Das Tractor Pulling in Knutwil steht aus ökologischen Gründen vor dem Aus

Die Zeit der PS-Monster in Knutwil läuft ab: Laut der Regierung verstösst der Anlass mit jeweils 30'000 Zuschauern gegen Bundesrecht.

Lukas Nussbaumer
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Daniel Kunz macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. «Muss denn alles verboten werden? Sind Lebensmittel, die um die halbe Welt geflogen werden, etwa ökologischer als unser Wettkampf?», fragt sich der OK-Präsident des Tractor Pulling. Der Anlass in Knutwil ist mit jeweils rund 30'000 Zuschauern der klar grösste Motorsportanlass im Kanton Luzern. Beim Tractor Pulling geht es darum, einen Bremswagen 100 Meter weit zu ziehen – ohne dass die Hinterräder durchdrehen.

Bild: Dominik Wunderli (Knutwil, 10. August 2019)

Kunz enerviert sich, weil die Luzerner Regierung in ihrer Antwort auf einen Vorstoss von SP-Kantonsrätin Isabella Schwegler-Thürig festhält, der Grossanlass führe zu «einer mit den bundesrechtlichen Vorgaben nicht vereinbaren Bodenbelastung». Der jährlich im August durchgeführte Wettkampf der Piloten mit ihren mehrere 1000 PS starken Gefährten sei bis jetzt bloss toleriert worden. Daher werde die Bewilligung nun «kritisch überprüft» – und zwar «zeitnah».

Gespräch mit Veranstalter und Gemeinde noch 2020

Beim Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement, in dem die Antwort auf den Vorstoss ausgearbeitet wurde, verweist Kommunikationsleiterin Paloma Meier auf Anfrage erneut auf das Bundesrecht. Insbesondere Bodenverdichtungen müssten vermieden werden – und bei Anlässen wie dem Tractor Pulling seien «Bodenverdichtungen unvermeidbar». Ohne es explizit auszusprechen, heisst das übersetzt: Die Zeit des Tractor Pulling in Knutwil läuft ab. Die Frage ist nur noch, wann. Sicher ist auf jeden Fall: Die Dienststelle Umwelt und Energie des Departements sucht noch in diesem Jahr das Gespräch mit dem Veranstalter und der Gemeinde.

Isabella Schwegler-Thürig begrüsst die kritische Überprüfung des Bewilligungsverfahrens für das Tractor Pulling durch die Behörden. Die Begründung der Regierung für die bisher erteilten Bewilligungen – der Anlass habe mehrfach stattgefunden und es werde immer die gleiche Fläche befahren – bezeichnet die Parlamentarierin aus Reiden jedoch als «schwammig. Ich habe wenig Verständnis dafür, dass man bisher beide Augen zugedrückt hat.»

Auch der Verweis auf die Notwendigkeit von positiven Stellungnahmen von Gemeinde, Polizei und kantonalen Dienststellen überzeugt die SP-Politikerin nicht. «Die Knutwiler Bevölkerung konnte genauso wenig mitreden wie Umwelt-, Landschafts- und Klimaschützer.» Nicht überzeugend sind für sie ausserdem die Hinweise der Regierung, wonach der Abstand zum Naturschutzgebiet Wolermoos mit über 300 Metern gross und der August für Fauna und Flora «wenig sensibel» sei. «Die Tier- und die Pflanzenwelt machen keine Ferien.»

(Bild: Dominik Wunderli, Knutwil, 10. August 2019)
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(Bild: Dominik Wunderli, Knutwil, 10. August 2019)
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(Bild: Dominik Wunderli, Knutwil, 10. August 2019)
(Bild: Dominik Wunderli, Knutwil, 10. August 2019)
Die Kategorie Super-Stock ist eröffnet: Naomi Kools aus den Niederlanden macht den Anfang. (Bild: Julian Spörri, Knutwil, 10. August 2019)
Vier Traktoren sorgen dafür, dass alle Teilnehmer die gleichen Bedingungen vorfinden. Nach jedem Fahrer präparieren sie die Piste neu - in nur einer Minute. (Bild: Julian Spörri, Knutwil, 10. August 2019)
Solche Bilder sieht man jetzt alle fünf Minuten: Rauchende Traktoren, die angepeitscht von den Zuschauern über die Knutwilerhöhe brettern. (Bild: Julian Spörri, Knutwil, 10. August 2019)
Nicht nur Männer lassen sich für den Motorsport begeistern: Auch unter den Traktorfahrern gibt es einige Frauen - beispielsweise die beiden Geschwister Naomi (17) und Manon Kools (25) aus Holland. (Bild: Julian Spörri, Knutwil, 10. August 2019)
Das ist der stärkste Traktor an den diesjährigen Powerdays - mit 8000 PS. Fahren tut ihn HAns Zurbier aus den Niederlanden. (Bild: Julian Spörri, Knutwil, 10. August 2019)

(Bild: Dominik Wunderli, Knutwil, 10. August 2019)

Für Schwegler-Thürig ist klar: «Luzern hat den Klimanotstand ausgerufen und will bis 2050 CO2-neutral sein. Vor diesem Hintergrund dürfen derartige Grossveranstaltungen nicht mehr bewilligt werden.» Sie behält sich denn auch weitere Vorstösse vor, sollte die Regierung nicht in ihrem Sinne handeln. Klar äussert sich die Regierung in ihrer Antwort auf den von 24 Kantonsräten von SP, Grünen und Grünliberalen mitunterzeichneten Vorstoss zu Abgaskontrollen und Kompensationsleistungen: Beides wurde nicht gemacht beziehungsweise verlangt. Das soll mit Blick auf die Abgaskontrollen auch so bleiben, sagt Kommunikationsleiterin Paloma Meier. Abgaskontrollen seien «bei Motorsportveranstaltungen in diesem Ausmass unüblich und nicht vorgesehen».

Den bisherigen Verzicht auf das Verlangen von Bodensanierungsmassnahmen begründet Meier so: Die Flächen dürften durch die früheren Veranstaltungen bereits beeinträchtigt sein. Über die Wiederherstellung der Bodeneigenschaften werde «im Rahmen des geplanten Gesprächs mit dem Veranstalter und der Gemeinde zu befinden sein».

Obwohl die Zukunft des 1999 erstmals durchgeführten Tractor Pulling in Knutwil also höchst unsicher ist, lässt sich Daniel Kunz nicht entmutigen. Er werde demnächst ein Gesuch für den heurigen Wettkampf vom 7. bis 9.August einreichen. Obwohl der Anlass Gewinne von 20'000 bis 30'000 Franken abwirft, gehe es ihm und dem OK nicht ums Geld, betont Kunz. «Wir müssen Rückstellungen machen und investieren regelmässig in neues Material. Ausserdem erhalten die Helfer jeweils Stundenlöhne von 15 bis 18 Franken.»


Die Höhepunkte des Tractor Pulling 2019 im Video: