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So läuft das «Weihnachtsfest» Diwali im Hindutempel in Emmenbrücke

In fast allen Religionen spielen Lichterfeste eine wichtige Rolle: So feiern auch Hindus das sogenannte «Diwali»-Fest, das vielfältige Parallelen zum christlichen Hochfest aufweist. Eine Reportage aus dem Hindu-Tempel Emmenbrücke und ein Video vom farbenfrohen Fest.
Benno Bühlmann

Es ist Dienstag, 19 Uhr. Im neuen Hindu-Tempel in Emmenbrücke, der im Juni des vergangenen Jahres der Göttin Sri Rajarajeswary Amman geweiht worden ist, herrscht fröhliche Stimmung. Und das hat seinen Grund: Gläubige Hindus feiern an diesem Abend ihr traditionelles Diwali-Lichterfest, eines der wichtigsten Feste der Hindu-Religionen.

Das Läuten der Tempelglocke signalisiert die offizielle Eröffnung einer farbig-opulenten Zeremonie, die vom Hindu-Priester Saseetharen Ramakrishna Sarma angeleitet wird und für westliche Besucher, die anlässlich der Woche der Religionen in grosser Zahl zugegen sind, geradezu «exotisch» anmutet. Für das Läuten der Tempelglocke ist an diesem Abend die 7-jährige Tochter des Hindupriesters zuständig, die mit grosser Freude diese Aufgabe wahrnimmt, ähnlich wie dies die Ministrantinnen und Ministranten in der katholischen Kirche während der Eucharistie tun.

Lichtsymbolik ist zentral

Im Zentrum der Puja (Verehrungsritual) stehen die zahlreichen Altäre und Götterstatuen, an denen bereits vor dem Gottesdienst vom Priester vielfältige Weiherituale durchgeführt worden sind. Die Vorhänge der Altäre werden dabei zurückgezogen und die Gottheiten «geweckt», damit sich ihre Aufmerksamkeit später auf die Gläubigen richtet. Sie werden gewaschen, gekleidet und mit Blumen geschmückt.

Später spricht der Hindu-Priester die traditionellen Gebete zu den hinduistischen Gottheiten in der altindischen und für Hindus heiligen Sprache Sanskrit – einer Sprache, die für die meisten Gläubigen so wenig verständlich ist wie in früheren Zeiten das Latein in den Gottesdiensten der katholischen Kirche.

Das hinduistische Diwali-Fest ist geprägt von Farbigkeit und viel Licht. (Bild: Benno Bühlmann / Emmenbrücke, 6. November 2018)

Das hinduistische Diwali-Fest ist geprägt von Farbigkeit und viel Licht. (Bild: Benno Bühlmann / Emmenbrücke, 6. November 2018)

Neben den vielfältigen Gaben wie Blumen, Milch, Honig oder Früchte, die den Göttern dargebracht werden, ist während der Zeremonie vor allem auch die Lichtsymbolik von zentraler Bedeutung: Die Verehrung eines Gottes oder einer Göttin wird jeweils dadurch abgeschlossen, dass der Priester dreimal die Kampferflamme vor der Gottheit schwenkt, wie Saseetharen Ramakrishna Sarma erklärt: «Wenn er die Flamme zum ersten Mal schwenkt, bitte ich um Frieden in der Welt, beim zweiten Mal um Frieden für das Land und beim dritten Mal schliesslich um Frieden für alles Leben.» Am Schluss des Gottesdienstes bringt der Hindu-Priester das zuvor geopferte Licht zu den Gläubigen. Diese streichen mit ihren Händen dreimal über die Flamme und berühren damit Gesicht, Augen und Haare, womit sie die göttliche Wärme in sich aufnehmen.

«Das Diwali-Fest ist vergleichbar mit dem christlichen Weihnachtsfest», erklärt Ramakrishna: «Es ist ein fröhliches Fest, an dem es gutes Essen, Süssigkeiten und Geschenke gibt.» Vielerorts würden Öllämpchen in einer Reihe aufgestellt, um daran zu erinnern, dass einst ein böser Dämon namens Narakasura besiegt worden ist. Während die Christen in der Adventszeit mit dem schrittweisen Anzünden der vier Kerzen auf dem Adventskranz die Ankunft von Jesus zum Ausdruck bringen, verweisen die Lichterketten im Hinduismus auf das rettende Wirken von Gott Vishnu und seiner Gemahlin Lakshmi. In Sri Lanka werden am hinduistischen Lichterfest zudem grosse Feuerwerke entzündet.

Zeremonie beeindruckt Schweizer Gäste

Beeindruckt zeigen sich die etwa 30 Schweizer Gäste, von denen viele im Rahmen der «Woche der Religionen» zum ersten Mal an einer solchen Zeremonie teilnehmen. Daniel Ammann, der als Theologe und Seelsorger in einer Luzerner Pfarrei arbeitet, beschreibt mit Begeisterung seine Eindrücke: «Ich erlebe hier ein regelrechtes Fest der Sinne und der Gemeinschaft, was mich tief berührt. Ich spüre, wie die gläubigen Hindus während des Gottesdienstes die göttliche Energie einer kosmischen Kraft in sich aufnehmen, und ich freue mich, als Gast ebenfalls daran teilhaben zu können.» Eine ältere Frau aus Luzern meint: «Ich bin überwältigt von der Vielfalt und Buntheit der Rituale und Prozessionen im Hindu-Tempel.» Und ihre Begleiterin doppelt nach: «Für mich ist das eine sehr positive Erfahrung, und ich wünschte mir, dass die Schweizerinnen und Schweizer noch etwas mehr Toleranz den anderen Religionen gegenüber zeigen würden.»

Abbau von Vorurteilen

Auch Nicola Neider Ammann, die als Leiterin des Bereichs Migration/Integration der katholischen Kirche in Luzern bei der Organisation des Anlasses mitgewirkt hat, zeigt sich erfreut über das positive Echo aus der Bevölkerung: «Es ist uns ein Anliegen, mit solchen Anlässen die bunte Vielfalt der Religionen sichtbar zu machen und Begegnungen mit den Gläubigen anderer Religionen zu ermöglichen. Damit möchten wir einen Beitrag leisten, um das gegenseitige Verständnis zu fördern und vorhandene Vorurteile abzubauen.»

Hinweis Informationen zu den weiteren Anlässen im Rahmen der «Woche der Religionen» sind zu finden unter www.woche-der-religionen.ch

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