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Deponien: In Ufhusen bahnt sich ein Grossprojekt an

Wo einst Schiefer und Braunkohle abgebaut wurden, könnte künftig Bauschutt lagern: Im Gebiet Engelprächtigen auf Ufhuser Boden soll eine Deponie entstehen. Es wäre die zweitgrösste ihrer Art im ganzen Kanton.
Evelyne Fischer
Die geplanten und bestehenden Deponien im Kanton Luzern. (Bild: Lea Siegwart)

Die geplanten und bestehenden Deponien im Kanton Luzern. (Bild: Lea Siegwart)

24 Fussballfelder gross und ein Fassungsvermögen von einer Million Kubikmetern: Das sind die Eckwerte eines Deponieprojekts im Ufhuser Gebiet Engelprächtigen, etwas oberhalb der Kantonsstrasse Zell–Huttwil, im westlichsten Zipfel Luzerns (siehe Grafik).

Lanciert wurde das Projekt von der Arag Bau AG mit Sitz in Hasle und der Pirol AG Kies­aggregate, Ufhusen. Geht es nach den Initianten, sollen in dieser Deponie ab 2021 Kipper um Kipper mit Bauschutt vorfahren. Dabei handelt es sich um Inertstoffe, unrezyklierbares Material, das unter anderem beim Abbruch von Gebäuden anfällt, wie Flachglas, Ziegel, Keramik, Steingut oder asbestbelastete Stoffe. «Das Gelände ist im kantonalen Richtplan als mögliches Deponie­eignungsgebiet vorgesehen», sagt Projektleiter Beat Vogel, Geschäftsführer der Arag Bau AG. Die kantonale Abfallplanung weise «mittelfristig» einen Bedarf an Inertstoffdeponien aus. Sollten die geologischen Untersuchungen zeigen, dass eine solche nicht möglich ist, wäre auch eine Aushubdeponie denkbar.

Gemeinderat sieht Deponie als «Chance»

«Überall wird gebaut, aber niemand will den Bauschutt. Wir anerkennen die Notwendigkeit und wollen Hand bieten zu einer guten Lösung», sagte Marcel Schmid, Gemeinderat Ressort Bau, im Dezember gegenüber dem «Willisauer Boten». Man sehe im Projekt «Chancen» für die Gemeinde Ufhusen, führt er auf Anfrage aus. Die Deponie trage dazu bei, Leerfahrten zu vermeiden, und ermögliche, dass das ehemalige Schiefer- und Kohleabbaugebiet nahezu «in den ursprünglichen Zustand rekultiviert werden kann». Denn die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandene Senke wurde nur teilweise wieder aufgefüllt.

Einer der Knackpunkte ist die Erschliessung. «Dies ist ein wichtiger Aspekt, den auch die Bevölkerung beschäftigt und der nun vom Projektteam intensiv bearbeitet wird», sagt Schmid. Laut Vogel soll diese über die Kantonsstrasse und die Engelprächtigenstrasse erfolgen. «Welche baulichen Massnahmen erforderlich sind, wird das Vorprojekt zeigen.» Dieses muss laut Schmid auch darlegen, dass das Projekt «umweltverträglich ist» und «keine negativen Auswirkungen» auf das Moos zu erwarten sind, das die Deponie am Rande tangiert.

Eine Chance ist das Projekt für die Gemeinde in monetärer Sicht: Mit Blick auf den Finanz- und Aufgabenplan, der für die nächsten Jahre nur rote Zahlen aufweist – 2021 und 2022 über eine halbe Million –, sagt Schmid: «Die Einnahmen wären sicherlich ein Faktor für eine ausgewogene Gemeinderechnung.» Die Höhe der Entschädigung sei «Teil der laufenden Verhandlungen».

Lieferungen aus Bern werden geprüft

Betrieben würde die Deponie durch die AG Engelprächtigen – eine gemeinsame Firma der Arag Bau AG, Hasle, und der Pirol AG Kiesaggregate, Ufhusen. Verwaltungsratspräsident der letzteren ist Reto Marti, der die gleiche Funktion auch bei der Marti Holding AG innehat, einem Berner Baukonzern. Was dies für die Zusammenarbeit heisst, zeige sich erst noch, sagt Beat Vogel. Klar ist: Die Deponie befände sich an der Grenze zu Bern – wäre ergo attraktiv für Lieferungen aus dem Nachbarkanton. Laut Vogel ist die Deponie «grundsätzlich für Anlieferungen aus dem Kanton Luzern gedacht». Dank der «Synergien der bestehenden Kiesabbau­gebiete» soll es zu weniger Leerfahrten kommen. «Transporte aus dem Nachbarkanton sind daher nicht ausgeschlossen.»

Geplant ist eine Betriebsdauer von 15 Jahren. Jährlich würden gegen 60 000 Kubikmeter Material deponiert, dies entspricht rund 17 Lastwagenfrachten täglich. Zum Vergleich: Insgesamt fielen 2016 rund 160 000 Kubikmeter Bauabfälle an. Grösser als Engelprächtigen wäre derzeit nur die Inertstoffdeponie im Gebiet Huob/Neumatt in Littau.

Insgesamt gibt es im Kanton Luzern derzeit sieben öffentliche Inertstoffdeponien. Jene in Huwil bei Römerswil soll erweitert werden, bei der Deponie in Zell erhöht sich durch eine Gestaltungsänderung das Volumen leicht. Für eine Erweiterung der Deponie Hächlerenfeld in Buchs läuft das Vorprüfungsverfahren. Kürzlich aufgegeben wurden die Abklärungen für eine neue Deponie im Gebiet Gibelhof in Ebersecken.

Um ein «Mehrfaches höher» als der Bedarf an Inertstoffdeponien sei im Kanton Luzern der Bedarf an Deponien für unverschmutztes Aushubmaterial, sagt Roland Krummenacher, Leiter der Abteilung Entsorgung und Risiko bei der Dienststelle Umwelt und Energie (UWE). 2016 wurden in hiesigen Deponien und Kiesgruben 1,13 Millionen Kubikmeter Aushub abgelagert. Für eine mögliche Bewilligung einer Deponie sei aber nicht alleine das Volumen ausschlaggebend.

Damit die Transportdistanzen und der Schadstoffausstoss «in einem tragbaren Rahmen» bleiben, strebe man eine geografische Verteilung der Deponien über den ganzen Kanton an. Die Initianten und die Gemeinde wollten das Deponieprojekt «kooperativ» entwickeln, heisst es in der Medienmitteilung. So würden etwa «die relevanten Dienststellen des Kantons Luzern» regelmässig informiert.

Bodensondierungen im Januar geplant

Bislang war dies aber noch nicht der Fall: Angesprochen auf die Ufhuser Pläne heisst es bei der UWE: «Wir kennen zu diesem Deponieprojekt erst die Medienmitteilung und können uns deshalb noch nicht dazu äussern», sagt Roland Krummenacher.

Nun sollen erste Bodensondierungen vorgenommen werden. Im Laufe des Jahres soll das Projekt beim Kanton zur Vorprüfung eingereicht werden, parallel dazu will die Gemeinde die Umzonung von der Landwirtschafts- in die Deponiezone aufgleisen. Die Bevölkerung dürfte das Projekt kritisch beobachten: Ende 2013 schickte das Volk an der Urne eine Einzonung des Gebietes Ahorn/Meinrade zum Betrieb einer Inertstoffdeponie bachab.

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