Der Alpenclub Gerliswil ist 100-jährig – und noch immer in Topform

Der Alpenclub Gerliswil erfreut sich grosser Beliebtheit. Auch dank eines nimmermüden Präsidenten.

Hannes Bucher
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Das Berghaus Bonern auf der Fräkmüntegg ist die «Heimstätte» des Alpenclubs Gerliswil. (Bild: PD)

Das Berghaus Bonern auf der Fräkmüntegg ist die «Heimstätte» des Alpenclubs Gerliswil. (Bild: PD)

Die einstigen Gründungsmitglieder des Alpenclubs Gerliswil würden sich freuen, dass ihr Werk auch nach 100 Jahren weiterblüht: Da sitzt der aktuelle Präsident Robi Stocker am grossen Gartentisch in seinem Zuhause in Gerliswil, zusammen mit der Wandertourenleiterin Hanny Thürig. Eine Menge Material ist ausgebreitet, darunter einige Ausgaben der «Bergdohlen» des 75. Jahrgangs, dem Clubmagazin des Vereins.

Redaktor des Cluborgans, das viermal im Jahr erscheint, in Wort und Bild von den Ski- und Schneeschuhtouren, den Hochtouren im Sommer und den zahlreichen Wanderungen erzählt, ist der nimmermüde Präsident selbst. Seit 34 Jahren steht er dem Verein vor. «Ja, er macht ungemein viel für unseren Club», windet ihm Hanny Thürig ein grosses Kränzchen. «Viele andere ziehen mit und machen ebenfalls ganz tolle Arbeit», relativiert dieser.

Aufbruchstimmung nach dem 1. Weltkrieg

Kameradschaft ist nebst der Bergsportbegeisterung schliesslich auch die Triebfeder, welche die heute 338 Mitglieder im Verein suchen und finden. Robert Stocker blättert im «Berg- und Hüttenbuch», das anlässlich des 75-Jahre-Jubiläums herausgegeben wurde. Reich bebildert zeigt es Stationen des traditionsreichen Vereins auf.

Da wird etwa geschildert, wie sich 21 bergbegeisterte, «meistens noch ledige Burschen», im «Sonne»-Stübli in Gerliswil am 6. Dezember 1919 zu einer ersten Versammlung einfinden und beschliessen, einen Club zu gründen. An der ersten Generalversammlung Ende Januar 1921 sind bereits 30 Aktive und 45 Passivmitglieder zu verzeichnen. «Viele Vereine fussen in diesen Nachkriegsjahren», sagt Robert Stocker. Da sei wohl viel Gesellschaftliches während der Kriegsjahre zu kurz gekommen. «Es herrschte auch eine gewisse Aufbruchstimmung.»

Der Verein wächst stetig. 1930 wird eine Juniorenabteilung gegründet, im gleichen Jahr stossen Frauen dazu. Robi Stocker lernt denn auch seine Frau Regula im Club kennen. Ein eigentlicher Meilenstein in der Clubgeschichte ist der Bau des Berghauses auf der Alp Bonern am Pilatus. «Sportlich gut erreichbar, genügend und gutes Quellwasser, aussichtsreiche Lage, schneesicher für den Skisport»: Das waren Attribute, die für Bonern sprachen. Die Quellen erzählen, wie vor Baubeginn erst noch eine 400 Meter lange Strasse durch sumpfigen Baugrund angelegt wurde. «Die Träger versanken mit ihren Lasten oft bis an die Knie im Sumpf», ist in der Chronik zu lesen. Insgesamt mussten an die 45 Tonnen Material angeschleppt werden. Mit dabei ein Steinbrecher – trotz Zerlegung in möglichst viele Einzelteile wog das Hauptstück noch gegen 500 Kilogramm. Die Einweihung des Bergheims Bonern am 14. Oktober 1934 ist denn auch Grund für ein grosses Fest mit gegen 400 Teilnehmern.

Berghaus als «Herzstück»

Das Berghaus Bonern ist auch heute noch das eigentliche «Herzstück» des Clubs. «Es gibt immer wieder Familien, die sich zusammentun und dort auch ihre Ferien verbringen – zur Freude ihrer Kinder, die da viel Tummelplatz und Spielraum finden», erzählen Robi Stocker und Hanny Thürig. Diese Kinder sind denn auch die Zukunft des Vereins. Viele aktuelle Mitglieder waren schon mit ihren Eltern dabei, sie rücken nach, übernehmen Verantwortung und Chargen. Zwar ist die heutige Hauptaltersgruppe zwischen zirka 55 bis 75 Jahre alt, aber «ein paar Jüngere» rücken nach. In dem Sinn scheint die Zukunft gesichert. Auch finanziell: Das Berghaus ist unbelastet, der Baurechtsvertrag mit der Korporation Luzern konnte kürzlich verlängert werden.

Die Clubtätigkeiten selber haben sich etwas verlagert. Lange Jahre hat der Club noch die Skirennen für die Schulen Emmen organisiert, erst auf Fräckmünt, später in Sörenberg. «Immer mehr Schüler fahren nicht mehr Ski – schliesslich wurden die Rennen aufgegeben», sagt Robert Stocker. Das Jahresprogramm ist aber mit zirka 60 Anlässen noch immer überaus reich bestückt. Wanderungen, Schneeschuhtouren, Skitouren, das gemeinsame Mittwoch-Hallentraining sind mit dabei. Die Wanderwochen, die Hanny Thürig seit 1997 durchführt, boomen richtiggehend. Velotouren kommen dazu. Mit dem Bike-Sport in den Bergen hat der Alpenclub Gerliswil keine Probleme. «Wir kommen aneinander vorbei», sagt Robi Stocker. Sein Hauptanliegen: Tolle Kameradschaft, Herzlichkeit – und: «Ich hoffe, dass unsere Bergwelt sauber bleibt und nicht wie die Meere zur Müllhalde der Zivilisation werden.»