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Luzern glänzt: Beim Zahnarzt wird der Bohrer zunehmend überflüssig

Der Kampf gegen Karies ist im Kanton Luzern eine Erfolgsgeschichte. Heute kann der Kantonszahnarzt konstatieren, dass die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler die obligatorische Schulzeit kariesfrei durchlaufen.
Thomas Heer
Luzern hat in der Zahnhygiene in den letzten Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Luzern hat in der Zahnhygiene in den letzten Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht. (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Von Georg Washington, dem ersten Präsidenten der USA, ist bekannt, dass er sehr viel Wert auf sein Aussehen legte. Er litt in seiner Kindheit unter starkem Kariesbefall. Dieser Politiker erkannte jedoch bereits Ende des 18. Jahrhunderts, die Wechselwirkung zwischen selbstbewusstem Auftreten und dem äusseren Erscheinungsbild. Mittels aufwendiger Eingriffe liess Washington daher seine Zähne instand stellen, ein Teil der Prothesen waren damals noch aus Holz gefertigt.

Längst hat sich das makellose Gebiss heute in der westlichen Welt zu einem Statussymbol entwickelt. Vergangen sind die Zeiten als auch in der Schweiz – bis hinein in die 1970er-Jahre – selbst Kinder mit schwarzen, verfaulten Zähnen unterwegs waren.

Die Kosten werden von den Gemeinden übernommen

Peter Suter ist Inhaber einer Praxis in Beromünster, und er arbeitet zusätzlich im Nebenamt als Luzerner Kantonszahnarzt. In dieser Funktion kann er ein erfreuliches Fazit ziehen: «Die meisten Lernenden durchlaufen heute die obligatorische Schulzeit kariesfrei», sagt Suter. Das heisst, bei mehr als 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler treten in diesem Lebensabschnitt keine Karies auf.

Seit dem Jahr 2006 ist in Luzern die Schulzahnpflege eine Verbundaufgabe von Kanton und Gemeinden. Letztere sind in diesem Bereich für die Regelschulen zuständig. Was die Kantons-, Sonder- und Privatschulen betrifft, ist hingegen der Kanton zuständig. Einmal pro Jahr wird jede Klasse von einem Schulzahnarzt untersucht. Eine höhere Kadenz, so Suter, sei nicht notwendig. Dass sich die Situation in Bezug auf die Zahngesundheit im Vergleich signifikant verbessert hat, führt Suter auf folgenden Umstand zurück: «Es zeigt sich, dass sich der Einsatz der Gemeinden für die Prophylaxe bezahlt macht.» Dabei weist der ranghöchste Luzerner Zahnarzt explizit auf den Einsatz der Schulzahnpflege-Instruktorinnen (SZPI) hin. «Diese besuchen die einzelnen Klassen regelmässig», so Suter, «und vermitteln die Grundlagen für eine gute Mundgesundheit.» Luzern habe auf diesem Gebiet Modellcharakter und biete eine einzigartige Palette von Weiterbildungen für die SZPI an.

Für den schulzahnärztlichen Dienst und die Prophylaxe-Arbeit gibt die öffentliche Hand, das heisst die einzelnen Gemeinden, im Kanton insgesamt pro Jahr 1,3 Millionen Franken aus. Die Kosten für allfällige Behandlungen müssen die Eltern auf der Basis des normalen Zahnarzttarifes selber berappen. Ist das aus finanziellen Gründen nicht möglich, kommt die Gemeinde im Rahmen der wirtschaftlichen Sozialhilfe für die Kosten auf.

Exakte Daten kommen aus dem Kanton Zürich

Für 16 Gemeinden im Kanton Zürich gibt es genaue Daten, was das Kariesaufkommen der Schülerinnen und Schüler betrifft. Seit 1963/1964 wurden die Auszubildenden aller Altersklassen in Abständen von vier Jahren zahnmedizinisch untersucht. Über den gesamten Zeitraum von 45 Jahren wurde dieselbe standardisierte Methode angewendet. Die Untersuchung kommt zu folgendem Schluss: In der Periode zwischen 1964 und 2009 ging der durchschnittliche Kariesbefall bei den 14-Jährigen um 90 Prozent zurück. Das heisst: Stellten die Zahnärzte Mitte der 1960er-Jahre durchschnittlich noch 12,5 von Karies befallene Zähne pro Schülerin und Schüler fest, so waren es 2009 lediglich noch 1,3.

Der Kariesrückgang bei den 8-, 10- und 12-Jährigen lag sogar bei bis zu 92 Prozent. Giorgio Menghini, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Privatzahnmedizin und Oralen Epidemiologie am Zentrum für Zahnmedizin der Uni Zürich, sagt zum Studienergebnis: «Der Kariesrückgang war unterwartet hoch.» Der Rückgang sei zu ungefähr 50 Prozent auf die Verwendung fluoridierter Zahnpasta und fluoridiertem Salz zurückzuführen.

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