Kommentar

Dass Berner Kommissionen den Theater-Neubau in Luzern kippen können, ist eine bedenkliche Gewichtung

Lokale Anliegen haben weniger Gewicht als ein Gutachten eidgenössischer Kommissionen. Nun muss der Luzerner Stadtrat zumindest für eine attraktive Neugestaltung des Theaterplatzes kämpfen, findet Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region.

Robert Knobel
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Robert Knobel

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Der vollständige Abriss des Luzerner Theaters ist vom Tisch. Das zeigt die Antwort des Luzerner Stadtrats auf die Frage, wie er zum Gutachten der eidgenössischen Denkmal- und Heimatschutzkommissionen steht. Diese betrachten das 180-jährige Theatergebäude bekanntlich als teilweise schützenswert. Der Stadtrat hat wenig Lust auf zermürbende Rechtsstreitigkeiten und will daher die Forderungen der Kommissionen respektieren.

Immerhin verspricht Stadtpräsident Beat Züsli, man wolle in den Verhandlungen mit dem Bund so viel Neubau wie möglich herausholen. Das ist auch das Mindeste, was der Stadtrat tun kann. Denn es ist grundsätzlich bedenklich, wenn lokale Anliegen so viel weniger Gewicht haben als ein einziges Gutachten aus der Bundesverwaltung. Dies umso mehr, weil in Luzern ein weitgehender Konsens über die Abriss-Frage herrscht. So wird die Meinung einiger Fachleute aus Bern faktisch zum Gesetz – und die an sich berechtigte Debatte über denkmalschützerische Aspekte wird jeglichem demokratischen Prozess entzogen. Diese unschöne Erfahrung musste Luzern schon bei den Bildkopien auf der Kapellbrücke machen.

Deshalb soll man Stadtpräsident Beat Züsli beim Wort nehmen: Der Stadtrat muss in Bern für die Anliegen der Stadt Luzern kämpfen – konkret für eine möglichst attraktive, hochwertige und zeitgemässe Neugestaltung des Theaterplatzes.

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