Der aktuelle Swiss Venture Capital Report belegt: Schweizer Einhörner vermehren sich

Rekordeinnahmen für Schweizer Start-ups – Geld kommt vornehmlich aus dem Ausland.

Daniel Zulauf
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Vielversprechenden Schweizer Jungunternehmen fliesst Eigenkapital in rauen Mengen zu. 261 sogenannte Start-up-Firmen haben 2019 in 266 Finanzierungsgrund insgesamt 2,3 Milliarden Franken eingesammelt. Das ist ein spektakulärer Allzeitrekord, wie die «Schweizerische Vereinigung für Unternehmensfinanzierung» (Seca) in Zusammenarbeit mit dem Newsportal startupticker.ch in ihrem am Dienstag vorgestellten jährlichen«SwissVentureCapitalReport» vermelden. Der Kapitalstrom hat im Vergleich zum Vorjahr um mehr als eine Milliarde Franken zugenommen. Das ist der steilste Anstieg seit Beginn der Statistik im Jahr 2012. Damals schöpften gut 50 Firmen noch weniger als 400Millionen Franken.

Das grosse Geld floss aber nur in relativ wenige Firmen.Allein die 20 begehrtesten Startups nahmen zusammen mehr als 1,5 Milliarden Franken ein. Am lukrativsten war das Jahr für das 2008 in Zürich gegründete Reiseportal GetYourGuide, das 2019 fast 490 Millionen Franken an frischem Eigenkapital vereinnahmte. GetYourGuide betreibt eine Webseite, auf der Reisenden in zahlreichen Destinationen Ausflüge, Führungen und Tickets für Sehenswürdigkeiten buchen können. Die Firma wurde innerhalb der ETH Zürich gegründet und beschäftigt über600Mitarbeiter – rund 50 davon in Zürich. Eigentlich wäre die Firma reif für den Gang an die Börse. Dank der erfolgreichen Neufinanzierung kann sie diesen Schritt noch für ein paar weitere Jahre hinausschieben.

Einer von acht Investoren kommt aus der Schweiz

GetYourGuide ist 2019 in die Kategorie der «Einhörner» aufgestiegen.Das Fabelwesen wird als Synonym für Start-up-Firmen verwendet, deren Wert eine Milliarde Franken oder mehr beträgt. Neben dem Reiseportal haben 2019zweiweitere Jungfirmen den Einhorn-Status erreicht: Wefox, eine Firma die Versicherungslösungen über digitale Kanäle vertreibt, sowie ADC Therapeutics aus dem Waadtland. Bei der Finanzierung der Schweizer Jungfirmen spielt inländisches Kapital nicht die Hauptrolle. Immerhin ist einer der acht grössten Finanzgeber im vergangenen Jahr ein inländischer. Researchleiter Thomas Heimann vom Seca geht davon aus, dass sich der starke Kapitalzufluss auch im laufenden Jahr fortsetzen wird.

Für die Investoren ergeben sich auch Probleme:Die globale Risikokapitalindustrie reisse sich allzu sehr um die gleichen Adressen, stellt Heimann fest. Der Herdentrieb («GroupThinking») sei die grösste Schwäche dieser stark auf das Sillcon Valley konzentrierten Branche.

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