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Der Geburtshelfer der PH Luzern tritt nach 16 Jahren ab

Michael Zutavern hat die PH Luzern geprägt wie fast kein anderer. Er war von Anfang an mit dabei: Von der «grünen Wiese» bis zum Uni-Gebäude. Auch inhaltlich hat sich in den 16 Jahren vieles geändert.
Yasmin Kunz
Er hat die PH Luzern während 16 Jahre geprägt: Michael Zutavern im Lernlabor der PH Luzern. (Bild: Roger Grütter; Luzern 27. August 2018)

Er hat die PH Luzern während 16 Jahre geprägt: Michael Zutavern im Lernlabor der PH Luzern. (Bild: Roger Grütter; Luzern 27. August 2018)

Nach 16 Jahren war gestern der letzte Arbeitstag von Michael Zutavern als stellvertretender Rektor der Pädagogischen Hochschule Luzern. «Ich bin traurig», sagt er, kann sich ein Lachen jedoch nicht verkneifen. «Natürlich freue ich mich auch auf die Zeit, die jetzt kommen wird, dennoch werde ich einiges vermissen.» Wir treffen den 65-Jährigen im Lernlabor, «einer Einrichtung, an der die Ausrichtung der Hochschule auf Lernförderung gut sichtbar wird», wie er sagt. Das Labor bietet in verschiedenen Bereichen der Naturwissenschaften sogenannte Lern-, Experimentier- und Forschungsboxen an. Es richtet sich an Schüler – aber nicht nur. Denn dieses Projekt ist zugleich «ein optimales Lernfeld für die Studenten», sagt Zutavern, der für die Ausbildung der angehenden Lehrer zuständig war.

Die Studenten sind es nämlich, die mit ihren Dozenten die Lerninhalte aufbereiten und die Schüler betreuen. «Dieses Labor ist beispielhaft für das Lernen», so Zutavern. Die Kinder werden hier zu Forschenden. Und die Lehrpersonen schlüpfen in die Rolle der Beobachtenden. Will heissen: Während die Schüler meist in Gruppen arbeiten, kann die Lehrperson durch Beobachten oder Erfragen erfahren, wo ihre Schüler stehen. «Eine Eigenschaft, die für Lehrer unabdingbar ist, zumal die Heterogenität in den Schulklassen gross ist.»

Professionelles Beobachten ist zentral

Für Zutavern ist das professionelle Beobachten darum auch ein zentrales Element in der Ausbildung: «Nur weil die Kinder in derselben Klasse sind, heisst es nicht, dass sie geistig und sozial auf dem gleichen Niveau sind.» Das Labor biete die geeigneten Rahmenbedingungen, um das Wissen, die Fertigkeiten und die Haltung von Schülern zu beobachten und daraus den weiteren Unterricht zu planen. Mit Haltung meint er unter anderem den Umgang mit anderen Kindern oder auch mit dem Material. «Diese drei Komponenten ergeben letztlich die Kompetenzen, welche mit der Lehrplan 21 an Bedeutung gewonnen hat.»

Ferner hat sich der Professor, wie der von der PH extra für ihn erstellten Wikipedia-Eintrag besagt, mit dem Ethos von Lehrerinnen und Lehrer beschäftigt. Auch die moralische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen begleitet ihn seit seiner Studienzeit. «Die Selbstkontrolle durch das berufliche Ethos der Lehrpersonen schützt die Kinder und fordert fürsorgliches und gerechtes Verhalten. Gleichzeitig bedarf es dafür Wissen über die Entwicklungsphasen des moralischen Urteilens der Kinder und Jugendlichen.» Zutavern macht ein Beispiel: «Gerechtigkeit hat bei jüngeren Kindern eine grosse Bedeutung. Ihnen fällt beispielsweise sofort auf, wenn nicht alle gleich behandelt werden und dann finden sie das ungerecht. Das ist in einer gewissen Entwicklungsphase völlig normal.» Wichtig sei, dass Lehrpersonen über solche Entwicklungsschritte Bescheid wüssten und lernen würden, adäquat darauf zu reagieren. «Dazu muss sie die Situation auch durch Kinderaugen sehen.»

Zuweilen wird behauptet, dass Ethos nicht gelehrt werden kann. Entweder man verfügt über dieses Sensorium oder nicht. Zutavern widerspricht: «Wie man sich berufliches Wissen aneignen kann, kann man sich auch Berufsethos aneignen. Wir kommen auch nicht mit einem fertigen Charakter auf die Welt, der formt sich im Laufe der Zeit.»

PH Luzern innert 1,5 Jahren aufgebaut

Seit ihrem Start hat die PH Luzern schon tausende Lehrpersonen ausgebildet. 2003 startete der erste Studiengang, nur eineinhalb Jahre zuvor «standen wir eigentlich auf einer grünen Wiese», so Michael Zutavern.

In jener Zeit habe man dann das Konzept für die Ausbildung erarbeitet. Vom Studienaufbau über die Vernetzung in den hiesigen Schulen bis hin zu der Suche von geeigneten Dozenten. «Das war eine intensive Zeit», erinnert er sich. Die PH konnte sich gemäss Zutavern schnell etablieren. Das sei der professionellen, engagierten Arbeit der Fachteams der Hochschule, aber auch den beteiligten Kantonen zu verdanken, die gute Vorarbeit geleistet haben. Ebenso der Volksschule, die sich der neuen Ausbildungsstätte von Anfang an geöffnet und sie unterstützt habe, bilanziert der Professor.

«Dann bin ich ein richtiger Lozärner»

Der stellvertretende Rektor war vor dem Aufbau der PH Luzern (bis 2013 noch Pädagogische Hochschule Zentralschweiz Luzern) an der Pädagogischen Hochschule in St. Gallen in der Seklehrer-Ausbildung und in der Lernforschung tätig. «Als man mich dann fragte, ob Interesse bestünde, mein Wissen in Luzern einzubringen, nahm ich diese Herausforderung gerne an – obwohl es mir in St. Gallen gefallen hat.» Nun fühlt sich der Deutsche in Luzern heimisch. «Seit 2009 bin ich eingebürgert» – «und jetzt, da ich mehr Freizeit habe, gehe ich vielleicht mit den Enkelkindern mal an die Fasnacht. Dann bin ich ein richtiger Lozärner», sagt er und lacht. Ausserdem will er wieder mehr segeln und fechten.

Für Zutavern ist klar, dass ihn das Thema Lehrerbildung auch weiterhin beschäftigen wird, «allerdings in einem geringeren Ausmass». Unter ihm und dem amtierenden Rektor Hans-Rudolf Schärer (siehe Kasten) ist die PH das geworden, was sie heute ist: eine Ausbildungsstätte für tausende angehende Lehrer.

Lob für Zutaverns «geniale Konzepte»

Der Abgang von Michael Zutavern löst Bedauern aus. Hans-Rudolf Schärer (63) ist seit 2002 Rektor der Pädagogischen Hochschule Luzern. Zutavern habe die Institution so grundlegend geprägt, wie niemand sonst. Gemäss dem Rektor verfügt Zutavern über sehr viel «persönliche Autorität» und habe die Teamarbeit an der PH nachhaltig gefördert. «Er hat das wertschätzende Klima geprägt, nach dem die PH strebt.» Für Schärer ist klar: Mit dem Eintritt in die Pension wird Zutavern an der PH fehlen – «vor allem seine grosse dreifache Erfahrung als Forschender, Dozierender und als Leitungspersönlichkeit».

Reto Wyss (53), Bildungsdirektor des Kantons Luzern und Präsident des Pädagogischen Hochschulrats, rühmt die Verdienste von Michael Zutavern ebenfalls. «Die PH Luzern hat sich als ein wahres Luzerner Erfolgsmodell erwiesen. Das so einleuchtende wie geniale Konzept des frühen und konsequenten Praxisbezugs der Studierenden hat von Anfang alle überzeugt.» Das Modell der PH Luzern sei zu einem wesentlichen Teil Michael Zutavern auf die Fahne zu schreiben. Eine herausragende Leistung von ihm sei zweifellos die Akkreditierung der PH Luzern, sagt der CVP-Regierungsrat und fügt an: „Hier hat er Pionierarbeit für die Zentralschweiz geleistet.» (kuy)

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