DER ANTIREGULATOR: Zeigen Sie Ihre Bewilligung!

Im Auftrag unserer Zeitung ist der Antiregulator mit seinem Team unterwegs, um der überbordenden fasnächtlichen Reglementierung Einhalt zu gebieten.

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Der Antiregulator strahlt vor Glück. (Bild: Philipp Schmidli (23. Februar 2017))

Der Antiregulator strahlt vor Glück. (Bild: Philipp Schmidli (23. Februar 2017))

Mit allem haben die Antiregulatoren gerechnet, aber sicherlich nicht damit: «Zeigen Sie Ihre Bewilligung!», sagt ein Mann zu uns. Wir dachten erst, er sei ein Oberlehrer, dann ein Polizist in Zivil. Und weiter: «Wer ist hier der Chef? Mit ihm will ich sofort sprechen!»

«Eine Bewilligung? Was ist denn das?», fragt der Mutigste von uns. Der Mann insistiert: «Jedes Gefährt braucht an der Fasnacht eine Bewilligung von der Stadt! Das ist Vorschrift.»

Wir fangen uns nach kurzer Verunsicherung schnell. Und unser Grösster erklärt: «Das ist doch kein Gefährt! Das ist ein Velo, und zwar eins für vier Personen!» Er holt Luft. Das Stichwort «Bewilligung» bringt jeden Antiregulator auf die Palme! «Und wenn Velo-Nummern nicht bereits abgeschafft worden wären, hätte ich höchstpersönlich dafür gesorgt!» Einer nimmt die mehr-bödige Brille ab, um den Mann genauer mustern zu können, und meint: «Wer sind Sie überhaupt?»

Es stellt sich heraus, dass der Mann ein Angestellter der städtischen Verwaltung ist. Das ist unsere Chance! Wir zählen im Chor sämtliche Regulierungsärgernisse auf, die wir nun direkt und ungefiltert an der richtigen Stelle loswerden können. Doch der Beamte winkt ab, freut sich darüber, dass er sich mit den Antiregulatoren einen Scherz erlauben konnte, und reicht zum fasnächtlichen Frieden die Hand. Wir erfahren: Sogar sein oberster Chef, Stadtrat Adrian Borgula, habe wahre Freude an uns Antiregulatoren.

Diese Nachricht stimmt uns milde. Wir haben nun die Gewissheit, dass wir mit unserer Botschaft im Stadthaus nicht etwa auf taube Ohren stossen, sondern dass wir viel mehr Sympathien bis in die obersten Gremien der städtischen Regulation geniessen. Einer extrem chaotischen Fasnacht 2018 steht also nichts mehr im Weg!

Noch ein Erlebnis hat uns persönlich tief berührt: An der Reuss treffen wir drei Pöstler. In alter, dunkelblauer Uniform mit gelbem Velo stehen sie parat, um ihre Post zu verteilen. Sie trauern den guten, alten Zeiten nach, wo alles noch so schön reguliert war – damals bei der PTT. Die Pöstler schenken uns eine Ausgabe der «Luzerner Zeitung» mit der Schlagzeile «Die Post gerät unter Druck». «Da, schau!», sagt einer von ihnen. «Nichts mehr ist wie früher!» Das finden wir auch – wenn auch in einem etwas anderen Sinne ...

Der Antiregulator trifft an der Reuss auf die Regulatoren von der PTT. (Bild: Stefan Schmid)

Der Antiregulator trifft an der Reuss auf die Regulatoren von der PTT. (Bild: Stefan Schmid)

Der Antiregulator hat nichts gegen kulinarische Vielfalt und geniesst holländische Poffertjes. (Bild: Kilian Küttel (Luzern, 27. Februar 2017))

Der Antiregulator hat nichts gegen kulinarische Vielfalt und geniesst holländische Poffertjes. (Bild: Kilian Küttel (Luzern, 27. Februar 2017))