Das wollen die Rigi-Bahnen bauen

Die Baupläne auf der Rigi sorgen schon seit längerem für Diskussionen. Von Ideen wie der «Swiss-Shopping-Welt» hat sich die Rigi Bahnen AG mittlerweile distanziert. In den nächsten Jahren wird sich trotzdem viel tun. Ein Überblick.

Simon Mathis
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Massvolles Wachstum oder ausuferndes Disneyland? Die Meinungen zu den Bauplänen auf der Rigi gehen auseinander. Vor zwei Jahren skizzierte die Rigi Bahnen AG ihre Ideen für die touristische Zukunft des Berges. Im Masterplan war unter anderem die Rede von einem «Abenteuerpark Rigi» und einer «Swiss-Shopping-Welt». Solche Stichworte weckten Widerstand. Mit einer Petition wehrten sich über 2700 Unterzeichner gegen ein angebliches «Disneyland» auf der Rigi.

Es sieht so aus, als hätten sich die Wogen mittlerweile geglättet. Eine gemeinsam erarbeitete Charta soll zu schonungsvollem Wachstum verpflichten. Mitte September wird die Öffentlichkeit Einblick in die so genannte «Charta Rigi 2030» erhalten – nachdem alle Betroffenen ihre Unterschrift darunter gesetzt haben. Am ersten Landschaftskongress auf der Rigi waren sowohl die Kritiker als auch die Rigi-Bahnen darum bemüht, den Kontroversen aus dem Weg zu gehen (wir berichteten am 25. August 2018).

Trotzdem: So schnell wird die Stimme der Petitionäre nicht verstummen. Mitte August haben sie in Vitznau den Verein «Ja! zu Regina Montium» gegründet. «Auf der Rigi wollen wir einen massvollen Tourismus», sagt René Stettler, Vizepräsident des Vereines. «Derzeit spitzt sich die Situation wegen des Overtourism jedoch allgemein zu, auch auf der Rigi. Mit Schrecken muss man heute feststellen, dass viele touristische Glanzlichter – Interlaken ist ein Beispiel – verkommen.» Dabei höre man immer wieder die wirtschaftlich begründete Ausrede: «Wenn wir es nicht tun, tun es andere.» Gemeint sei die überall stattfindende «unselige» Entwicklung in Richtung Masse anstatt in Richtung Qualität.

«Inszenierungsobjekte» sind zurzeit vom Tisch

Bereits in der Planungsphase angelangt sind vier Grossprojekte der Rigi-Bahnen (siehe Grafik und Box): Die Luftseilbahn Weggis-Kaltbad muss ersetzt werden, und die Infrastruktur auf Rigi Kulm soll einer neuen Gästeankunft weichen. In Vitznau will man das Stationsgebäude umbauen. Zudem investieren die Rigi-Bahnen in neues Rollmaterial.

Voraussichtlicher Kostenpunkt aller vier Vorhaben zusammen: ungefähr 70 Millionen Franken. Diese Investitionen bezeichnete Rigi-Bahnen-CEO Stefan Otz letztes Jahr gegenüber unserer Zeitung als Pflicht. Kür seien die so genannten «Inszenierungsobjekte». Diese Objekte waren es vor allem, welche die Petitionäre aufhorchen liessen. «Wir planten nie einen Streichelzoo», betont Jörg Lustenberger, der als Mitglied der Geschäftsleitung für den Bereich Betrieb, Technik und Infrastruktur zuständig ist. «Noch eine Baumhüttenwelt oder eine Schaukäserei, und auch keine Bierbrauerei.» Der Masterplan habe lediglich mögliche Themen vorgegeben, die mit der Rigi Bahnen AG keine direkte Verbindung hätten.

Der redigierte Masterplan ist eine zweiseitige Broschüre, die unterschiedliche «Erlebnisräume» skizziert. Die dort aufgeführten Ideen seien momentan weder geplant noch in der näheren Umsetzung, sagt Lustenberger. Klar sei zurzeit lediglich, dass das Event-Zelt auf Rigi Staffel einer neuen Infrastruktur Platz machen soll, die in die Bergwelt passe. «Ich gehe nach bereits stattgefundenen Gesprächen davon aus, dass der Ausbau von touristischen Infrastrukturen, die den Berg zum Konsumobjekt degradieren, vom Tisch ist», sagt René Stettler.

«Falls Inszenierungsplane umgesetzt werden, so ist für uns klar, dass diese dort entwickelt werden, wo es schon Touristen auf der Rigi hat.»
Jörg Lustenberger, Mitglied der Geschäftsleitung der Rigi Bahnen AG

«Falls konkrete Inszenierungspläne umgesetzt werden, so ist für die Rigi-Bahnen klar, dass diese dort weiterentwickelt werden, wo es schon Touristen auf der Rigi hat», sagt Lustenberger. Soll heissen: in Kulm, Staffel, Kaltbad und Scheidegg. «Gäste und Einheimische, die Ruhe suchen, sollen in nur zehn Minuten von den touristischen Pfaden entfernt die Natur geniessen können.»

Kolumne

Mein Rigi

Die Rigi ist für Zuger der Rigi. Und für den Autor eine wichtige Kindheitserinnerung.
Christian Peter Meier, Leiter regionale Ressorts