Das Tiefbauamt der Stadt Luzern spricht sich gegen eine Tiefgarage beim Pilatusplatz aus

Das Tiefbauamt empfiehlt dem Stadtrat eine Lösung ohne Parkhaus, aber mit rund zehn Parkplätzen. Ein Teil der Obergrundstrasse soll für Busse, Velos und Fussgänger reserviert werden.

Simon Mathis
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Die Verkehrsströme an der Obergrundstrasse auf Höhe Pilatusplatz sollen neu verteilt werden.

Die Verkehrsströme an der Obergrundstrasse auf Höhe Pilatusplatz sollen neu verteilt werden. 

Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 18. März 2019

Das Tiefbauamt der Stadt Luzern spricht sich gegen die Idee aus, eine Tiefgarage unter dem Pilatusplatz zu bauen. Gleichzeitig empfiehlt das Amt, den Autoverkehr von der Pilatusstrasse in Richtung Kasernenplatz auf die Hallwilerweg zu verlegen. Dies teilte die Umwelt- und Mobilitätsdirektion am Freitag an einer Medienkonferenz mit. 

Diese so genannte «Y-Variante» sieht vor, die zurzeit dreispurig befahrene Obergrundstrasse zwischen Passbüro und Stadthaus für VBL-Busse, Velos und Fussgänger zu reservieren. Was bisher ein Strassenabschnitt ohne eigene Identität gewesen sei, soll gestalterisch aufgewertet und zu einem eigentlichen Platz werden, erläuterte Stefan Huonder, Gesamtprojektleiter Pilatusplatz. In den Unterlagen firmiert der Platz  provisorisch als «Stadthausplatz». Auf den Plänen sieht das neue Projekt so aus:

Die neue Variante führe zu einer massiven Verkehrsentlastung auf dem entsprechenden Teil der Obegrundstrasse, sagte Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne) am Freitag: «Rund 1300 Durchfahrten pro Stunde werden wegfallen, es bleiben 50 Busse pro Stunde.» Die Anhaltekante werde vergrössert, überhaupt stehe den Fussgängern nach dem Umbau mehr Platz zur Verfügung. Borgula:

«Obwohl der Verkehr nicht ganz verschwinden wird, darf man die Verbesserung nicht unterschätzen.»

Aufgrund von Rückmeldungen aus Bevölkerung und Gewerbe hat das Tiefbauamt auch eine Tiefgarage mit 50 Plätzen geprüft. Das Resultat: Rein technisch gesehen sei eine solche zwar möglich, aber nicht sinnvoll. Dies aus drei Gründen, wie Stefan Huonder sagt: Erstens sei sie teuer – laut Berechnungen betragen die Kosten für ein Untergeschoss etwa 10 Millionen Franken. Zweitens sei die Gestaltung der Zufahrten komplex und platzraubend. Drittens widerspreche eine Tiefgarage dem Gesamtprojekt. «Ein Parkhaus würde die ganze Aufwertung wieder kaputt machen.»

Diese Haltung dürfte nicht unumstritten bleiben. Denn: FDP, CVP, SVP und GLP forderten Anfang Woche, bei der Untergrund-Parkierung noch grösser zu denken. Ein Postulat, das mittlerweile beim Stadtrat eingegangen ist, regt die Verlegung des Kesselturm-Parkhauses in den Untergrund an. Unter dem Pilatusplatz sollen 300 oder mehr Parkplätze entstehen. Zum Postulat kann sich der Stadtrat zurzeit nicht äussern, die Empfehlung des Tiefbauamtes lässt die Gegenargumente jedoch bereits erahnen.

Zehn Längsparkplätze als Ersatz

26 bis 34 der aktuell 46 oberirdischen Parkplätze rund um den «Inselbau» auf dem Pilatusplatz müssen aus Sicherheitsgründen abgebaut werden, heisst es in der Mitteilung der Stadt. Als Ersatz sieht das Projekt zehn Längsparkplätze auf dem verkehrsberuhigten Platz vor. Erschlossen werden diese aus Richtung Hirschengraben. Die Abfahrt erfolgt über den Hallwilerweg in Richtung Kasernenplatz. 

«Natürlich wird es Stimmen geben, die zehn Parkplätze zu wenig finden», sagte Borgula. Man müsse aber bedenken, dass aus Sicherheitsgründen nicht alle Parkplätze gehalten werden können. «Dass die Autos am Hallwilerweg rückwärts ausparkieren müssen, ist nicht mehr statthaft», so Huonder. Auch der Kanton sehe das so. Adrian Borgula verweist zudem darauf, dass der Stadtrat zurzeit einen Bericht und Antrag zur öffentlichen Parkierung ausarbeite. Dieser sei bereits weit gediehen und soll im Sommer vorliegen. Borgula:

«Das wird die Parkplatzfrage, die im Moment sehr angespannt diskutiert wird, hoffentlich entspannen.»

Stefan Huonder ergänzte, dass das Parkhaus Kesselturm ausserhalb der Stosszeiten bis zu zwanzig freie Plätze habe.

Der neue Vorschlag geht nun in die Konsultation. Die Verkehrskommission und die Begleitgruppe werden ihre Stellungnahmen bis Ende März abgeben. Dann wird der Stadtrat die Eckpunkte für ein neues Vorprojekt definieren. Schliesslich werden zwei Vorprojekte gegeneinander abgewogen: Das neue und dasjenige, das bereits 2018 ausgearbeitet wurde. Es ist davon auszugehen, dass der Stadtrat das neue Projekt empfehlen wird. Entscheidungsträger ist letztlich der Kanton Luzern.

IG Pilatusplatz beharrt auf erstem Projekt

Gegen die Y-Variante regt sich bereits entschiedener Widerstand. Die IG Pilatusplatz, die aus Anwohnern, Gewerbetreibenden und Quartiervereinen besteht, kündigt in einer Medienmitteilung an, «notfalls juristische Mittel» dagegen zu ergreifen. Die IG wünscht sich, dass das erste Vorprojekt von 2018 optimiert wird. «Die unfallkritische Parkierungssituation der schrägen Parkfelder könnte mit einem Parkierungsstreifen gelöst werden», heisst es in der Mitteilung. Und: «Die Veloquerung aus dem Bruchquartier auf die Seite Kleinstadt kann nicht über sieben Fahrspuren am Pilatusplatz geführt werden.» Hier brauche es eine durchdachte Lösung.

Der Kanton Luzern wird voraussichtlich 2021 zu den beiden Vorprojekten Stellung nehmen und abschliessend entscheiden, was umgesetzt wird. Der Baubeginn wird frühestens zwischen 2024 und 2026 erfolgen. Am Gesamtprojekt Pilatusplatz sind mehrere Bauherren beteiligt: Die Stadt Luzern, der Kanton, Energie Wasser Luzern (EWL) sowie Recycling Entsorgung Abwasser Luzern (Real). Das Projekt fasst Strassenbau und Werkleitungssanierungen zusammen. «Das Vorhaben ist umgeben von zahlreichen Randbedingungen, unser Spielraum ist beschränkt», sagt Projektleiter Huonder und fügt an:

«Die neue Lösung ist nicht schöngeistig hochtrabend, aber pragmatisch.»

Hinweis: Alle Unterlagen zum Projekt sind zu finden auf www.pilatusplatz.stadtluzern.ch

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