Den Luzerner Asia-Shops gehen die Waren aus – weil keine Flugzeuge mehr fliegen

Von Asien können kaum mehr Frischwaren in die Schweiz geliefert werden. Als Folge davon bleiben die Regale in asiatischen Lebensmittelläden zusehends leer. Auch Migros und Coop bekunden bei einzelnen Produkten Lieferprobleme.

Julian Spörri
Merken
Drucken
Teilen
Die Regale mit Frischwaren sind im Shop von «Shanghai Asiatische Waren» von Li Hong Wan noch gefüllt – doch es kommen keine neuen Lieferungen mehr.

Die Regale mit Frischwaren sind im Shop von «Shanghai Asiatische Waren» von Li Hong Wan noch gefüllt – doch es kommen keine neuen Lieferungen mehr.

Bild: Boris Bürgisser, Luzern,
9. April 2020

Wer Gemüse und Früchte in asiatischen Läden sucht, trifft dieser Tage vielerorts auf leere Kühlregale. Dies zeigt der Besuch bei mehreren Shops im Raum Luzern. Öffentlich Stellung nehmen zur Situation wollen jedoch nur Wenige. Ein Geschäftsinhaber, in dessen Laden die Kühlregale sogar abgesperrt sind, spricht von einer «schlimmen Situation». Seit über einer Woche könne er keine Frischwaren mehr anbieten. Zudem würden bestimmte andere Produkte wie Reis, Gewürze und Saucen nicht mehr geliefert.

Auch das Familiengeschäft «Shanghai Asiatische Waren» am Hirschengraben in der Stadt Luzern erhält keine Lieferungen von Frischwaren mehr, wie Besitzer Li Hong Wan sagt. Im Gegensatz zu anderen Shops sind die Regale momentan aber noch gefüllt. «Derzeit verkaufe ich noch ab Lager, doch im Verlauf dieser Woche gehen mir auch diese Bestände aus.» Das Problem sei, dass fast keine Flugzeuge mehr aus Asien fliegen könnten. Trockenwaren, die mit dem Schiff kommen, würden dagegen weiterhin geliefert.

Schiffstransport dauert anderthalb Monate

Die Lieferengpässe bestätigt der Importeur A Châu Trading mit Sitz im Kanton Bern, von welchem Li Hong Wan den grössten Teil seiner Ware bezieht. «Eigentlich würden die Bauern in Vietnam und Thailand mit ihrem Gemüse bereitstehen», so Lin Lien von A Châu Trading. «Die Fluggesellschaften fliegen jedoch nicht mehr, weil es sich nicht rentiert und sie ihren Betrieb zur Eindämmung der Coronakrise eingestellt haben.» Nur vereinzelte Flüge gebe es noch, weshalb man von Tag zu Tag schauen müsse, ob man darin auch eine Ladung unterbringen könne. Vielfach würden die Frachtflüge jedoch auch kurzfristig wieder storniert.

Als Importeur könne A Châu Trading in dieser Situation nichts tun, ausser genug Waren zu bestellen, damit ein allfälliges Flugzeug gefüllt werden könnte. Für Frischwaren gebe es nämlich keine Alternativen, um den Weg von Asien in die Schweiz zurückzulegen: «Gemüse und Gewürze wie zum Beispiel frischer Basilikum sind vielfach nur eine Woche haltbar. Der Transport per Schiff kommt daher nicht in Frage, weil für ihn eineinhalb Monate eingerechnet werden müssen.» Wie lange diese Situation noch dauern könnte, könne sie nicht abschätzen, so Lin Lien. «Wir schauen Tag für Tag.»

Das Sortiment der Frischwaren macht im «Shanghai Asiatische Waren» rund 20 Prozent der Einnahmen aus.

Das Sortiment der Frischwaren macht im «Shanghai Asiatische Waren» rund 20 Prozent der Einnahmen aus.

Bild: Boris Bürgisser, Luzern,
9. April 2020

Die aktuelle Situation schlägt sich auch in den Einnahmen der Asia-Shops nieder. In einem Geschäft in der Stadt Luzern heisst es, dass seit ein paar Tagen deutlich weniger Kunden kämen und der Umsatz tief sei. Bei «Shanghai Asiatische Waren» ist die Nachfrage im Laden zwar derzeit noch normal. Doch Li Hong Wan sagt: «Weil wir den Betrieb des Restaurants eingestellt haben, fällt schon einmal die Hälfte des Geschäfts weg. Wenn ich bald keine Frischwaren mehr verkaufen kann, habe ich nochmals 20 Prozent weniger Einnahmen.» Ein Umstieg auf andere Importeure schaffe da keine Abhilfe, weil alle Händler vor die gleichen Probleme gestellt seien.

Lieferkette der Grossverteiler funktioniert weiterhin

Die Migros ist nur am Rande von den Lieferschwierigkeiten aus Asien betroffen, weil sie nur wenige mit dem Flugzeug importierte Frischprodukte aus dem fernen Osten im Angebot hält. Einzig bei zwei Gemüsemischungen aus Thailand sei die Verfügbarkeit unzuverlässig, weshalb diese seit Ostern nicht mehr bestellt würden, so Migros-Mediensprecher Marcel Schlatter. Doch auch bei Produkten aus anderen Regionen der Welt gibt es Lieferschwierigkeiten – etwa bei Papaya und Mango aus Brasilien. Schlatter relativiert: «Von den Einschränkungen betroffen sind nur jene Früchte und Gemüse, die mit dem Flugzeug importiert werden. Dies sind bei der Migros weniger als ein Prozent.» Der Rest werde per Schiff, Zug oder Camion transportiert, wo die Lieferkette bisher «ausgezeichnet» funktioniere.

Auch Coop betont, dass die Versorgung sichergestellt sei. Innerhalb der EU könne es bei den Grenzkontrollen jedoch zu Verzögerungen kommen, sagt Mediensprecherin Rebecca Veiga. Davon sei Coop marginal betroffen, etwa bei Pasta-Lieferungen aus Italien. Bezüglich Asien spüre man zum aktuellen Zeitpunkt keine Auswirkungen, weil die Lebensmittel von dort fast ausschliesslich via Schiff nach Europa transportiert würden.