Der abtretende «Montana»-Chef über das Geheimnis eines guten Hoteldirektors

Seit 24 Jahren führt Fritz Erni erfolgreich das Luzerner Art Deco Hotel Montana – Ende März geht er in Pension. Ein Rück- und ein Ausblick.

Sandra Monika Ziegler
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Als Hoteldirektor sitzt mir Fritz Erni das letzte Mal gegenüber. In Zeiten des Coronavirus mit gebührendem Abstand. Auf der Beach Club Terrasse mit Blick auf See und Berge lassen wir Revue passieren. Fast ein Vierteljahrhundert ist es her, als der 65-Jährige das Zepter übernahm. Ab April übernimmt Miriam Böger die Führung des «Montana».

Fritz Erni auf der Beach Bar Terrasse des Hotels Montana: «Ab Montag bin ich offiziell pensionierter Hotelier.»

Fritz Erni auf der Beach Bar Terrasse des Hotels Montana: «Ab Montag bin ich offiziell pensionierter Hotelier.»

(Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 23. März 2020)

Als Beizersohn, seine Eltern wirteten im Aargau, wurde ihm das Gastgeberflair quasi in die Wiege gelegt. «Du bist automatisch verwurzelt. Eine Lehre in diesem Gewerbe zu machen, lag auf der Hand», beschreibt Erni seinen Werdegang. Er, wie übrigens auch sein Bruder, machte im Berner Oberland eine Kochlehre und dann ein Praktikum in einem Hotel. Doch das reichte ihm nicht. «Ich merkte sehr schnell, dass ich etwas bewegen will. Wollte sehen, wie es andere machen. So kam die Idee, nach Kanada zu gehen.»

Sein Ziel war klar, er wollte eine Stelle bei Hilton International in Kanada. Das «Queen Elizabeth» Montreal war damals mit über 1000 Zimmern, 24 Restaurants und Bankettsälen für 5000 Personen das zweitgrösste Hotel der Welt. Das habe ihn magisch angezogen. Aber er wollte nicht alleine dort hin, sondern mit seiner langjährigen Freundin Maggie. Also hiess es: Ab auf die Botschaft und sich über die Formalitäten erkundigen. Er sagt:

«Unverheiratet hätte ich alleine gehen müssen, so machte ich Maggie im Lift einen Heiratsantrag. Sie hatte drei Stockwerke Zeit Ja zu sagen und im Parterre sagte sie Ja. Das ist über 40 Jahre her.»

Mit Tempo und Willen brachte er in vier Monaten alles unter einen Hut. Es wurde geheiratet, Englisch gelernt und die Stelle organisiert. «Ich kann mich noch gut an den mit Schreibmaschine geschriebenen Brief ans Headquarter der Hilton-Gruppe erinnern. Und zehn Tage später hatte ich mein Vorstellungsgespräch in Brüssel.» Die seien erstaunt gewesen, sagten mir, ob mir eigentlich bewusst sei, dass in diesem «Hilton» nur drei Personen pro Jahr genommen werden und solche Stellen besseren Söhnen der Kadermitglieder vorbehalten seien. «Ich liess mich aber von meiner Kanada-Idee nicht abbringen und es klappte.» In den sechs Jahren Kanada durchlief Fritz Erni die Kaderschulung. Er kehrte mit viel Erfahrung und dem Gespür für ausländische Gäste zurück.

Eine gewisse Sturheit gepaart mit unbändigem Wille ist Erni nicht abzusprechen. Es brauche eine Überzeugung, wenn etwas geändert werden soll. «Es macht keinen Sinn, ins allgemeine Klagelied einzustimmen. Sagen alle ‹das geht nicht›, dann sag ich: Es geht erst recht!»

Sein Erfolg beruhe bestimmt auf dieser Einstellung. Ein weiterer Grundstein sei ein fundiertes Wissen. Das habe er sich auf all seinen Arbeitsstationen geholt. Nach Kanada arbeitete er in Zürich, führte einen Mövenpick-Betrieb, später das Airport Hilton und stieg auf zum Food- & Beverage-Manager von Hilton Switzerland. Weiter ging es an die Schweizer Hotelfachschule Luzern, die er übrigens selbst schon absolvierte. Und 1996 kam dann der Start zur erfolgreichen Erni-Ära im Art Deco Hotel Montana. Erni gehört zusammen mit Hans C. Leu – Albergo Giardino Ascona – zu den einzigen Schweizer Hoteliers, die die Auszeichnungen Hotel des Jahres und Hotelier des Jahres erhalten haben, während sie in ihrem Betrieb arbeiteten.

Dass nicht alle Gastrobetriebe mit Erfolg gekrönt sind, weiss auch Erni. Er könne nur von sich aus gehen. Ganz getreu seinem Motto: «Kreativität beginnt dann, wenn es schwierig wird.» Mit Niederlagen befasse er sich nur kurz:

«Ich befasse mich nicht mit Dingen, die nicht funktionierten. Es muss weiter gehen. Einzigartig wird ein Unternehmen erst dann, wenn es nicht Mainstream ist.»

So habe er sein Haus umgebaut, ohne zu schliessen. Aus dem öfter mal regnerischen Luzern entsprang die Idee, in der Höhe der Regenwahrscheinlichkeit Rabatte für die Übernachtung zu gewähren: «Wer vor dem Mittag bucht und die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei 70 Prozent, zahlt auch 70 Prozent weniger.»

Fritz Erni in einem umgebauten Zimmer im Hotel Montana am 9. November 2017.

Fritz Erni in einem umgebauten Zimmer im Hotel Montana am 9. November 2017.

Bild: Eveline Beerkircher

Mit dem 14. Monatslohn setzte er ein Zeichen

Es brauche manchmal Mut für unkonventionelle Ideen und ganz wichtig, ein Team, das hinter einem steht. Denn eine One-Man-Show sei der Posten des Hoteldirektors nicht. «Ein Hotel ist für die Gäste da, nicht für mich.» Ein kompaktes Team, das am selben Strang zieht und dabei zufrieden ist. Da dürfe es nicht an Wertschätzung fehlen, das sei ganz wichtig. Das gelte nicht nur im persönlichen Umgang. So erstaunt wenig, dass Erni in der sonst finanziell gebeutelten Hotelbranche nicht nur in Zimmer investierte, sondern auch in die Angestellten. Mit dem 14. Monatslohn, den er Ende 2019 seinen Angestellten auszahlen liess, setzte er ein Zeichen.

Die Ideen werden ihm nicht ausgehen. Gedanklich ist Fritz Erni an diversen Projekten, sieht hier und dort Möglichkeiten. «Ganz weg bin ja nicht. Auf der strategischen Ebene bin ich noch aktiv. Ich habe drei Verwaltungsratsmandate, dafür werde ich 50 Prozent meiner Zeit aufwenden.»

Der Privatmann Erni hätte eigentlich gestern ein rauschendes Fest abgehalten, doch das Coronavirus kam ihm in die Quere. Die Party wurde abgesagt. Und auch die geplante Ferienreise mit seiner Maggie muss warten. «Das ist schade, doch davon geht die Welt nicht unter. Jetzt bleiben wir eben hier.» Zum Virus will er sich nicht gross äussern, da sei schon manches gesagt worden. Doch etwas wünscht er sich schon:

«Ich hoffe, es gibt einen Denkanstoss punkto Globalisierungswahn und Abhängigkeiten.»
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