In Schlierbach kommt der Dorfladen zu den Kunden

Immer mehr Lebensmittelgeschäfte und Restaurants bieten jetzt Lieferservice an – unter anderem der Dorfladen in Schlierbach.

Livia Fischer
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Philipp Arnold mit zwei Mitarbeiterinnen vor seinem Dorfladen in Schlierbach.

Philipp Arnold mit zwei Mitarbeiterinnen vor seinem Dorfladen in Schlierbach.

Bild: PD

«Ihr Einkauf im Dorf stützt und sichert in dieser schwierigen Zeit nicht nur den Erhalt des Dorfladens, sondern bietet Ihnen und Ihrem Umfeld auch den besten Schutz durch einen eingeschränkten Mobilitäts-Radius in einem engen Personenumfeld», steht auf dem Flugblatt, das Anfang Woche in allen Briefkästen Schlierbachs landete. Der Absender ist Philipp Arnold. Er ist der Geschäftsführer des Dorfladens Arnold’s Daily – dem einzigen Lebensmittelgeschäft im 900-Seelendorf.

Zu Arnolds Kunden gehören viele ältere Personen. Um diese in der Notlage zu schützen, will er den Lieferservice, den er auch sonst schon anbietet, jetzt hochfahren. Risikopatienten sowie besorgte Einwohnerinnen und Einwohner können ihre Ware telefonisch bestellen, die Auslieferung erfolgt noch am gleichen Tag. Bezahlt wird Ende Monat: «Wir kennen fast alle Einwohnerinnen und Einwohner in Schlierbach, darum liefern wir unkompliziert per Rechnung.» So soll bei der Lieferung der direkte Kontakt vermieden werden – der Einkauf wird in Kühlboxen vor die Haustüre gestellt.

Junge und gesunde Leute zeigen Solidarität

Um seinen Plan umzusetzen, ist er auf freiwillige Helfer angewiesen. Innert 24 Stunden nach Verteilung des Flugblatts haben sich bereits 25 Personen bei Arnold gemeldet. Ein buntes Gemisch von Studierenden, Personen, die zurzeit nicht arbeiten können sowie Vereinsmitgliedern, die jetzt plötzlich mehr Freizeit haben.

Helfende Hände hätte es also genug, das Problem ist nur: die Nachfrage ist gering. «Viele unserer älteren Kunden nehmen das Virus auf die leichte Schulter und kommen immer noch selber in unseren Laden einkaufen. Vermutlich, weil der Feind noch unsichtbar ist», sagt Arnold. Sein Team weise darum die Risikopatienten vor Ort nochmals auf die Aktion hin.

Zu Beginn stösst der gut gemeinte Rat aber oft auf Unverständnis. «Die Betroffenen haben das Gefühl, wir wollen ihnen etwas wegnehmen. Dabei wollen wir sie nur schützen», sagt Arnold. Am Donnerstag sieht's schon anders aus: «Heute haben sich sehr viele Personen bei uns gemeldet und etwas bestellt. Unsere Bemühungen tragen langsam Früchte.» Mittlerweile wurde das Angebot auch für die Gemeinde Triengen erweitert – der Turnverein Winikon engagiert sich ehrenamtlich dafür.

Dorfladen gewinnt an Beliebtheit

Zu grossen Hamsterkäufen – oder Hamsterbestellungen – ist es im Schlierbacher Dorfladen bisher nicht gekommen. Der Anstieg bei länger haltbaren Produkten wie Konserven oder Teigwaren sei zwar spürbar, generell werde aber viel Frisches gekauft. Hauptsächlich Brot, Gemüse, Milchprodukte und Fleisch.

Besonders gefragt diese Woche: Toilettenpapier und Hefe. Vermutlich, weil diese Produkte bei einzelnen Grossisten vergriffen waren. Nicht der einzige Grund, warum zurzeit auch vermehrt auswärtige Kundschaft bei Arnold’s Daily einkauft. Arnold sagt: «Sie wollen den Menschenmassen in den grösseren Läden aus dem Weg gehen und fühlen sich bei uns auf dem Land in einem kleinen Dorfladen sicherer.»

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