Der Busbahnhof über den Gleisen ist wieder im Aufwind

Stadt Luzern, Kanton und SBB prüfen eine bisher verworfene Idee: Ein Busbahnhof über den Gleisen des Güterbahnhofs.

Robert Knobel
Hören
Drucken
Teilen
Dieser Bereich des Luzerner Güterbahnhofs könnte dereinst überdacht und als Busbahnhof genutzt werden.

Dieser Bereich des Luzerner Güterbahnhofs könnte dereinst überdacht und als Busbahnhof genutzt werden.

Bild: Pius Amrein (13. Januar 2020)

Auf dem Luzerner Bahnhofplatz geht es zuweilen chaotisch zu und her: Nonstop ein- und ausfahrende Busse; Passagiere, die auf der Suche nach dem richtigen Bus umherirren; auf viel zu kleinen Haltekanten eingezwängte Pendler mischen sich mit Touristen und Passanten.

Schon in den 90er-Jahren gab es Vorschläge, wie man diese Situation verbessern könnte. Eine Idee tauchte dabei immer wieder auf: der Bau eines neuen Busbahnhofs über den Güter-­gleisen des Luzerner Bahnhofs. Als Vorbild dient dabei der Postauto-Bahnhof in Chur. Der Vorteil dieser Lösung: ÖV-Passagiere können rasch und trockenen Fusses zwischen Zug und Bus umsteigen – und vor allem kann der Bahnhofplatz neu genutzt werden. 2013 kam die Idee politisch aufs Tapet, scheiterte aber sowohl auf kantonaler als auch auf städtischer Ebene.

Alle Optionen sollen jetzt auf den Tisch

Doch inzwischen hat der Wind gedreht. Die Kantons­regierung findet die Idee eines Busbahnhofs über den Gleisen prüfenswert. Das schreibt sie in der Antwort auf ein Postulat von VBL-Direktor und CVP-Kantonsrat Norbert Schmassmann. Ein neuer Busbahnhof werde im Rahmen der Studie «Bus 2040» geprüft, die der Verkehrsverbund Luzern (VVL) erstellt. Dass die Gleisüberdachung plötzlich wieder Aufwind erhält, hat mit dem Durchgangsbahnhof zu tun. Dieser erfordert eine ganz neue Organisation des Bahnhofs Luzern als ÖV-Drehscheibe. Wie die Verknüpfung von Bahn und Bus künftig funktionieren könnte, soll unvoreingenommen und ohne Tabus geprüft werden, findet die Regierung. So schreibt sie: «Zentrale Fragen der Stadtentwicklung rund um den Bahnhof können in einen neuen Kontext gestellt werden. Es können Lösungen entstehen, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht möglich sind.»

In dieselbe Richtung zielt auch die «Testplanung Durchgangsbahnhof», die der Luzerner Stadtrat gestartet hat. Ziel ist, die städtebaulichen Veränderungen, die mit dem Durchgangsbahnhof einhergehen, sinnvoll zu nutzen. Dabei geht es um die verkehrstechnische Organisation des ÖV-Knotens Luzern, aber auch um die Frage, was mit den frei werdenden Flächen passieren soll. Beides betrifft den Busbahnhof. «Im Zentrum steht auch die Frage, ob das Bus­regime in der heutigen Form noch möglich ist und wie der Bahnhofplatz aufgewertet werden kann», sagt Sarah Grossenbacher, Co-Leiterin Stadtplanung. Ein Busbahnhof über den Gleisen sei eine von mehreren Möglichkeiten.

Schon in 10 Jahren fallen viele Bushaltestellen weg

Ob am Ende diese oder eine andere Variante realisiert wird – klar ist, dass der Status quo keine Option mehr ist. Einerseits, weil der Bahnhofplatz an der Kapazitätsgrenze angelangt ist. Temporäre Abhilfe soll ab etwa 2022 zwar ein zweiter Doppelperron schaffen, der Platz für zusätzliche Durchgangslinien bietet. Doch ab etwa 2030 wird der östliche Teil der Bus-Haltekanten nicht mehr zur Verfügung stehen, weil dort die Baugrube für den Durchgangsbahnhof entsteht. Wo Ersatz gefunden werden kann, ist noch unklar. Der «Idealfall» wäre laut Sarah Grossenbacher, wenn die Haltestellen nicht einfach in ein Provisorium, sondern gleich definitiv an einen neuen, sinnvolleren Standort verlegt würden.

Auch von Seiten SBB gibt es positive Signale bezüglich einer Gleisüberdachung: «Wenn man eine solche Idee prüfen will, dann wäre jetzt sicher der richtige Zeitpunkt», sagte Massimo Guglielmetti, Projektleiter Durchgangsbahnhof, 2019 in unserer Zeitung.