerungen vom Verband auch gefordert. «Auf der anderen Seite ist der Aufwand für die Lehrpersonen riesig. Mit diesem Entscheid werden die Planungen, die für die letzten drei Wochen bis zu den Sommerferien gemacht wurden, auf den Kopf gestellt.» Nicht nur das schulische sondern auch das familiäre Programm zu Hause, etwa die Kinderbetreuung, müsse sehr kurzfristig komplett umgestaltet werden.

Markus Elsener

Markus Elsener

Bild: Nadia Schärli

Zwar hätten Lehrpersonen in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass sie bereit seien, einen grossen Aufwand auf sich zu nehmen, so Elsener. «Doch es wird eine Frage des Augenmasses sein, weil man auch sich selbst schützen muss.» Vorwürfe dafür, dass der Entscheid erst jetzt gefallen ist, mache er aber niemandem. Elsener sagt:

«Dem Kanton waren wegen gesundheitspolitischer Vorgaben die Hände gebunden, sonst hätte er diesen Schritt früher gemacht.»

Vermisst habe er allerdings die partnerschaftliche Kommunikation: «Da verharrt die Regierung noch zu sehr im Krisenmodus.»

Nun müssen Lücken behoben werden

Mehrere Eltern äusserten gegenüber dieser Zeitung ihre Befürchtung, dass nun mit der Rückkehr des Präsenzunterrichts einfach mit dem Schulstoff weitergefahren werde, als sei nichts gewesen. Auch Phillip Zenger fordert, dass die Schüler in den Klassen wieder zusammengerückt werden. «Nicht alle haben gleich vom Fernunterricht profitieren können.»

Angesprochen darauf beschwichtigt Markus Elsener:

«Es ist die Verantwortung der Lehrpersonen, zu schauen, wo die Schüler stehen und gemeinsam die Aufarbeitung von Lücken zu planen.»

Ziel sollte es gemäss Elsener sein, dass Schüler in den nächsten drei Wochen merken, welcher Stoff ihnen noch fehlt. Allfällige Lücken könnten dann auch in den Sommerferien geschlossen werden. «Damit können wir das neue Schuljahr auf einer soliden Basis stressfrei starten», so Elsener.

Eine Schwierigkeit liegt jedoch darin, dass im Kanton Luzern trotz vorübergehendem Lockdown der Promotionsauftrag bestehen bleibt. Darum stehen bis zum Semesterende noch viele Prüfungen an. Ein Vater berichtet von einer Physikprüfung nächste Woche, die den ganzen Stoffumfang der letzten fünf Monate umfasse. Elsener sagt dazu: «Als Lehrer muss man nun den Umfang so definieren, dass er leistbar ist.» In vielen ihm bekannten Fällen hätten Lehrer dies durchaus gemacht, sagt Phillip Zenger. «An der Kanti Seetal wurde frühzeitig geplant und es sind höchstens drei Prüfungen pro Woche zulässig. Viele der Lehrer beschränken sich schwerpunktmässig auf den Stoff der letzten drei Monate.»

Gymis greifen auf bestehende Schutzkonzepte zurück

Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann

Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann

Bild. Eveline Beerkircher

Viel Aufwand beim Wechsel auf den Präsenzunterricht wartet auch auf die Schulen. Gemäss Kanton müssen diese je nach betrieblichen, personellen und räumlichen Möglichkeiten die für sie geeignete Form wählen, um den Präsenzunterricht im Halbklassenmodus mit Phasen des Selbststudiums umzusetzen. Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann hält dazu fest:

«Der den Schulen zugemutete Mehraufwand ist tatsächlich erheblich.»

Die Schulen könnten jedoch auf die Schutzkonzepte für den Betrieb der Untergymnasien zurückgreifen. Die nun noch einmal notwendigen organisatorischen Anpassungen würden sich zugunsten der Bildung lohnen, so Schwerzmann: «Jede Woche Präsenzunterricht ist wertvoll, wenn auch der Fernunterricht durchaus gute Resultate hervorgebracht hat.»