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DEBATTE: Elitär? Zu teuer? Eine Vision und ihre Risiken

Zur geplanten Salle Modulable gibt es noch eine Vielzahl kritischer Fragen. Die brennendsten stellen wir hier vor – mit Antworten der Projektverantwortlichen.
Hugo Bischof und Urs Mattenberger
Eine erste, provisorische Fotomontage der Firma Arup zeigt den Blick von oben auf die Salle Modulable auf dem Inseli. Zu sehen ist die ungefähre räumliche Dimension, keine konkrete Architektur. (Bild: Fotomontage Arup)

Eine erste, provisorische Fotomontage der Firma Arup zeigt den Blick von oben auf die Salle Modulable auf dem Inseli. Zu sehen ist die ungefähre räumliche Dimension, keine konkrete Architektur. (Bild: Fotomontage Arup)

Hugo Bischof und Urs Mattenberger

Entsteht auf dem Inseli ein Prunkbau?

Nein, sagt dazu Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable. Das Geld werde in erster Linie «in Innovationen für neue künstlerische Ausdrucksformen investiert». Im Übrigen werde erst der Architekturwettbewerb zeigen, wie das Gebäude genau aussehen werde.

Wird die Salle Modulable nur für eine kleine elitäre Minderheit gebaut?

Im Gegenteil, sagt Hubert Achermann: «Die Salle Modulable wird den Graben zwischen ‹elitärer› und ‹alternativer› Kunst zu überwinden helfen.» Sie solle zu einem Begegnungszentrum für alle werden, unter anderem auch mit einem attraktiven Restaurant/Café. Zudem werde es möglich sein, «das Geschehen im Innern des Gebäudes auf eine Aussenwand zu projizieren und so die Bevölkerung noch stärker einzubeziehen».

Wird das neue Gebäude das Inseli verschandeln?

Die Inseli-Grünfläche würde durch den Bau der Salle zwar um 350 Quadratmeter verkleinert – von 5950 auf 5600 Quadratmeter. Dafür würde der Carparkplatz aufgehoben, was den Inselipark städtebaulich und als Grünzone aufwerten würde. Problematisch könnte andererseits sein, dass der geplante 32 Meter hohe Bühnenturm der Salle das Inseli zu gewissen Zeiten stark beschatten würde.

Sind die Baukosten nicht viel zu teuer?

Nein, sagt Hubert Achermann. Nach seiner Rechnung könnte der Bau der Salle Modulable die öffentliche Hand sogar günstiger zu stehen kommen als eine Sanierung des bestehenden Luzerner Theaters. Für den Bau der Salle sind 161,2 Millionen Franken veranschlagt. Dazu kommen 6,8 Millionen Franken zur Aufwertung des Inseliparks (Rückbau Carparkplatz), 1,3 Millionen Franken Wettbewerbskosten sowie je 5 Millionen Franken für den Ausbau der Luzerner Theater-Werkstatt und des Kulturzentrums Südpol in Kriens. Das macht total 179,3 Millionen Franken effektive Investitionskosten. Nach Abzug der 80 Millionen Franken aus der Engelhorn-Schenkung sowie erhofften 35 Millionen Franken zusätzlichen privaten Spenden für die öffentliche Hand verbleiben somit noch Kosten von 73,3 Millionen Franken. Die Sanierung des heutigen Theaters hingegen würde 45 bis 80 Millionen Franken kosten. Das müsste vollumfänglich die öffentliche Hand (Stadt und Kanton Luzern) bezahlen, denn dafür stünde die Donation Engelhorn nicht zur Verfügung.

Was ist mit dem geschätzten Baurechtswert von 20 Millionen Franken?

Diese Summe ist in der obigen Rechnung nicht mit einberechnet, da es sich um keine Investition im eigentlichen Sinne handelt. Das Baugrundstück Inseli-Süd gehört der Stadt. Man kann spekulieren, dass die Stadt den Baurechtswert möglichst hoch ansetzte, um im Verhandlungspoker mit dem Kanton gute Karten zu haben. Denn noch steht nicht fest, wie viel die Stadt und wie viel der Kanton an die Baukosten beitragen müssen.

Was passiert, wenn die Stadtbevölkerung am 27. November 2016 das Baurecht am Inseli ablehnt?

«Dann müssen wir die Übung Salle Modulable abbrechen», sagt Stadträtin Ursula Stämmer, «und die Zukunft des Luzerner Theaters von vorne neu überdenken.»

Wurde das Projekt überhaupt je redimensioniert?

Gegenüber den ursprünglichen Vorstellungen wurde das Projekt Salle Modulable tatsächlich redimensioniert. Das Raumprogramm ist jetzt auf einer Fläche von 6688 Quadratmetern angeordnet (statt 8800 in einem ersten Evaluationsstadium). Weggefallen ist gegenüber 2007 die – kostspielige – Idee, einen grossen Saal durch bewegliche Wände in kleinere Räume (für das Theater) zu unterteilen. Auch die Zahl von knapp 700 Sitzplätzen (in konventioneller Bestuhlung) liegt unter den 1000, die 2007 genannt wurden. Die 700 Sitzplätze können nicht weiter reduziert werden, da es gemäss Erfahrungswerten diese Grösse für eine internationale Ausstrahlung braucht. Zudem können damit bei gutem Besuch mehr Ticketeinnahmen generiert werden als bei kleinerem Platzangebot.

Wer definierte den Ausbaustandard der Salle Modulable?

Ihre Einzigartigkeit verdankt die Salle Modulable verstellbaren Sitz- und Bühnenelementen, Balkonliften, flexiblen Akustikelementen und Multimedia-Technik. Im ersten, 2007 präsentierten Projekt war von Balkonliften noch keine Rede. Welche Elemente es braucht, damit die Vision erfüllt ist, wurde bei der Erarbeitung der Machbarkeitsstudie durch die Firma Arup nun neu festgelegt – in einem etappenweisen Prozess, begleitet von Gesprächen mit dem Trust und zukünftigen Benützern. Das Projekt musste drei Bedingungen berücksichtigen. Es musste erstens vom Trust als Umsetzung der Vision der Stiftung Salle Modulable akzeptiert werden, da nur dafür die 80 Millionen Franken zur Verfügung stehen. Es musste zweitens Bedürfnisse der künftigen Benutzer, einschliesslich Theater und freie Szene, berücksichtigen. Und es musste drittens den politischen und finanziellen Realitäten von Stadt und Kanton Luzern Rechnung tragen, die rund die Hälfte der Bausumme beisteuern und über die Theatersubventionen den Betrieb finanzieren müssen. Trust und Stiftung haben den Arup-Vorschlag akzeptiert: Die 161,2 Millionen Franken reiner Baukosten sind so gesehen «unverhandelbar»; das bestätigten auch Regierungspräsident Reto Wyss und Stadträtin Ursula Stämmer mehrfach.

Werden die Bedürfnisse des Luzerner Theaters und der freien Szene berücksichtigt?

Aus Sicht des Luzerner Theaters und der freien Szene könnte der grosse Aufführungsraum durchaus schlanker konzipiert sein. Aber für sie sind andererseits die Zusatzräume im neuen Theater und im Südpol umso wichtiger. Auch bei den Kosten dafür gibt es wenig Spielraum, da sie mit den Dimensionen des grossen Aufführungsraums zusammenhängen. «Die Grösse der Bühne führt zu aufwendigeren Ausstattungen und bedingt grössere Werkstätten», sagt dazu Brigitte Aufterbeck Sieber, Präsidentin des Stiftungsrats des Luzerner Theaters: «Für eine viel grössere Bühne braucht es auch neue, entsprechend grosse Proberäume im Südpol.» Der multifunktionale kleine Saal im neuen Theater ist zudem nicht nur Aufführungsort, sondern «eine Effizienzbühne», weil er primär als Seitenbühne für den grossen Saal genutzt werden soll. Aufterbeck: «Dass eine Seiten- oder Hinterbühne im heutigen Theater für die Zwischenlagerung von Bühnenbildern fehlt, verteuert dessen Betrieb bekanntlich massiv.»

Welche Rolle spielen die Studioräume?

Eine Schlüsselrolle, da sie multifunktional als Garderoben für Grossanlässe oder als Aufführungsort für kleinere Produktionen genutzt werden können. «Das ist ein Beispiel dafür», sagt Brigitte Aufterbeck, «wie die Infrastruktur Voraussetzungen sowohl für einen Weltklasse-Gastbetrieb wie für eine Produktionsstätte für lokale Produktionen schaffen will.» So gesehen gibt es also auch bei den gesamten Investitionskosten von 188 Millionen Franken (ohne Baurechtswert) wohl nur sehr beschränkte Einsparpotenziale.

Welches Sparpotenzial gibt es bei den Betriebskosten?

Auch wenn die 31 Millionen Betriebskosten in der Salle Modulable (gegenüber 24 Millionen im heutigen Luzerner Theater) noch gesenkt werden sollen, ist hier eine Steigerung zu erwarten. Künstlerische Produktionen dürften in einem grösseren Haus generell mehr finanzielle Mittel benötigen. Die Salle-Bühne ist zum Beispiel für Weltklasseformate ausgelegt, deren Chöre 60 bis 80 Stimmen haben – statt der 16 Choristen im heutigen Theaterchor. Damit zeichnet sich ab, dass die Subventionsbeiträge – entgegen der ursprünglichen politischen Zielvorgabe – höher ausfallen dürften. Anderseits würde eine solche Kulturinstitution von internationalem Rang die Wirtschaft in Stadt und Kanton Luzern ankurbeln. Den jährlichen volkswirtschaftlichen Mehrwert, den das KKL schafft, bezifferte eine Studie auf 75 Millionen Franken.

Wieso ist das künftige Betriebsmodell entscheidend?

Zur Diskussion stehen zwei Modelle. Im ersten würde das Haus von einem eigenen Management betrieben und die Säle – ähnlich wie im Fall des KKL – vermietet. Im zweiten erhielte die Salle Modulable eine künstlerische Intendanz – etwa in der Person des Theaterintendanten, der eng mit den anderen Nutzern zusammenarbeitet. Inhaltlich brisant ist diese Entscheidung, weil sie mit darüber bestimmt, ob sich das Haus stärker als Gastspielbetrieb versteht oder als Produktionsstätte auch für lokales Theater. Geklärt wird diese Frage in den nächsten Wochen im Gespräch mit allen Beteiligten.

Der Zeitplan

September 2016: Kantons- und Stadtparlamente debattieren über Projektierungskredit und Baurechtsvertrag. Start Architekturwettbewerb.

27. November 2016: Städtische Volksabstimmung Baurechtsvertrag.

September 2017: Entscheid Architekturwettbewerb.

Zweites Halbjahr 2018: Volksabstimmung Baukredit und Anpassung Bau- und Zonenordnung Stadt.

Viertes Quartal 2018: Vor- und Bauprojekt inkl. Kosten liegen vor.

31. Dezember 2018: Alle politischen Entscheide müssen gefällt und die Finanzierung gesichert sein, damit die aus der Schenkung Engelhorn verbliebenen 80 Millionen Franken für den Bau fliessen können.

Zweites Quartal 2019: Einreichung Baugesuch.

2023: Geplante Eröffnung der Salle Modulable.

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