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Das Südtirol – ein mögliches Vorbild für Luzern

Wenn es um Velotourismus geht, gilt das Südtirol als mustergültige Region. Was besonders auffällt, sind die von den Strassen abgetrennten Velowege. «Das ist essenziell», sagt ein Experte.
Interview: Raphael Zemp
Hugo Götsch. (PD)

Hugo Götsch. (PD)

Hugo Götsch, Sie leiten nicht nur den Universitätssitz der Freien Universität Bozen in Bruneck, sondern stehen auch dem Verein Südtirol Rad vor. Wie wichtig ist der Velofahrer für die Tourismusregion Südtirol?

Sehr wichtig! Fahrradfahren als Hauptreisemotiv nimmt stark zu. Wir schätzen, dass in den Monaten von März bis Oktober mindestens jeder zweite Südtirol-Gast im Laufe seines Aufenthalts das Fahrrad als Fortbewegungsmittel oder Sportgerät nutzt. Das sind schätzungsweise über zwei Millionen Leute. Ausserhalb der Wintersaison ist das Fahrradfahren somit die zweitwichtigste Urlaubsaktivität nach Wandern und Bergsteigen.

Welche Rolle spielt dabei das E-Bike?

Eine zunehmend wichtige. Mit dessen Aufkommen vor etwa fünf Jahren ist eine völlig neue Zielgruppe erschlossen worden, die jährlich im zweistelligen Prozentbereich wächst.

Wie ist zu diesem Erfolg gekommen?

Sütirol wird in Italien inzwischen zwar als Musterregion für Fahrradmobilität gesehen – im Alltag aber auch in der touristischen Freizeitnutzung. Doch die Region war auf diesem Gebiet kein Pionier. Erst nach der Jahrtausendwende wurde entschieden, in den Haupttälern Fahrradwege zu bauen. Dann aber ging es fix: Seit 2005 haben alle Haupttäler und sämtliche Seitentäler einen Fahrradweg. Deren Gesamtlänge beträgt heute rund 500 Kilometer. Nebst den 1800 Kilometern Mountainbike-Wege sind sie für das Südtirol aus touristischer Sicht besonders wertvoll. Der Grossteil der Talfahrradwege verläuft getrennt von Autostrassen und ist asphaltiert.

Warum?

Getrennte Radwege sind essenziell! Die Angst ist ein schlechter Urlaubsbegleiter. Nur wenn sich der Velofahrer sicher fühlt geniesst er die Tour. Es gibt da und dort Teilstücke wo Anrainerverkehr herrscht, aber die halten sich in Grenzen. Asphalt bedeutet ebenfalls Sicherheit für die Radfahrer, insbesondere in kurvenreichen und steileren Passagen. Meiner Meinung nach verliert das Radfahren dadurch aber ein wenig an Reiz. Gut gewartete Kalkbeläge sind schöner zu fahren.

Was noch will der Velotourist?

Der Weg ist das Ziel. Die Attraktionen, Haltestellen und Raststätten sollten direkt am Radweg oder unmittelbar daneben zu finden sein. Alle fünf Kilometer braucht es einen guten Grund, stehen zu bleiben – besonders, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Zentral ist auch eine exzellente Signalisierung, die das Fahren ohne Navigation ermöglicht. Daneben braucht es auch Unterkünfte, die bereit sind, Zimmer für nur eine Nacht zu vermieten.

Wie wichtig ist es, dass sich auch die lokale Bevölkerung aufs Velo schwingt?

Wenn der Radtourismus richtig gedeihen soll, dann muss das Radfahren ein Teil der Einheimischen werden. Nur so erreicht man die notwendige Akzeptanz. Daher gilt es nicht nur die touristische Fahrradinfrastruktur auf ein Top-Niveau zu bringen, sondern Fahrradschnellwege für Pendler zu errichten. Eine schöne Landschaft, fahrradfreundliche Unterkünfte helfen natürlich zu punkten.

Wie viel lässt sich Südtirol den Fahrradtourismus kosten?

Für den Neubau und für die Instandhaltung von Radwegen wenden die Regionen und Kommunen derzeit rund 15 Millionen Euro auf pro Jahr. Gemeinsam mit den politischen Vertretern sind wir daran, die Euregio Tirol-Südtirol-Trentino zur Musterregion für die Fahrradmobilität (für Tourismus und Alltag) umzuwandeln. Dafür sollen während eines Jahrzehnts jährlich rund 150 Millionen Euro fliessen.

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