Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kommentar

Der Ebikoner Gemeinderat hat das Gift-Problem unterschätzt

Das Schulhaus Höfli in Ebikon wird wegen Schadstoff-belasteter Böden im Herbst geräumt und später abgerissen. Der Gemeinderat hat in der Angelegenheit zwar vieles richtig gemacht - trotzdem stellen sich ein paar kritische Fragen.
Roman Hodel
Roman Hodel, Redaktor Ressort Stadt/Region Luzern.

Roman Hodel, Redaktor Ressort Stadt/Region Luzern.

Ebikon sorgte letzte Woche wieder einmal national für Schlagzeilen, vermutlich die ersten dieser Grössenordnung seit der Mall-Eröffnung im November. Sie waren allerdings weniger schmeichelhaft. Und sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie ein Thema plötzlich medial aufgekocht wird – und wie ein Gemeinderat in einer solchen Situation nicht nur glücklich agiert – obwohl er vieles richtig gemacht hat.

Denn die News, dass im Schulhaus mit Naphthalin ein womöglich krebserregender Schadstoff aus den Böden austritt, ist eigentlich alt. Der Gemeinderat hatte Lehrer, Eltern und die Öffentlichkeit bereits Mitte Juni über das Problem informiert. Bloss berichteten nur regionale Medien darüber.

Man erfuhr damals, dass die Böden im Schulhaus zwischen 2008 und 2014 saniert wurden, deren neue Versiegelung jedoch schwächer ausfiel als bislang – deshalb der plötzlich üble Geruch. Man erfuhr weiter, dass Ende 2016 bei der Gemeinde erste entsprechende Beschwerden eingegangen waren, dass man im Frühling 2017 erste Luftmessungen vornahm und später Fachspezialisten zuzog. Es zeigte sich, dass die Naphthalin-Konzentration in einigen Schulzimmern knapp über dem WHO-Wert von 0,01 Milligramm pro Kubikmeter lag. Der Gemeinderat betonte aber, dass dies weit unter dem Arbeitsplatzgrenzwert von 2 Milligramm liege.

Gleichwohl präsentierte der Gemeinderat am selben Tag Massnahmen: Weil vermehrtes Lüften und Luftreinigungsgeräte nicht ausgereicht hätten, kündigte er mechanische Lüftungsanlagen an, die in den Schulzimmern nun während der Sommerferien installiert werden. Im Herbst wolle er den Unterricht dann in temporäre Schulbauten auslagern. Und: Mittelfristig solle das über 55-jährige «Höfli» totalsaniert oder gar neu gebaut werden.

21 Mal höher als der WHO-Bericht

Dass man drei Wochen später auch im hintersten Thurgau darüber Bescheid weiss, liegt am «Blick». Dieser titelte am vergangenen Freitag: «Gift-Alarm an Primarschule.» Push-Mitteilung inklusive. Eine Mutter klagte im Artikel, ihr Kind leide wegen des «Gifts» täglich an Kopfschmerzen. Weiter zitierte die Zeitung einen «Schock-Bericht» eines Messinstituts, wonach die Naphthalin-Konzentration bis zu 0,21 Milligramm pro Kubikmeter betrage – also 21 Mal höher als der WHO-Wert. Der Bericht wurde notabene von der Gemeinde in Auftrag gegeben.

Aus den Böden strömen giftige Dämpfe. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 6. Juli 2018))

Aus den Böden strömen giftige Dämpfe. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 6. Juli 2018))

Noch am selben Morgen lud der Gemeinderat zu einer Medienkonferenz für den Nachmittag. Man erfuhr dort mehr oder weniger das Gleiche wie drei Wochen zuvor. Mit einem Unterschied: Das Schulhaus soll nun definitiv abgerissen werden. Hauptsächlich aber zeigte sich die Exekutive empört über die «Schlammschlacht». So sei der hohe Wert, welcher in dem «tendenziösen» Boulevard-Artikel genannt werde, zwar korrekt, aber in einem Raum gemessen worden, der zuvor während 15 Stunden nicht mehr gelüftet worden sei – ein Zustand, den es im normalen Schulbetrieb gar nicht gebe. Man erfuhr ausserdem, dass tatsächlich zwei Kinder krankgeschrieben seien, doch ob dies mit der erhöhten Naphthalin-Konzentration zusammenhänge, sei nicht erwiesen.

Zugute halten kann man dem Gemeinderat, dass er am Freitag umgehend reagiert und eine Medienkonferenz einberufen hat. Ein Befreiungsschlag sieht jedoch anders aus. Mit ihren zahlreichen Dementi und den markigen Worten Richtung «Blick» hat die Exekutive vor allem aus der Defensive agiert. Denn es stellen sich schon ein paar kritische Fragen: Warum zum Beispiel wurden erst im Frühling 2017 erste Messungen durchgeführt, wenn doch die ersten Meldungen über unangenehme Gerüche bereits Ende 2016 eingegangen waren? Warum dauerte es danach nochmals ein Jahr, bis die umfangreichen Messdaten vorlagen und der Gemeinderat Massnahmen ergreifen konnte? Wobei die Hochleistungslüftungen – Kostenpunkt 100000 Franken – ja gerade mal während zwei, drei Monaten im Einsatz sein werden, sofern die Schüler im Herbst in die temporären Schulbauten umziehen können.

Fingerspitzengefühl darf man erwarten

Zugegeben, der Gemeinderat befindet sich in einem Dilemma. Richtigerweise steht für ihn die Gesundheit von Kindern und Lehrern an erster Stelle. Gleichzeitig kann er aufgrund von vereinzelten Beschwerden schlecht ein ganzes Schulhaus auf Vorrat schliessen und Ersatz aus dem Hut zaubern, vor allem wenn Experten die Messwerte grundsätzlich für vertretbar halten. Aber Fingerspitzengefühl darf man durchaus erwarten. Zumal es in der Region mit dem Schulhaus Staffeln in Reussbühl bereits Anschauungsunterricht in ähnlicher Angelegenheit gibt. Auch dort wurden die Schadstoff-Grenzwerte zwar eingehalten, doch Klagen von Schülern häuften sich. Zuerst reagierte die Stadt Luzern mit örtlichen Sanierungen. Doch am Ende entschied sie sich für den Abriss.

Man wird den Eindruck nicht los, dass der Ebikoner Gemeinderat sich seiner Sache selber nicht sicher ist – und das Ganze unterschätzt hat. Einerseits betont er, dass die Naphthalin-Konzentration nicht gesundheitsschädigend sei – andrerseits stellte die Schulleitung auf dem Gang Tische für jene Schüler bereit, die die Räume nicht mehr betreten wollen. Ja sie duldete sogar, wenn Kinder der Schule deswegen fernbleiben. Solche Zustände müssten eigentlich Indiz genug sein, dass ein Weiterbetrieb des Schulhauses kaum mehr Sinn macht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.