Luzerner können sich wieder auf Irrwege begeben – das Spiegellabyrinth im Gletschergarten ist nach Umbau wieder offen

Eine erste Etappe des 20 Millionen Franken teuren Gletschergarten-Umbaus ist abgeschlossen. Der nächste Schritt soll im August folgen.

Stefan Dähler
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Noch herrscht in einem grossen Teil des Gletschergartens Luzern Baustellenbetrieb. Trotzdem war gestern «ein Freudentag», wie Museumsdirektor Andreas Burri sagt. Nach rund zehn Monaten Pause wurde das Spiegellabyrinth wieder eröffnet. «Das ist der Startschuss zur sukzessiven Inbetriebnahme des neuen Gletschergartens.» Bis Ende 2021 wird dieser erneuert und mit einem Weg im Innern eines Sandsteinfelsen erweitert. Der Montag markierte den Abschluss der ersten Bauetappe.

Das Labyrinth hat einen neuen Zugang erhalten. Im Innern selbst wurde wenig geändert. Man habe aber diverse Sanierungsarbeiten vorgenommen, so Burri. Neu betritt man das Labyrinth durch ein Pyramiden-ähnliches Tor. «Das wird künftig in der ganzen Anlage so sein. Man gelangt jeweils durch magische Tore zu verschiedenen Welten und damit auch in eine andere Epoche der Erdgeschichte.»

Gletschergarten-Direktor Andreas Burri im Spiegellabyrinth

Gletschergarten-Direktor Andreas Burri im Spiegellabyrinth

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 8. Juni 2020)

Früher ein Fremdkörper im Museum

Konzeptuell habe man das Labyrinth erstmals in das Museum eingebunden. «Im Spiegellabyrinth begegnet man sich selbst in der Gegenwart. Der Mensch ist heute der wichtigste Gestalter auf der Erde, man spricht vom Zeitalter des Anthropozäns. Für die Fokussierung auf das eigene Ich wird sogar der Begriff des Egozäns verwendet», sagt Burri.

In der Vergangenheit habe das Spiegellabyrinth einen Fremdkörper im Gletschergarten dargestellt. 1896 an der Landesausstellung in Genf eröffnet, erwarb es der Gletschergarten im Jahr 1898. Dies führte zu einem Streit innerhalb der Gründerfamilie, denn das Labyrinth war einigen zu stark auf Unterhaltung und zu wenig auf Wissenschaft ausgerichtet. Bis 1991 gab es getrennte Zugänge und die Eintrittskarten mussten separat gekauft werden. Für Burri ist das Spiegellabyrinth ein wichtiger Bestandteil des Museums. «Es fasziniert die Leute heute noch, obwohl es über 100 Jahre alt ist.» Als Modell für das Labyrinth diente übrigens die spanische Stadt Granada während der Zeit der Mauren.

Ein Blick ins Innere des Labyrinths.

Ein Blick ins Innere des Labyrinths.

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 8. Juni 2020)

Verzögerungen und Einbussen wegen Corona

Eigentlich sollte das Spiegellabyrinth zusammen mit einem neuen Bistro im Mai eröffnet werden, doch wegen Corona kam es zu Verzögerungen. Das Bistro ist noch in Arbeit und soll nun Ende Juli in Betrieb gehen, gemeinsam mit dem umgebauten Museums-Hauptgebäude. Im Mai 2021 soll der Felsenweg folgen, Ende 2021 schliesslich ein kleinerer Neubau für Sonderausstellungen.

Auch finanziell hat Corona Auswirkungen. Burri rechnet bis jetzt mit einer Einbusse von rund 300'000 Franken, die zukünftige Entwicklung ist unsicher. «Aber zu einem anderen Zeitpunkt wäre es noch schlimmer gewesen, derzeit ist unser Angebot wegen der Bauarbeiten ohnehin stark reduziert.» Geldgeber für die Finanzierung des Umbauprojekts zu finden sei jedoch schwierig geworden. Trotzdem seien rund 19,7 von 20 Millionen Franken gesichert.