Interview
«Der Festivalmarkt bricht international zusammen» – Blue-Balls-Chef Urs Leierer erklärt, warum das Festival abgesagt wurde

Wie gross ist der finanzielle Schaden? Was passiert mit den Künstlerverträgen? Wir sprachen mit Urs Leierer, dem Leiter des Blue Balls Festivals Luzern.

Hugo Bischof
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Blue-Balls-Leiter Urs Leierer.

Blue-Balls-Leiter Urs Leierer.

Bild: Corinne Glanzmann

Was hat letztlich zur Absage des Blue Balls Festivals geführt? Der Bundesrat hat sich am Donnerstag zur möglichen Durchführung von Konzerten im Sommer noch nicht geäussert.

Wir brauchen endlich Klarheit, wie es weiter geht. Wir sind sehr enttäuscht, dass der Bundesrat sich nicht klar äusserte. Falls er das getan hätte, hätten wir klare Rechtsgrundlagen gehabt. Deutschland hat alle Grossveranstaltungen bis Ende August abgesagt. Der Festivalmarkt bricht international zusammen. Wir haben, wie auch das Paléo-Festival, entschieden, unsere Veranstaltung abzusagen. Ich bin überzeugt, auch andere werden folgen.

Was heisst das nun konkret? Werden alle Verträge mit den teilnehmenden Künstlern gekündigt? Oder werden Sie versuchen, die Verträge auf das kommende Jahr zu übertragen und so das Blue Balls Festival 2021 mit dem gleichen Line-Up durchzuführen, wie 2020 geplant?

Wir werden mit allen Artisten das Gespräch suchen. Natürlich wäre es schön, wenn einige der verpflichteten Künstler 2021 mitmachen könnten. Wir sitzen alle im gleichen Boot, Veranstalter und Künstler. Nur gemeinsam können wir die Krise meistern.

Falls die Verträge gekündigt werden müssen, was hat das für finanzielle Folgen? Kann man einen solchen Gross-Event versichern?

Nein, das ist unmöglich, im Falle einer Pandemie ohnehin nicht. Es geht jetzt mal darum, die ganzen Vorbereitungsarbeiten runterzufahren, was mit einem immensen Aufwand verbunden ist. Wir haben rund 150 Vertragspartner, davon etwa 100 Künstler. Dazu gehören auch bildende Künstler. Alles war aufgegleist, wir waren bereit. Am 23. April wollten wir unsere Medienkonferenz durchführen.

Wie gross ist der unmittelbare finanzielle Schaden?

Das ist schwierig zu sagen, er beläuft sich aber sicher mal auf eine halbe Million Franken. Wie gesagt, wir arbeiten seit Anfang Oktober 2019 für die Ausgabe 2020. Wir haben Personalkosten, Mietkosten und so weiter.

Wer kommt für den Schaden auf? Werden Sie beim Bund Ausfallentschädigungen beantragen?

Ja, wir müssen beim Kanton ein Gesuch einreichen. Es sind ja die Kantone, welche die Gelder verteilen, die der Bund ihnen dafür zur Verfügung stellt.

Warum haben Sie in letzter Minute noch einen Topstar wie James Blunt engagiert? War das nicht etwas blauäugig?

Die Verpflichtung von James Blunt ist schon vor Monaten erfolgt. Es ist, gerade bei solchen Topstars, vertraglich festgelegt, wann das Engagement offiziell bekannt gegeben werden darf. Aber wie gesagt, möglicherweise ist er ja nächstes Jahr dabei.

Was bedeutet die Absage für Sie persönlich?

Mir geht es gut. Ich laufe immer zu Höchstform auf, wenn es gilt, schwierige Situationen zu meistern. Aber natürlich, das Ganze ist eine ganz schwierige Ausnahmesituation, für das Publikum, die Künstler und auch für uns.

Werden Sie im kommenden Jahr noch dabei sein? Sie haben immer durchblicken lassen, dass Sie die Leitung gerne in neue Hände übergeben möchten – via die Trägerstiftung, die nach der Absage der Stadt nun nicht zustande kommt.

Ich bin nicht der Kapitän, der das Schiff verlässt, bevor es wieder in ruhigem Gewässer fährt. Aber ich kann nur das Datum des kommenden Festivals nennen: 23. bis 31. Juli 2021. Blue Balls forever!