Der Garten gab ihr wieder Kraft

Gartenarbeit entspannt und hat ausgleichende Wirkung. Im Fall der 79-jährigen Margrit Scherzinger half sie sogar über eine schwere Krankheit hinweg.

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Margrit Scherzinger in ihrem Garten in Neuenkirch. (Bild: Philipp Schmidli  / Neue LZ)

Margrit Scherzinger in ihrem Garten in Neuenkirch. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Faustdick war er, der Tumor am Hals von Margrit Scherzinger. «Vor zwölf Jahren erkrankte ich an Lymphdrüsen- und Zungenkrebs. Ich befand mich nahe am Tod», erzählt die 79-jährige Neuenkircherin. Sie sitzt auf der Terrasse des Hauses, das sie mit Ehemann Ruedi seit dem Jahr 1996 bewohnt. Vor ihr steht ein Glas mit kaltem Tee, einer Mischung aus Pfefferminze und Steviakraut.

Beide Pflanzen befinden sich in ihrem Garten, der sich rund um das Gebäude erstreckt. Um den Kampf gegen den Krebs zu gewinnen, habe sie viel gefastet, gebetet und meditiert. Letztlich war für die Genesung sogar eine Bestrahlung nötig geworden, die Nebenwirkungen spürt sie noch heute. Kraft zog sie stets auch aus ihrem Garten. «Er hat mir über die schwere Krankheit hinweggeholfen», sagt sie.

Viel Fantasie und etwas Exotik

Es gebe im Sommer keinen Tag, an dem sie nicht in ihrem Garten arbeite. «Drei, vier Stunden lang, manchmal mehr. Das macht mir Freude, in diesen Momenten bin ich voll in der Gegenwart und denke nicht an Probleme. Ich kann meine Kreativität und Fantasie ausleben», erzählt Margrit Scherzinger, die vor dem Wegzug nach Neuenkirch in der Stadt Luzern lebte. Dort hatte sie keinen eigenen Garten, war dafür während 25 Jahren für den eines Künstlers zuständig.

Neben den vielen farbigen Zierblumen finden sich auf ihrem Grundstück in Neuenkirch auch Gemüse, Kräuter, Gewürzpflanzen, Salate, schwarze Johannisbeeren, Brombeeren und Stachelbeeren. Etwas Exotik versprühen die Kakteen oder die Staude mit den Melonenbirnen, einer Frucht, die ihre Wurzeln in Südamerika hat. Oder das chinesische Unsterblichkeitskraut, das sich gut einem Salat beifügen lasse – ebenso wie Kornblumen, Ringelblumen und Kapuzinerblüten. «Ich pflanze gerne auch Sorten an, die nicht so bekannt sind», sagt Margrit Scherzinger. Neu versucht sie sich mit einer kleinen Pilzzucht. Sorgen bereitet ihr lediglich der Magnolienbaum. «Er ist krank. Ihm setzt wohl die Hitze zu», vermutet sie.

Für Sommerreisen bleibt keine Zeit

Die Gartenarbeit ist vielfältig. Margrit Scherzinger giesst Wasser, pflegt den Buchsbaum, geht mit einem Insektizid gegen den Dickmaulrüssler vor («sonst verwende ich kein Gift»), setzt Pflanzen oder schneidet sie zurück.

Letzteres liegt ihr besonders gut, da sie als ehemalige Coiffeuse den Umgang mit der Schere gewohnt ist. Das einzige Zugeständnis, das sie machen muss, ist der Verzicht auf eine Reise im Sommer. «Vor dem Oktober kommt das nicht in Frage, diese Gartenarbeit könnte man während unserer Abwesenheit niemandem zumuten. So gesehen, sind wir etwas die Sklaven unseres Gartens», sagt sie mit einem Schmunzeln.
Ihr Mann Ruedi ist für das Mähen des Rasens und das Stutzen der Thuja-Hecke zuständig. Zudem hat der gebürtige Schwarzwälder ein grosses Flair für Schnitzereien. «Meistens habe ich die Idee und zeichne diese auf. Mein Mann setzt sie dann um», erzählt Margrit Scherzinger.

Besonders eindrücklich: die Blümchen-Schnitzerei an einem Baumstamm, gleich am Eingang zum Garten. Etwas weiter steht ein erworbenes Kunststück, eine bronzene Figur, die einen Flötisten in Lebensgrösse darstellt. Sein Name: Carissimo, übersetzt: Liebster.

Der Garten als kleines Paradies

Die Liebe ist dabei allgegenwärtig im Garten von Margrit Scherzinger. Immer wieder finden sich in Holz geschnitzte oder in Stein gemeisselte Zitate wie «Liebe versetzt Berge», «Herzenswärme ist noch immer die zuverlässigste Energiequelle» oder «Die Blumen des Frühlings sind die Träume des Winters». Margrit Scherzinger erklärt dies so: «Die Menschen sind zu schlimmen Dingen fähig. Ich versuche hier, mein kleines Paradies zu schaffen. Täten dies alle Menschen, wäre irgendwann die Welt das Paradies.»

 

Stephan Santschi