Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Debatte um Velos zweiter Klasse: 50 Veloständer am Bahnhof Luzern kosten 66 Rappen in der ersten Stunde

Die kostenpflichtigen Veloständer vor dem Bahnhof sollen mehr Luxusvelos anlocken – und sorgen bereits für Kritik.
Simon Mathis
Die neuen Veloparkplätze beim Bahnhof in Luzern. Die Parkplätze können per App reserviert werden. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 24. September 2019)

Die neuen Veloparkplätze beim Bahnhof in Luzern. Die Parkplätze können per App reserviert werden. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 24. September 2019)

Jetzt sind sie also in Betrieb; die kostenpflichtigen Veloständer direkt vor dem Bahnhof Luzern. Seit Dienstag betreibt das Luzerner Start-up smartmo 50 Stationen. Nun ist auch klar, wie teuer die Miete ist. 66 Rappen kostet die Reservation eines Parkplatzes in der ersten Stunde, bei jeder weiteren Stunde kommen 6 Rappen dazu. Wer das Velo ohne Reservation in den Ständer stellt, zahlt jeweils einen Rappen weniger – also 65 und 5 Rappen. Reservieren lassen sich die Plätze per App (siehe Box unten).

Die digitalen Veloständer rufen bereits am Tag eins Widerstand auf den Plan. Die Jungen Grünen wiesen in einer Spontanaktion darauf hin, dass das neue System vor allem jungen Velofahrern mit wenig Geld Parkplätze wegnehme. Sie nennen dies eine «Frechheit».

«Wir wollen keine Zweiklassen-Gesellschaft»

Daniel Hänggi, CEO von smartmo, war an der Pressekonferenz denn auch darum bemüht, die im Raum stehenden Kritikpunkte anzusprechen. «Wir wollen keine Zweiklassen-Gesellschaft am Bahnhof Luzern», so Hänggi. «Wir bieten eine Dienstleistung an, und eine solche darf ihren Preis haben.» Und das sei ein Preis, der durchaus zumutbar sei – und günstiger als der europäische Schnitt.

Im Übrigen wolle smartmo einen Beitrag zum «Veloproblem» leisten. Dieses bestehe unter anderem darin, dass teurere Velos – insbesondere E-Bikes – kaum je beim Bahnhof abgestellt würden. Dies deshalb, weil man Vandalismus und Diebstahl fürchte. Darum bieten die Veloständer zudem eine abgesicherte Box für Velohelme sowie einen Anschluss zum Aufladen von E-Bikes. Die Idee für smartmo kam Hänggi, nachdem er Opfer eines Velodiebstahls geworden war.

Auf den Punkt brachte es Projektleiter Lukas Schneller von den SBB: «Mit dem neuen Angebot wollen wir nicht mehr Velos anziehen, sondern andere.» Schneller weist darauf hin, dass rund um den Bahnhof etwa 2500 Abstellplätze zur Verfügung stehen – unlängst gesellten sich die 420 Plätze im Velotunnel dazu. Wenn der Test bis Mitte 2020 positiv verlaufe, sei eine Erweiterung des Angebots zwar möglich, das kostenlose Bike+Rail bleibe aber weiterhin im Fokus der SBB. Wenn sich das Angebot bewähre, werde der Auftrag öffentlich ausgeschrieben.

Den jetzigen Test organisiert das Start-up smartmo, das bisher bereits 3 Millionen Franken in das Projekt investiert hat. Die SBB stellen Infrastruktur und Fläche zur Verfügung.Wie das Preismodell in Zukunft aussehen könnte, sei offen, sagt Daniel Hänggi. Eine Jahreskarte soll es sicher nicht geben. «Das Angebot soll immer spontan genutzt werden können.»

«Die 50 besten Plätze nimmt man uns weg»

Offiziell gesprochen sorgen die neuen Plätze für ein Nullnummern-Spiel: Die Veloständer sind 50 Zentimeter breit – genau wie reguläre Ständer. «In gewisser Weise schaffen wir Veloplätze», erläutert Hänggi. Denn zuvor habe auf der Fläche ein Chaos geherrscht, diverse kaputte und verlotterte Velos hätten den Platz versperrt. Smartmo sorge hier für Klarheit.

Die Jungen Grünen kritisierten das neue Angebot heute Nachmittag in einer Spontanaktion. (Bild: PD)

Die Jungen Grünen kritisierten das neue Angebot heute Nachmittag in einer Spontanaktion. (Bild: PD)

Dass sich die Velo-Situation vor dem Bahnhof dank smartmo nun weniger chaotisch präsentiere, lässt Jona Studhalter, Co-Präsident der Jungen Grünen Kanton Luzern, als Argument nicht gelten. «Die Veloständer vor dem Bahnhof mussten ohnehin erneuert werden. Das jetzt als Begründung für diese Abwertung anzuführen, geht nicht auf.» Eine Abwertung sei es deshalb, weil man ausgerechnet den zugänglichsten Standort mit einem Preisschild versehe. Zwar gebe es nun im Velotunnel weitere Parkplätze, diese seien aber noch schlecht erreichbar. «Ja, es geht nur um 50 Plätze. Aber es sind die besten 50 Plätze – und die nimmt man uns weg.»

Dem billigen Mietpreis begegnet Studhalter mit Skepsis. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Tarif auf diesem tiefen Niveau bleiben kann», gibt er zu bedenken. Er sei nicht grundsätzlich gegen kostenpflichtige Veloplätze. «Aber diese dürfen nicht auf Kosten von Gratis-Plätzen gehen. Vor allem nicht in Luzern, wo die Veloplätze ohnehin knapp bemessen sind.»

Das System hat noch Kinderkrankheiten

Wie funktioniert der digitale Veloständer? Wir haben ihn getestet. Nötig ist der Download der App «smartmo» für Android oder iOS. Nachdem man seine Personalien eingegeben hat, wird man dazu aufgefordert, das eigene Velo zu registrieren – mitsamt Foto. Das Konto aufladen kann man zurzeit erst im Browser, also noch nicht direkt in der App. Als Zahlungsmittel werden Paypal, Twint, Mastercard und Visa akzeptiert.

Für Neulinge ist das Parkieren der Velos gewöhnungsbedürftig. Mit Schwung muss man es die Metallrampe hinaufschieben, das linke Pedal muss nach vorne ragen. Denn dort wird das Velo gesichert – allerdings nur, wenn es entschieden in die Öffnung gedrückt wird. Gesichert und entsichert wird das Velo per QR-Code oder Swiss Pass. Beim Entsichern schnappt das Velo etwas zu schnell auf, sodass man es sofort festhalten muss. Keine leichte Aufgabe, wenn man mit einer Hand das Handy hält.

Die Entwickler justieren das System in der Testphase und bitten um Feedback. Weitere Infos unter: www.smartmo.ch (sma)

Das Werbevideo von Smartmo:

So funktionierts:

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.