Das Urteil nach dem schweren Unfall: Freispruch für das Lido-Personal

Im Urteil des Bezirksgerichts Luzern wird der Grundsatz «in dubio pro reo» angewendet. Die Aussagen waren widersprüchlich, die Beweislage nicht eindeutig klar.

Sandra Monika Ziegler
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Steg beim Strandbad Lido in Luzern  (Bild: Pius Amrein1 6. Juni 2014).

Steg beim Strandbad Lido in Luzern  (Bild: Pius Amrein1 6. Juni 2014).

Das Bezirksgericht Luzern hat mit dem Urteil vom 3. September 2019 den Bademeister und den Geschäftsführer des Strandbades Lido vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung durch Unterlassung freigesprochen. Es hält in seiner Kurzbegründung fest, dass nicht eindeutig festgestellt werden konnte, dass mit dem Aufstellen von Tafeln mit dem Warnhinweis «Kopfsprünge verboten» der schwere Unfall hätte verhindert werden können. Solche Warntafeln sind übrigens seit 2016 auf dem Badesteg angebracht.

Der Unfall ereignete sich im Juni 2014 im Strandbad Lido. Damals sprang ein Mann ab dem Steg ins untiefe Wasser. Dabei wurde seine Wirbelsäule derart stark verletzt, dass er Tetraplegiker wurde. Der Fall ging durch alle Instanzen und wurde vom Bundesgericht zwecks Neubeurteilung zurückgewiesen (Ausgabe vom 21. August).

Widersprüchliche Aussagen

Zum Freispruch kam es, da nicht schlüssig geklärt werden konnte, ob der Mann ins Wasser gesprungen oder gefallen ist, ob es sich folglich um einen Badeunfall gehandelt hat. Auch war unklar, ob der Verunfallte die Untiefe hätte erkennen können. Die Aussagen der Ehefrau und die des Bademeisters zum exakten Unfallhergang waren widersprüchlich.

Die Frau sagte aus, dass ihr Mann mit einem der Söhne zweimal mit Kopfsprung auf der rechten Seite vom Steg gesprungen sei und dann ein drittes Mal von der linken Seite. Der letzte Sprung führte zu den schweren Verletzungen. Der Bademeister indes gab an, die beiden Kinder mit seinem Vater auf dem Steg gesehen zu haben. Sie hätten gespielt und sich gegenseitig geschubst. Einen oder mehrere Kopfsprünge habe er nicht gesehen, hätte aber solche vom Bademeisterturm aus gehört.

Beweislage bleibt unklar

Zwar fanden weitere Befragungen statt, doch niemand konnte Angaben zum Badeunfall machen. Und auch anhand der Arztberichte hätten keine eindeutigen Schlüsse zum Unfallhergang gezogen werden können, so das Gericht. Die Beweislage bleibt somit unklar. Deshalb kommt der juristische Grundsatz «in dubio pro reo» – im Zweifel für den Angeklagten – zur Anwendung.

Das heisst, es wird von der für die Beschuldigten günstigeren Sachlage ausgegangen. In diesem Fall von einem Sturz ins Wasser. Denn es konnte nicht bewiesen werden, dass der Mann absichtlich einen Kopfsprung ins Wasser ausführte. Deshalb ist die Strafbarkeit fürs Lidopersonal nicht gegeben. Das Urteil des Bezirksgericht Luzern ist nicht rechtskräftig. Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Staates. Der Kanton Luzern muss den Freigesprochenen die Verteidigungskosten vergüten