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Der Fahrdienst des Roten Kreuzes in Luzern wird 50 – und hilft immer mehr Personen

Der Fahrdienst des SRK besteht im Kanton Luzern seit 50 Jahren. Davon abhängig sind Menschen mit Demenz oder auch Behinderte, wie das Beispiel der 33-jährigen Andrea Zihlmann zeigt.
Niels Jost
Alois Sidler (75) fährt Andrea Zihlmann (33) seit rund sechs Jahren montags und freitags zur Arbeit. (Bild: Roger Grütter, Luzern 6. November 2018)

Alois Sidler (75) fährt Andrea Zihlmann (33) seit rund sechs Jahren montags und freitags zur Arbeit. (Bild: Roger Grütter, Luzern 6. November 2018)

7.25 Uhr, Schwarzenberg: Andrea Zihlmann ist bereit für die Arbeit. In ihrem Zuhause in Schwarzenberg wartet die 33-Jährige auf Alois Sidler, der sie bald mit seinem Auto abholen wird.

«Wie praktisch», mag man meinen, direkt vor der eigenen Haustüre abgeholt zu werden. Doch Andrea Zihlmann hat keine Wahl: Sie würde liebend gern selbstständig in die Stadt Luzern fahren. Seit Geburt an leidet sie aber an Spina bifida, einer Fehlbildung der Wirbelsäule, ist auf den Rollstuhl angewiesen. Den ÖV kann Zihlmann kaum nutzen – zu weit der Weg von ihrem Zuhause, rund 3,5 Kilometer vom Schwarzenberger Dorfkern, zur nächstgelegenen Haltestelle. Ohnehin wären die Verbindungen zu schlecht, sagt Zihlmann.

160 freiwillige Fahrer unterwegs

7.30 Uhr. Pünktlich erscheint Alois Sidler mit seinem Privatauto vor dem Haus. Gemeinsam mit Zihlmanns Vater hilft der 75-Jährige ihr, ins Auto zu steigen. Der pensionierte Metzger aus Kriens ist schon seit elf Jahren für den Fahrdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Kanton Luzern als freiwilliger Fahrer unterwegs. Und seit gut sechs Jahren holt er Andrea Zihlmann jeden Montag und Freitag von Zuhause ab, fährt sie zur Arbeit zur Stiftung Rotdegg nach Luzern, und bringt sie am Abend wieder zurück. Auch dann, wenn Schnee auf den kurvigen Strassen liegt. «Er ist ein sehr guter Fahrer – Allradantrieb sei Dank», lobt Zihlmann. An den anderen Wochentagen holt und bringt sie jeweils ein anderer der rund 160 freiwilligen SRK-Fahrer. Mit «Wisu» fahre sie aber am liebsten.

7.45 Uhr. Im grauen Skoda wird geplaudert, gelacht und Ländlermusik gehört. Der 75-jährige Sidler und die 33-jährige Zihlmann verstehen sich prächtig. «Mittlerweile ist eine wahre Freundschaft entstanden», so Sidler. Zihlmann betont derweil auf dem Beifahrersitz, wie dankbar sie für die Unterstützung ist. Ohne das SRK und Freiwillige wie Alois Sidler könnte die IV-Bezügerin womöglich nicht Vollzeit in einem Büro arbeiten oder sich mal spontan mit Freunden treffen. Das Angebot, das kostenpflichtig ist, gebe ihr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, so Zihlmann.

«Wollte der Gesellschaft etwas zurückgeben»

8.00 Uhr. Ankunft in Luzern. Sidler hilft Zihlmann beim Aussteigen, die Handgriffe sitzen. Auf den SRK-Fahrdienst sei er durch ein Zeitungsinserat aufmerksam geworden. «Ich war mein Leben lang gesund und wollte den Menschen, die nicht dasselbe Glück haben, und der Gesellschaft etwas zurückgeben», sagt er. Mittlerweile macht Sidler für das SRK bis zu einem Dutzend Fahrten pro Tag. «Das Engagement gibt mir Struktur im Alltag. Und die Personen, die ich chauffieren darf, geben mir ex-trem viel zurück.»

8.05 Uhr: «Tschüss und bis später.» Andrea Zihlmann fährt mit dem Rollstuhl die letzten Meter in ihr Büro, Alois Sidler zum nächsten Kunden des SRK. In gut acht Stunden treffen sie sich wieder – und fahren zurück nach Schwarzenberg

«Die Nachfrage nimmt zu»

Den Fahrdienst des SRK Kanton Luzern gibt es seit 1968. Was mit einer Frau aus dem Vorstand und ihrem Auto begann, ist heute eine etablierte Stütze für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und den ÖV nicht benutzen können. Seien es Kinder, Erwachsene oder ältere Menschen.

Die rund 160 freiwilligen Fahrer – mehrheitlich Frühpensionierte und zu zwei Dritteln Männer – leisteten letztes Jahr 37454 Fahrten und total 653970 Kilometer. «Die Nachfrage nimmt stetig zu», sagt Marketingleiterin Beatrice Gille. Das Angebot ist vor allem in den Regionen Luzern, Sursee, Hitzkirch und Willisau etabliert. «Der Radius vergrössert sich stetig. Unser Ziel ist es, die Dienstleistung im ganzen Kanton anzubieten.»

Pro Weg wird eine Pauschale von 8 Franken erhoben, der Kilometer kostet 80 Rappen, bei Einzelfahrten über 15 Kilometer sind es 1.60 Franken; Tixi-Taxi-Bons werden akzeptiert. Die Fahrer nutzen ihr Privatauto, erhalten eine Spesenentschädigung und können an Weiterbildungen sowie geselligen Anlässen teilnehmen. (jon)

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