Demonstration
200 Personen demonstrieren an 1.-Mai-Feier in Luzern für die soziale Wende

Nach einem Unterbruch im letzten Jahr haben Gewerkschafter in Luzern für unterschiedliche Anliegen geworben – trotz Regenwetter. Im Zentrum der Veranstaltung stand auch die Pandemie.

Salome Erni
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Mehr als 200 Personen trotzten dem strömenden Regen.

Mehr als 200 Personen trotzten dem strömenden Regen.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. Mai 2021)

Eine einzelne Person mit einer Flagge steuerte am Samstagabend kurz vor fünf Uhr über die Luzerner Kapellbrücke. Die Demonstration anlässlich des 1. Mai 2021 war noch kaum sichtbar, die Demonstranten und Demonstrantinnen suchten unter den Vordächern Schutz vor dem strömenden Regen. Nachdem 2020 eine virtuelle Alternative stattfand, rief der Luzerner Gewerkschaftsbund (LGB) dieses Jahr zur Demonstration unter dem Motto «Zeit für die Wende» auf. «Nach einem Jahr Corona-Krise ist es wichtig, dass die Gewerkschaften und sozialen Bewegungen auf der Strasse wieder Druck aufbauen», sagt LGB-Präsident Martin Wyss in einer Mitteilung.

Nach und nach stiessen immer mehr Demonstrierende auf dem Kapellplatz dazu, ein Gefährt mit Bannern der Familie Eichwäldli wurde auf den Platz geschoben, und Musik erklang. Mit Masken und Regenkleidern trotzten letztlich etwa 200 Personen der Pandemie und dem Dauerniederschlag. Eine Passantin würdigte im Gespräch mit ihrer Begleitung das friedliche Zusammensein – ein Eindruck, den die Luzerner Polizei später bestätigte.

Die Demonstrierenden ziehen vom Kapellplatz über die Seebrücke.

Die Demonstrierenden ziehen vom Kapellplatz über die Seebrücke.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. Mai 2021)

Vielfältige Forderungen

Nach dem Marsch über die zeitweise nur noch halbseitig befahrbare Seebrücke versammelte man sich eingangs der Bahnhofstrasse und beim Luzerner Theater. Die Rednerinnen und Redner an diesem Abend brachten unterschiedlichste Anliegen vor. So machten Mitglieder des «Strike for Future» auf die Klimakrise aufmerksam, es wurde für eine weltweite, gerechte Verteilung der COVID-19-Impfstoffe geworben und auf die Lage in der Türkei aufmerksam gemacht. Ebenfalls zur Sprache kamen unter grossem Jubel die Forderungen des Frauenstreiks.

Mit Trommeln und lautstarkem «Bella Ciao» setzte sich der Zug anschliessend unter den vielen bunten Regenschirmen in Richtung Helvetiaplatz in Bewegung. Dort angekommen, stand der Abbau des Service Public in der Kritik, verbunden mit der Forderung, gute Bedingungen für Arbeitnehmende im Öffentlichen Dienst zu schaffen. Neben dem Aufruf zu bezahlbarem Wohnraum kam auch die Familie Eichwäldli zu Wort, die sich um eine Neubeurteilung der Soldatenstube bemüht. Sie rief SP-Stadtpräsident Beat Züsli dazu auf, sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen um die Lage zu diskutieren, «anstatt Gerichte und Polizei vorbeizuschicken».

«Zeit für die soziale Wende»

Die letzte Ansprache am Samstagabend kurz vor 18.30 Uhr ging nochmals auf das diesjährige Motto ein. Die Gesellschaft sei gespalten, Menschen würden sich nicht gehört fühlen, die Vermögensschere ginge immer weiter auf. Deshalb sei es Zeit für «den Klassenkampf von unten» und den «Druck der Strasse», so der Redner. Nachdem die Solidarität im letzten Jahr eine neue Bedeutung erhalten habe, solle jetzt die soziale Wende kommen.

Auch der LGB schreibt in der Mitteilung zur Demonstration, dass für viele Erwerbstätige nach einem schwierigen Coronajahr das Ende des Tunnels näher gerückt sei. Jetzt gelte es zu verhindern, dass die Krise Ungleichheiten verstärke und die Kosten auf Arbeiter und Arbeiterinnen abgewälzt werden.

Ausserdem habe sich gezeigt, dass als unverrückbar betrachtete Muster durch die Krise auf den Kopf gestellt werden können. «Diese Krise weckt den Mut der sozialen Bewegungen, schlecht bezahlte Berufe aufzuwerten und neue soziale Sicherheiten einzuführen», so der LGB. Auf der Agenda stehen Vollbeschäftigung, bessere Löhne und eine sozialere Altersvorsorge.

Die Demonstration wurde von Polizisten der Luzerner Polizei begleitet.

Die Demonstration wurde von Polizisten der Luzerner Polizei begleitet.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 1. Mai 2021)