Der langjährige CEO der Kirchgemeinde Luzern geht in Pension: «Die Kirche soll sachpolitisch sein»

15 Jahre KKL, 15 Jahre Kirchgemeinde Luzern: Mit Peter Bischof geht einer in Pension, der die Stadt Luzern auf kultureller und kirchlicher Ebene geprägt hat.

Simon Mathis
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Peter Bischof im modernisierten Eingangsbereich der Peterskapelle.

Peter Bischof im modernisierten Eingangsbereich der Peterskapelle.

Bild: Patrick Hürlimann (Luzern, 19. Februar 2020)

Als Peter Bischof 2005 zum Geschäftsführer der Kirchgemeinde Luzern ernannt wurde, horchten so einige in der Stadt auf. Es war ein Sprung für den damals 49-Jährigen. Denn zuvor war er 15 Jahre lang für das KKL tätig gewesen; im Auftrag des Zürcher Unternehmensberaters Thomas Held weibelte der Stadtluzerner in den Neunzigern für die Erstellung des neuen Kultur- und Kongresszentrums. Als es dann stand, arbeitete Bischof als Vizedirektor des Betriebs.

«Dabei zu helfen, das KKL aufzubauen, war hochspannend», erinnert sich der heute 64-Jährige. Aber irgendwann habe er es dann gesehen. «Ich wollte mir nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen, ob und wie man die Pelzmäntelchen in der Garderobe beleuchten sollte», sagt er mit einem Schmunzeln. Zu dieser Zeit stieg auch sein Interesse an der Theologie – so, dass er schliesslich ein Abendstudium absolvierte.

Zur Person

Peter Bischof ist 1955 in Luzern geboren und hat einen Grossteil seines Lebens in der Stadt verbracht. Er  hat zwei Kinder und drei Grosskinder. Der gelernte Betriebsökonom war bei Caritas tätig, war administrativer Leiter beim Luzerner Kunstmuseum und Vizedirektor  im KKL, bevor er zum Geschäftsführer der Kirchgemeinde Luzern wurde.

Kirchgemeinde steht finanziell gut da

Zur Kirchgemeinde Luzern zog es Peter Bischof aufgrund ihrer Vielfalt. Der Wechsel vom KKL zur Kirche war für Bischof «zwar kein Kulturschock, aber doch ein Kulturwandel.» Einen Kirchenverwalter hat es schon früher gegeben. Doch Bischof war der erste eigentliche Geschäftsführer – und hat als solcher die Geschicke der Kirche in der Stadt Luzern auf operativer Ebene mitgestaltet. Bischof:

«Ich sah mich immer als Vermittler und Unterstützer.»

Er habe aber auch unangenehme Entscheide fällen müssen. In den vergangenen 15 Jahren habe sich die Kirche stark verändert: «Früher war klar, was die Kirche zu tun hat. Heute ist das nicht mehr so.» Mit Peter Bischof als CEO hat sich die Kirchgemeinde vermehrt dem Wohnungsbau gewidmet, aber auch das soziale Engagement erhöht. «In den 50ern kaufte die Kirche diverse Liegenschaften, um dort neue Kirchen zu errichten», so Bischof. Dort baue man jetzt Wohnungen mit anständigen Mietpreisen. Damit könne man schon jetzt Ausfälle in der Kirchensteuer kompensieren.

Obwohl sich mehr und mehr Leute von der Kirche verabschieden – finanziell stehe die Kirchgemeinde Luzern weiterhin gut da, betont Bischof. Das sei auf die juristischen Personen zurückzuführen, die von Gesetzes wegen nicht aus der Kirche austreten können. Heisst das: Mehr Geld für weniger Gläubige? «Das ist so», sagt Bischof.

«Aber die Renovation einer Kirche sowie unsere sozialen und kulturellen Tätigkeiten, das alles kommt nicht nur Katholiken zugute.»

Auch vor politischen Themen dürfe die Kirche nicht zurückschrecken, findet Bischof. Das Problem des Klimawandels werde im Christentum schon seit längerem behandelt, einfach unter anderem Namen: Bewahrung der Schöpfung. Dass sich die Kirche für die Konzernverantwortungsinitiative einsetze, begrüsse er ebenfalls. «Die Kirche soll zwar nicht parteipolitisch, aber durchaus sachpolitisch sein», so Bischof.

«Wir setzen uns für die Benachteiligten ein. Und das ist automatisch ein Politikum.»

Er ist überzeugt: Die Kirche hat was zu sagen zu den aktuellen Sorgen der Menschen. Deshalb soll sie den Mut haben, es auch deutlich zu sagen.

Für konsequentere Umnutzungen

Politisch und gesellschaftlich hat sich die Kirche allerdings nicht nur mit Ruhm bekleckert: Man denke an den Zölibat, die Stellung der Frau, die Haltung zur Homosexualität und diverse Missbrauchsfälle. «Diese Vorfälle und Meinungen sind für unser Engagement vor Ort ärgerlich und hinderlich», sagt Bischof. Aber er habe aufgehört, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. «Ich persönlich kann daran leider nichts ändern.» Er investiere seine Energie lieber in Bereiche, in denen er etwas bewirken könne. Diese Energie soll auch im Ruhestand nicht verloren gehen. Bischof will sich weiter für christliche Anliegen einsetzen, etwa als Mitglied des Stiftungsrats Kloster Gerlisberg.

Er hätte in den vergangenen 15 Jahren durchaus noch mehr erreichen wollen, so Bischof. Als Beispiel nennt er die teilweise Umnutzung von Kirchen:

«Viele unserer Räume stehen heute häufig leer. Da wünschte ich mir mehr Mut für Veränderung.»

Als positiven Fall streicht Bischof den MaiHof heraus, in dem auch nicht-kirchliche Anlässe stattfinden.

Manches Mal habe Bischof mit der «oberkomplizierten» Organisation der Kirche gehadert. «Unsere Institution ist schon träge», sagt er. Zu Beginn sei es ihm schwergefallen, alle Anliegen und Stimmen unter einen Hut zu bringen. Aber: «Die Demokratie bringt das mit sich, und das ist natürlich gut so.» Den Wert und die Zukunft der katholischen Kirche sieht Bischof vor allem auf der lokalen Ebene:

«Wir kommen nur weiter, wenn wir vor Ort gute Arbeit mit guten Leuten machen.»

Bischofs Arbeit ist nun fast fertig; Mitte März wird er sein Büro räumen.