Interview

Der ehemalige KKL-Präsident blickt zurück: «Ich habe nie am Erfolg gezweifelt»

Peter Mendler (67) hat die Geschicke des KKL Luzern stark geprägt. Nach seinem Rücktritt aus dem Verwaltungsrat blickt er zurück auf Erfolge und auch weniger erfreuliche Ereignisse.

Interview: Hugo Bischof
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Peter Mendler (67) auf der Dachterrasse des KKL. (Bilder: Nadia Schärli, Luzern, 7. Juni 2019)

Peter Mendler (67) auf der Dachterrasse des KKL. (Bilder: Nadia Schärli, Luzern, 7. Juni 2019)

Peter Mendler war seit 2003 Mitglied des KKL-Verwaltungsrats. 2015 wurde er Verwaltungsratspräsident der KKL Luzern Management AG. Dieses Amt übergab er im Mai an Felix Howald. Im Interview mit unserer Zeitung blickt Mendler auf seine Zeit beim Kultur- und Kongresszentrum zurück.

Sie sind Unternehmensberater. War das KKL Luzern für Sie ein Unternehmen wie viele andere?

Peter Mendler: Nein, das KKL Luzern habe ich immer als etwas Besonderes empfunden. Es ist der Stolz der Luzernerinnen und Luzerner, strahlt weit über die Landesgrenzen hinaus und stellt – als Kultur- und Kongresshaus mit jährlich mehr als 500000 Gästen – hohe Ansprüche an die Mitarbeitenden und die Führung.

Wenn Sie über das KKL sprechen, kommt es einem vor, dass Sie eine Art Liebesgeschichte mit dem Haus verbindet. Wie hat alles begonnen?

Kann man nicht ins KKL Luzern verliebt sein? Ich kann mir das nicht vorstellen. Es begann, wenn ich mich recht erinnere, 2002 mit einem Beratungsauftrag, ausgelöst durch eine finanziell schwierige Situation des KKL. Gefragt waren eine schlüssige Unternehmensstrategie und ein nachhaltiges Finanzierungskonzept.

War es von Anfang an klar, dass das KKL eine Erfolgsgeschichte wird?

Vielleicht tönt es überheblich: mir schon. Das Haus ist ein einmaliger architektonischer Wurf, kompromisslos umgesetzt, an schönster Lage am See, mit einem der akustisch besten Konzertsäle der Welt, ambitionierten Veranstaltungspartnern und einer Bevölkerung, die von Beginn weg mit Begeisterung dahinter steht. Was kann da noch schiefgehen? Natürlich ist das KKL Luzern kein Selbstläufer. Es braucht jeden Tag den engagierten Einsatz aller Mitarbeitenden und die enge Zusammenarbeit mit den Partnern.

Was waren die entscheidenden Faktoren, dass ein so grosses Projekt in einer kleinen Stadt wie Luzern möglich wurde?

Der Mut und die Überzeugungskraft der Initiantinnen und Initianten, der Pionierpersönlichkeiten, denen es gelang, die Bevölkerung für ihre ambitiöse Vision zu begeistern, sie von dessen Attraktivität für Luzern, für die ganze Zentralschweiz zu überzeugen.

«Jean Nouvel ist ein grosser Inspirator, der immer die Perfektion sucht.»

Welche Rolle spielte Architekt Jean Nouvel?

Jean Nouvel ist ein grosser Inspirator, der immer die Perfektion sucht. Mit seinem architektonischen Entwurf konnte er die Entscheidungsorgane überzeugen, ja begeistern. Mit seiner kompromisslosen Haltung in der Umsetzung hat er – unterstützt durch die projektverantwortlichen Vertreter der Bauherrschaft – dafür gesorgt, dass sein architektonischer Wurf ohne Abstriche realisiert worden ist. Dafür zolle ich ihm und den Projektverantwortlichen grössten Respekt.

Nouvel hatte im Architekturwettbewerb zuerst ein völlig anderes Projekt eingereicht – ein Gebäude, das wie ein Riesendampfer in den See hineingeragt wäre. Wäre das nicht auch reizvoll gewesen?

Sicher schon. Doch die realisierte Lösung – statt ins Wasser zu bauen, das Wasser in das Gebäude hinein zu holen – war eine geniale Idee, welche das KKL Luzern und vor allem das Erlebnis im Haus so speziell macht.

Gab es Rückschläge, Momente, in denen Sie am Erfolg zweifelten?

Rückschlage gab es immer wieder und wird es auch in Zukunft wieder geben. Am Erfolg des KKL Luzern liess mich dies jedoch nie zweifeln. Das KKL Luzern ist nach 20 Jahren international hervorragend positioniert und verfügt heute über die gleichen Assets wie zu Beginn; mit konsequenter Arbeit, immer wieder neuen Ideen und vor allem mit Begeisterung kann die Erfolgsgeschichte weiter geschrieben werden.

Das KKL kostete 226,5 Millionen Franken, 32,5 Millionen mehr als geplant. Was waren die Gründe?

Im Detail kann ich diese Frage nicht beantworten, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Verantwortung stand. Ich bin aber überzeugt, dass die damals Verantwortlichen richtig entschieden haben, können wir doch heute in Luzern mit einem auch international herausragenden, einzigartigen Kultur- und Kongresshaus glänzen, das uns in jeder Hinsicht auch in Zukunft noch viel Freude bereiten wird.

Später kam die Geschichte mit dem lecken KKL-Dach, das für sehr viel Geld repariert werden musste. Letztlich kostete die Dachkorrektur 12,1 Millionen Franken. Das muss Sie geschmerzt haben?

Natürlich, dieser unerwartete Vorfall war für uns alle unangenehm und stellte uns vor Herausforderungen. Diese haben wir angenommen und auch bewältigt. Das Dach ist saniert.

Der Totalunternehmer musste nach einem mehrjährigen Rechtsstreit nur 1,65 Millionen Franken der Kosten für die Dachkorrektur übernehmen. Die meisten Forderungen der KKL-Führung seien verjährt, urteilte das Schiedsgericht. Hatte man zu spät reagiert?

Diese Frage ist berechtigt und wurde auch intern intensiv diskutiert. Ausschlaggebend war, dass wir unsererseits das Dach als Gesamtwerk betrachtet und dies auch terminlich so verfolgt haben. Das Schiedsgericht hingegen gliederte das Dach in Teilwerke und kam dementsprechend zu anderen terminlichen Schlüssen. Als Lehre aus diesem unangenehmen, kostspieligen Vorgang haben wir die Abnahmeprozesse für grössere Infrastrukturprojekte überarbeitet und das diesbezügliche Controlling gestrafft.

Architekt Nouvel soll sehr zurückhaltend, sogar pingelig sein, wenn es um die Bewilligung von kleinen Eingriffen am Haus geht. Können Sie das bestätigen?

Es ist aus meiner Sicht eine grosse Stärke von Jean Nouvel, dass er auch den Details grosse Beachtung schenkt, denn auch die Gestaltung der Details trägt entscheidend zur Gesamtästhetik des Gebäudes bei.

Da ist es fast eine Sensation, dass Nouvel die geplante Öffnung der Fassade des World Café Richtung Europaplatz jetzt bewilligt hat. Wie konnte man ihn überzeugen?

Jean Nouvel unterstützt unsere Erkenntnis, dass es betrieblich und für die Gäste von grossem Vorteil ist, wenn unser Restaurant World Café in Richtung See geöffnet werden kann. Nun sind wir alle sehr gespannt auf die konkrete Lösung, die von Nouvel derzeit erarbeitet wird.

Wie häufig besucht Nouvel das KKL? Was bedeutet es ihm?

Jean Nouvel ist regelmässig in Luzern. Wann immer er uns im KKL besucht, bringt er seine Freude über den tollen Zustand des Gebäudes und die vielfältigen Aktivitäten darin zum Ausdruck. Er ist stolz darauf, dass das von ihm entworfene Gebäude so gut unterhalten wird und auch nach 20 Jahren noch wie neu erscheint.

«Die Stadt ist sich bewusst, dass ihr Beitrag für das KKL gut investiert ist.»

Bis 2018 zahlte die öffentliche Hand jährlich 4,6 Millionen Franken an den Unterhalt des Hauses. Ab 2019 erhöhte sich dieser Betrag auf 5,1 Millionen Franken. Davon übernehmen die Stadt 4,6 Millionen und der Kanton unverändert 0,5 Millionen Franken. War es schwierig, die Stadt von der Notwendigkeit dieses Beitrags zu überzeugen?

Nein. Die Stadt ist sich bewusst, dass ihr Beitrag gut investiert ist. Das KKL mit seiner internationalen Ausstrahlung trägt viel zur Attraktivität und zum ausgezeichneten Ruf von Luzern bei. Darüber hinaus generiert es jährlich eine Wertschöpfung von circa 70 Millionen Franken und die Veranstalter liefern circa 3 Millionen Franken Billettsteuern ab, welche zur Unterstützung vieler lokaler Kultur- und Sportaktivitäten eingesetzt werden.

Sie waren 2010 Projektverantwortlicher der Fusion Luzern/Littau. 2015 engagierte die Stadt Sie als externen Projektleiter des Sparpakets «Haushalt im Gleichgewicht». Sind Sie der Mann für besonders anspruchsvolle Projekte?

Anspruchsvolle Projekte, in denen die Interessen der verschiedensten Anspruchsgruppen unter einen Hut gebracht werden müssen, um ein gestecktes Ziel zu erreichen, haben mich immer gereizt. Es ist eine tolle Erfahrung, im Team mit anderen Menschen ambitiöse Herausforderungen anzugehen und dann gemeinsam zu meistern.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Als Mitglied des Stiftungsrates des Luzerner Theaters engagiere ich mich zur Zeit im Projekt für das Neue Luzerner Theater. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass wir in Luzern ein neues Theater brauchen. Es ist spannend, in einem engagierten Team, zusammen mit der öffentlichen Hand, diese Vision zu konkretisieren und die Entscheider von der Notwendigkeit zu überzeugen.

In welcher Art werden Sie dem KKL weiter verbunden bleiben?

Alte Liebe rostet nicht. Ich werde im KKL Luzern mit meiner Frau und Freunden weiterhin regelmässig Konzerte und andere Veranstaltungen geniessen und in den verschiedenen Restaurants meine kulinarischen Gelüste stillen. Auch als Mitglied des Club of Lucerne bleibe ich dem KKL Luzern eng verbunden.

Zur Person: Peter Mendler ist 67-jährig, verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er ist ausgebildeter Betriebsökonom und Mediator. Von 1992 bis 2017 war er Managing Partner (Teilhaber) und Geschäftsführer einer mittelgrossen Unternehmensberatungsfirma in Wollerau und Zürich. Seither ist er als selbstständiger Unternehmensberater und Mediator tätig. Er ist aktiv in diversen Verwaltungs- und Stiftungsräten, etwa in der der Stiftung Luzerner Theater.

KKL Luzern erhält zusätzliche Eingänge

Das Kultur- und Kongresszentrum will sich gastronomisch stärker positionieren und Richtung Stadt öffnen. Beim World Café entstehen auf der Vorderseite deshalb zusätzliche Ein- und Ausgänge. KKL-Architekt Nouvel hat dazu sein Einverständnis gegeben.
Hugo Bischof