Das Würzenbachquartier fordert die Stadt Luzern

Mit einer Bevölkerungsinitiative macht das Luzerner Stadtquartier auf brennende Probleme aufmerksam.

Sandra Monika Ziegler
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Das Schulhaus Schädrüti im Würzenbachquartier.

Das Schulhaus Schädrüti im Würzenbachquartier.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 13. Januar 2020)

Das Luzerner Stadtquartier Würzenbach mit seinen 7500 Bewohnerinnen und Bewohnern entwickelt sich im Eiltempo. Bezüglich der Einwohnerzahl wäre das Quartier die zehntgrösste Gemeinde des Kantons. Die Entwicklung fordert eine Gesamtplanung.

Mit einem Bevölkerungsantrag soll nun Druck gemacht werden. Morgen Donnerstag wird eine Delegation an die 600 Unterschriften – nötig wären 200 beglaubigte Unterschriften – zuhanden des Präsidenten des Grossen Stadtrates übergeben, wie das Komitee mitteilt. Der Ball liege nun beim Luzerner Stadtrat, so die Initianten.

An Ideen mangelt es nicht

Das Quartier Würzenbach beauftragt mit dem Bevölkerungsantrag den Luzerner Stadtrat, bis Ende 2021 planerische Grundlagen zu erarbeiten – etwa einen neuen Bebauungsplan. Hier sollen bereits aktiv erarbeitete Vorschläge und Ideen aus dem Quartier bestmöglich berücksichtigt werden.

An den Workshops «Zukunft Würzenbach» entwickeln Engagierte des Quartiers bereits seit über zwei Jahren Ideen zur Quartiernutzung und erarbeiten Lösungen für eine gesunde Quartierentwicklung. Aus diesen Workshops sind 26 «Zukunftsgeschichten» entstanden, die online nachgelesen werden können, erklärt Thomas Schmid, Leiter des Kernteams Zukunft Würzenbach. Schnell sei an den Treffen klar geworden, dass es von Seiten der Stadt an einem Gesamtkonzept fehle. Die Stadtentwicklung finde bisher lediglich in den offiziellen Entwicklungsschwerpunkten und in der Innenstadt statt, so Schmid. Aussenquartiere würden vernachlässigt.

Das ehemalige Postgebäude beim Würzenbachweg.

Das ehemalige Postgebäude beim Würzenbachweg.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 13. Januar 2020)

Der Bevölkerungsantrag thematisiert Mobilität, Wohnen im Alter und die Entwicklung eines attraktiveren Quartierzentrums. Ein Anliegen betrifft das Schulhaus Schädrüti; ein klassischer 70er-Jahre-Bau, der seit 2013 nicht mehr als öffentliches Schulhaus genutzt wird. Dort waren einmal Wohnungen mit Dienstleistungen für ältere Quartierbewohner geplant. Das Anliegen wurde seit 2012 mit mehreren Postulaten wieder aufs politische Parkett gehievt. Der Luzerner Stadtrat liess diverse Nutzungsmöglichkeiten prüfen. In seiner Mitteilung vom Mai 2015 hält der Luzerner Stadtrat fest, dass er einem Neubau zu Gunsten von Wohnungen mit Dienstleistungen positiv gegenübersteht. Ein Stolperstein bei dieser Variante könne sein, dass das Gebäude im kantonalen Bauinventar als «erhaltenswert» aufgelistet ist. Damals liess sich Quartiervereinspräsident Sepp Galetti in unserer Zeitung so zitieren:

«Die Ideen haben wir, doch die Unterstützung des Stadtrates fehlt uns. Scheinbar ist alter Beton mehr wert als alte Leute.»

Bis heute ist unklar, wie der Bau künftig genutzt werden soll. Gemäss Statistik wird bis ins Jahr 2035 bereits ein Drittel der Quartierbevölkerung über 65 Jahre alt sein. «Ein Grund mehr, nicht länger zu warten», betont Schmid. Er fügt an: «Bereits sehr viele Ältere haben das Quartier verlassen müssen, weil es hier gar keine Möglichkeiten für sie gibt. Es ist Zeit zum Handeln. Wir erwarten von der Stadt einen Perimeter – inklusive Leerbauten und erweitert bis zum Verkehrshaus.»

«Uns fehlt eine längerfristige Perspektive»

Das Schulhaus Schädrüti ist nicht der einzige Bau, der die Bevölkerung bewegt. Ungewiss ist auch die Zukunft des Postgebäudes. Was mit dem AHV-Gebäude nach dem Auszug passiert, ist ebenfalls offen.

Das Gebäude an der Würzenbachstrasse 8, wo zurzeit die AHV eingemietet ist.

Das Gebäude an der Würzenbachstrasse 8, wo zurzeit die AHV eingemietet ist.

Bild: Dominik Wunderli
(Luzern, 13. Januar 2020)

«Uns fehlt seitens der Stadt eine längerfristige Perspektive. Sie muss hier Verantwortung übernehmen», sagt Thomas Schmid und geht zum Thema Mobilität. So wird beim Kreisel Brüel im Gebiet der Unterführung, Migros und Sportcenter ein Hub mit ausgebautem Wegnetz für den Veloverkehr gestaltet und der Bahndamm durch bauliche Massnahmen durchlässiger werden.

Hinweis: Weitere Informationen online unter www.wuerzenbach.ch

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