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Der Bund hat ausgerechnet: Bypass Luzern ist 1,5 Milliarden wert

Eine Kosten-Nutzen-Analyse zeigt, dass der Bypass mehr nützt als er kostet. Doch wäre das Verhältnis auch bei einem Verzicht auf die Spange Nord noch positiv? Nein, glaubt der Luzerner Nationalrat Michael Töngi.
Robert Knobel
Dichter Verkehr auf der Luzerner Seebrücke. Bypass und Spange Nord sollen die Innenstadt entlasten. (Bild Alexandra Wey/Keystone)

Dichter Verkehr auf der Luzerner Seebrücke. Bypass und Spange Nord sollen die Innenstadt entlasten. (Bild Alexandra Wey/Keystone)

Was bringt der Bypass Luzern? Diese Frage liess das Bundesamt für Strassen (Astra) 2016 in einer Kosten-Nutzen-Analyse prüfen. Bei den Kosten ist die Antwort einfach: Rund 1,7 Milliarden Franken soll das Gesamtprojekt inklusive Spange Nord kosten. Für die Vergleichbarkeit wurden bei der Analyse aber nicht die Gesamtkosten als Basis genommen, sondern der sogenannte Nettobarwert. Dieser beläuft sich, abzüglich Planungskosten, Reserven und denjenigen Kosten, die auch ohne Bypass anfallen würden, auf 1,16 Milliarden Franken (siehe Tabelle).

Kosten-Nutzen-Analyse Bypass Luzern

Nettobarwert, in Mio. CHF
Kosten Nutzen
Baukosten 1010
Ersatzinvestitionen Bauteile 83
Landkosten 40,5
Betrieb/Unterhalt 24,5
Weniger Unfälle 172.5
Weniger Stau 1275
Weniger Betriebskosten für Fahrzeuge 72
Mehr Umweltbelastung - 55
Weniger Lärm 1.25
TOTAL 1158 1466

Diese 1,16 Milliarden wurden dem Nutzen gegenüber gestellt, der aufgrund von verschiedensten Indikatoren ebenfalls als Nettobarwert errechnet wird. Der mit Abstand grösste Nutzen der neuen Autobahnumfahrung ist demnach die Reduktion der Staus. Tatsächlich staut sich der Verkehr heute regelmässig vor dem Sonnenberg- oder Reussporttunnel sowie im Luzerner Stadtzentrum. Die Spange Nord soll das Stadtzentrum deutlich entlasten, und dank dem Bypass stehen künftig zwei parallele Stadt-Umfahrungen zur Verfügung. Bei Unfällen auf der Autobahn steht somit immer eine Alternativroute zur Verfügung. Jede verhinderte Stau-Stunde wird in der Analyse mit 23 Franken pro Person verbucht. Hochgerechnet ergibt sich gemäss Astra ein Nutzen von 1,3 Milliarden Franken. Wenn der Verkehr von den Hauptstrassen auf die sichereren Autobahnen verlagert wird, wirkt sich dies zudem positiv auf die Unfallhäufigkeit aus. Die Abnahme von Unfällen hat einen weiteren positiven Effekt im Wert von 172 Millionen Franken.

Allerdings wird der Gesamtverkehr wegen des Bypass stark zunehmen. 14 Millionen zusätzliche Fahrzeugkilometer pro Jahr wird das neue Strassensystem verursachen, so die Berechnung. Den Preis dafür zahlt die Umwelt. Durch erhöhte Luftbelastung und Klimaeffekte entsteht ein Negativ-Nutzen von 55 Millionen Franken.

1,27 Mal mehr Nutzen als Kosten

Unter dem Strich beträgt der Gesamtnutzen des Bypass-Systems 1,47 Milliarden Franken. Das ist 1,27 Mal mehr als die oben erwähnten Kosten von 1,16 Milliarden. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis hänge auch von der Verkehrsmenge ab, schreiben die Autoren der Analyse. Sollte der Verkehr noch stärker zunehmen als erwartet, so ist die Entlastungswirkung durch den Bypass noch stärker – das Kosten-Nutzen-Verhältnis könnte auf bis zu 1,39 steigen.

Für den Bund ist somit klar: Der Bypass nützt viel mehr als er kostet. Anders sieht dies der grüne Luzerner Nationalrat Michael Töngi: «Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist nicht besonders positiv.» Dies sei umso brisanter, als ein grosser Teil des Nutzens nur dank der umstrittenen Spange Nord zustande komme. Sollte der Kanton Luzern auf den Autobahnzubringer durch die Stadt Luzern verzichten, könnte das Kosten-Nutzen-Verhältnis ins Negative fallen, glaubt Töngi. «Dann müssten auch bürgerliche Befürworter nochmals über die Bücher.» Bevor das eidgenössische Parlament das Gesamtprojekt bewilligt, brauche es einerseits Klarheit über das weitere Vorgehen in Sachen Spange Nord sowie eine saubere Kosten-Nutzen-Analyse für die Variante «Bypass ohne Spange». «Sonst baut der Bund ein Milliardenprojekt, dessen Nutzen er selber nicht beweisen kann.» Töngi lehnt auf der heutigen Grundlage sowohl Spange Nord als auch Bypass ab.

Luzerner Nationalräte wollen’s genau wissen

Wie gross der Nutzen eines Bypass ohne Spange Nord wäre, wurde vom Astra bisher nicht untersucht. Michael Töngi hat deshalb entsprechende Fragen in der nationalrätlichen Verkehrskommission gestellt. Eine Interpellation dazu hat auch seine Luzerner CVP-Kollegin Andrea Gmür bereits im Sommer eingereicht. Auch sie wollte vom Bundesrat unter anderem wissen, was ein Verzicht auf die Spange Nord für das Gesamtprojekt bedeuten würde. Der Bundesrat bleibt in seiner Antwort vage: Man prüfe «zusammen mit dem Kanton, welche Auswirkungen ein allfälliger negativer Entscheid der Luzerner Bevölkerung zur Spange Nord auf die Realisierung des Bypass Luzern haben könnte.» Die entscheidende Frage, ob der Bund den Bypass notfalls auch ohne Spange Nord realisieren würde, lässt der Bundesrat wie früher schon das Astra unbeantwortet. Andrea Gmür bedauert denn auch, dass die Antworten «eher dürftig» ausgefallen sind.

Wie sich ein Verzicht auf die Spange auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis auswirken würde, lässt sich zumindest grob abschätzen. Bei den Kosten würden sicher einmal die 200 Millionen Franken für den Bau der Nordzufahrt entfallen. Im Gegenzug würden die Staustunden in der Innenstadt weniger stark reduziert. Einen gewissen Entlastungseffekt auf das Stadtzentrum hätte der «Bypass solo» aber sehr wohl: Heute genügt etwa ein Unfall im Sonnenbergtunnel, um den ganzen Stadtverkehr lahm zu legen. Künftig würde ein solches Ereignis keinen Stau mehr verursachen, weil der Unfall einfach umfahren werden könnte.

Teure Spange Nord: Kanton soll mit Bund verhandeln

Dass ein «Bypass solo» überhaupt diskutiert wird, hat vor allem mit dem starken Widerstand der Stadt Luzern gegen die Spange Nord zu tun. Auch ein Ja der Kantonsbevölkerung zum 200-Millionen-Kredit ist zum jetzigen Zeitpunkt fraglich. Andrea Gmür bekennt sich trotz allem zum Gesamtprojekt Bypass inklusive Spange Nord. In der aktuell geplanten Form könne sie die Spange aber nicht unterstützen, betont sie. «Der Kanton wird gebeten, ein quartierverträgliches Projekt der Spange Nord vorzulegen.» «Quartierverträglich» bedeutet vermutlich aber auch «teurer». Das ist Andrea Gmür bewusst. Auch wenn die Finanzierung der Spange Nord grundsätzlich Kantonssache ist, so müsste der Kanton Luzern bei allfälligen Mehrkosten eines optimierten Projekts das Gespräch mit dem Bund suchen, findet Andrea Gmür.

Link zur Kosten-Nutzen-Analyse für den Bypass

Bypass Luzern: Der Zeitplan

Gemäss Bund soll das Gesamtsystem Bypass wie folgt realisiert werden:

  • 2026: Ausbau A2 Kriens-Hergiswil (Fahrtrichtung Süd)
  • 2026/27: Ausbau A14 Rathausen-Rotsee
  • 2026-2034: Bau des Bypass-Tunnels
  • 2032-2035: Bau 3. Röhre Rathausen-Tunnel
  • 2034/35: Neubau Anschluss Lochhof und Anbindung Spange Nord
  • 2034/35: Ausbau A2 Kriens-Hergiswil (Fahrtrichtung Nord) und Sanierung Tunnels Schlund und Spier
  • 2036/37: Sanierung Rathausen-Tunnel Röhre 1 und 2
  • 2041-2043: Sanierung Sonnenberg- und Reussporttunnel

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