Depotsystem nervt Fasnächtler

Das neue Depotsystem sorgt an der Fasnacht für Unmut. «Gwärb Lozärn» räumt ein: Es gibt Verbesserungspotenzial.

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Essen und Trinken gibts offiziell nur noch gegen Pfand - wie an diesem Stand am Schwanenplatz. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Essen und Trinken gibts offiziell nur noch gegen Pfand - wie an diesem Stand am Schwanenplatz. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Trotz der guten Stimmung – für einen Wermutstropfen im Kafi-Schnaps sorgt das neue Depotsystem an der Fasnacht. Dieses wurde für die rund 80 bewilligten Verpflegungsstände eingeführt, um den Abfall auf den Strassen zu reduzieren. Allerdings: «Kein Mensch hat eine Ahnung, wie das laufen soll», sagt Besucherin Daniela Gollmann (27) aus Luzern. Die Standmitarbeiter seien teilweise zu betrunken, um das System richtig umzusetzen: «An einem Stand haben sie uns die Depotgebühr samt Jeton zurückgegeben.» Auch Vivienne Hodel (25) aus Littau nervt das System: «Immer an einen offiziellen Stand zurücklaufen, um die Depotgebühr zu holen – das macht niemand. Die Leute schmeissen die Becher einfach auf den Boden.» Es gäbe einfach zu wenige Rückgabestationen, wo man seine zwei Franken Gebühr gegen Abgabe von Jeton und Geschirr zurückerstattet bekomme, ohne lange an den Verkaufsständen anzustehen.

Auch Standbetreiber zweifeln

Auch Standbetreiber zweifeln am System. «Vom Publikum findet das niemand gut. Es gibt viele inoffizielle Stände, wo die Depotgebühr nicht eingelöst werden kann», sagt Franz Friedli, Inhaber des Früchte- und Gemüsestandes beim Rathaus, der an der Fasnacht einen Verpflegungsstand betreibt. Aufgrund der mühsamen Depotgebühren besorgen sich viele Besucher die Verpflegung bei wilden Kafi-Schnaps-Wagen. So etwa Simon Burri (21) aus Bern. «Das geht einfach schneller», sagt er, als er am Stand der Dierikoner Guuggenmusig «Schlitzäugler» ein Getränk bestellt.

Mitverantwortlich für die Verpflegungszonen ist «Gwärb Lozärn», eine nichtkommerzielle Vereinigung von Luzerner Geschäftsleuten. Für deren Finanzchef Saemi Honegger ist klar: «Das Depotsystem ist weder für die Standbetreiber noch für die Besucher lustig. Aber es ist ein Beschluss des Stadtrats, der nicht umgangen werden kann.» Ausserdem sei das System nichts Neues: Zum Beispiel am Blue Balls Festival wird es seit Jahren angewendet. «Jeder müsste wissen, dass alle bewilligten Stände dazu verpflichtet sind, die Depotgebühr bei der Abgabe von Jeton und Geschirr zurückzuerstatten, auch wenn das Produkt nicht am selben Stand gekauft wurde», sagt Honegger. Dennoch gäbe es Verbesserungspotenzial. «Es gibt drei Rückgabestationen.» Eine solche Station koste während der gesamten Fasnacht aufgrund der Personalkosten zirka 6500 Franken. «Vielleicht werden wir nächstes Jahr dennoch mehr Rückgabestationen aufstellen», sagt Honegger.

Aleksandra Mladenovic / Neue LZ