Der grosse Luzerner Museumsreport: Hier war das Jahr 2019 ein Kassenschlager

Fünf der acht Stadtluzerner Museen hatten ein sehr gutes Jahr. Eines der Häuser vermeldet gar Allzeitrekord.

Evelyne Fischer
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Irène Cramm, Leiterin Bourbaki Panorama, in der Ausstellung «Sehwunder. Trick, Trug & Illusion».

Irène Cramm, Leiterin Bourbaki Panorama, in der Ausstellung «Sehwunder. Trick, Trug & Illusion».

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 20. Dezember 2019)

Ob «Wiehnachtsgschicht» im Planetarium des Verkehrshauses oder Adventskalender im Gletschergarten: Einige Luzerner Museen warten derzeit mit weihnächtlichen Besonderheiten auf. Womit sie in den letzten Monaten sonst noch Tausende Besucher anzulocken vermochten, zeigt unser grosser Museumsreport. Springen Sie gleich zu jener Institution, die Sie am meisten interessiert:

Kunstmuseum

Hier wird 2019 in die Geschichtsbücher eingehen: Das Kunstmuseum feierte mit «Turner. Das Meer und die Alpen» das 200-Jahr-Jubiläum der Kunstgesellschaft Luzern, dem Trägerverein des Kunstmuseums. 71'496 Eintritte verzeichnete die knapp vier Monate dauernde Ausstellung. Eveline Suter, Leiterin Kommunikation und Projekte, sagt:

«Aktuell stehen wir bei rund 95'000 Eintritten, wir liebäugeln mit der 100'000er-Grenze.»

Die Turner-Ausstellung habe durch ihre Einmaligkeit viel neues Publikum angezogen. «Es kamen auch Menschen, die sonst nur alle paar Schaltjahre mal ins Museum gehen.» Das Ausstellungsjahr 2020 wird am 28. Februar mit einer Doppelvernissage eröffnet: Zum einen zeigt das Haus eine Retrospektive des Werks der 91-jährigen Avantgarde-Künstlerin Marion Baruch. Zum anderen präsentiert die neue Sammlungskuratorin Alexandra Blättler unter dem Titel «Alles echt!» Werke zum Thema Imitation – samt hauseigener Mona Lisa.

Verkehrshaus

Das Verkehrshaus inklusive Hans-Erni-Museum rechnet fürs 2019 mit rund 550'000 Besuchern – so viele wie zuletzt 2010. Zum Grossaufmarsch beigetragen hat die Schenkung des Rega-Jets «HB-JRA», Typ Bombardier CL-604. «Die Überführung von Alpnachstad über den See an die Lidostrasse war spektakulär», sagt Olivier Burger, Leiter der Unternehmenskommunikation. Als Teil der Rega-Ausstellung «Medizinische Hilfe aus der Luft» gibt der Ambulanz-Jet einen Einblick in die internationale Tätigkeit der Rettungsflugwacht. Unter dem Titel «Logistik erleben!» bringt die neue Schwerpunktausstellung Besuchern im April 2020 die Speditions- und Transportszene näher. Burger: «Im Sommer startet zudem der Umbau des Filmtheaters.»

Gletschergarten

Dieses Ergebnis überrascht gar die Verantwortlichen: Gegen 120'000 Eintritte wird der Gletschergarten bis Ende Jahr erreichen. Direktor Andreas Burri sagt:

«Mit Blick auf die Baustellen im und rund um den Gletschergarten geht 2019 damit als recht gutes Jahr in die Annalen ein.»

Zur Erinnerung: Der Gletschergarten investiert ins Ausbauprojekt Fels derzeit rund 20 Millionen Franken. Und wartet 2020 mit einigen Höhepunkten auf: «Im Mai nehmen wir das Spiegellabyrinth wieder in Betrieb und feiern die Neueröffnung des Bistros Salwidel, im Herbst soll das Schweizerhaus samt Museum wieder zugänglich sein. Die neue Attraktion des Felsenwegs wird im Frühling 2021 eröffnet. Diese Neuerungen dürften die Besucherzahlen ankurbeln.»

Bourbaki Panorama

Ein ebenfalls «sehr erfolgreiches Jahr» vermeldet das Bourbaki Panorama, welches das monumentale Rundbild über die Internierung von 87'000 französischen Soldaten im Winter 1871 beherbergt. «Wir verzeichnen rund 20 Prozent mehr Besucher als im 2018, das ist das beste Resultat seit vielen Jahren», sagt Museumsleiterin Irène Cramm. Nach wie vor ein grosser Erfolg sei die digitale Museums-App «My Bourbaki Panorama». Viele Eintritte bescherte aber insbesondere «Sehwunder. Trick, Trug & Illusion», die erste Sonderausstellung des Bourbaki Panoramas überhaupt. «Unser Ziel, vermehrt ein junges Publikum für das Medium Panorama und für Sehwunder begeistern zu können, haben wir klar erreicht.» Die Sonderausstellung wird bis Ende 2020 verlängert. Cramm freut es speziell, dass sie viele Schulklassen begrüssen durfte. «Aufgrund des Bundesgerichtsentscheides betreffend der Elternbeteiligung an Schulausflügen ist es viel schwieriger geworden, Schulklassen für einen Museumsbesuch zu gewinnen.»

Sammlung Rosengart

Die Einträge im Gästebuch lassen es erahnen: ein Besuch in der Sammlung Rosengart ist für Kunstliebhaber ein Muss. Viele Schulklassen fanden den Weg zu Picasso und Co – und tun es hoffentlich auch weiterhin. «Die Schülerinnen und Schüler sind unsere zukünftigen Besucher», sagt Angela Rosengart. «Wir werden die Zahl von 40'000 Eintritten erreichen.» Für einige Neuerungen dürfte bald Kerstin Bitar, die frische wissenschaftliche Mitarbeiterin, sorgen. Klar ist: Führungen für Sehbehinderte und Blinde liegen ihr am Herzen. Bitar: «Auf jeden Fall wieder anbieten werden wir auch ‹Kinder führen Kinder›. Was meine Vorgängerin hier aufgebaut hat, ist in der Schweizer Museumslandschaft etwas Besonderes.»

Natur-Museum

Die Bilanz der beiden kantonalen Museen fällt durchzogen aus: Während das Natur-Museum mit knapp 45'000 Besuchern die Zahlen des Vorjahrs erreichen wird, bleibt dieser Wunsch beim Historischen Museum mit 33'000 Eintritten unerfüllt (Stand 10. Dezember). Alexandra Strobel, Leiterin Kommunikation und Marketing, sagt: «Ein Erfolg war das erstmals durchgeführte Luzerner Museumswochenende ‹Guck Mal›. Dieses erfährt am 16. und 17. Mai 2020 die Zweitauflage.» Von der Agenda nicht mehr wegzudenken sind die Osterküken-Ausstellung sowie das Figurentheater Petruschka, das die jeweilige Sonderschau in ein Stück verwebt. 2020 lanciert das Natur-Museum die Ausstellungen «Zauneidechsen» und «Stadtwildtiere».

Historisches Museum

Das Historische Museum hätte sich mehr Besucher gewünscht. «Die bis Ende Februar gezeigte Ausstellung ‹Flucht› war ein grosser Erfolg. Danach fehlten uns die nötigen Knüller», sagt Alexandra Strobel, Leiterin Kommunikation und Marketing. Enttäuschend wenig Eintritte habe «Rocky Docky» erzielt, die Ausstellung über 450 Jahre Altes Zeughaus. Besuchermagnete waren dafür die Walpurgisnacht für Kinder, das Museumswochenende, die Halloween-Party für Kinder und das «Geisterhaus» im November. Strobel: «Diese Veranstaltungen bieten wir auch 2020 wieder an.» Viele Eintritte generieren dürften 2020 die neuen Ausstellungen «Luzern. Fotografiert 1840-1975» und «Eine Stimme haben. 50 Jahre Frauenstimm- und -wahlrecht in Luzern».

Richard-Wagner-Museum

Noch bis Ende März befindet sich das Richard-Wagner-Museum in der Winterpause. Zwischen April und November zählte das Haus 6339 Besucher, mehr als im Vorjahr. Auf Anklang gestossen sei vor allem die Sonderausstellung anlässlich des 150. Geburtstags von Siegfried Wagner, dem Sohn von Richard Wagner, sagt Museumsleiterin Katja Fleischer. «Sie wird verlängert.» Daneben packe man wie gewohnt Konzerte und Lesungen in den Veranstaltungskalender. «Klein, aber fein! So wie unser Museum eben auch ist.»

Fragt sich zuletzt: Hat Turner als Ausstellungsüberflieger bei gewissen Museen für eine Baisse gesorgt? Die Verantwortlichen winken ab. Irène Cramm, Leiterin des Bourbaki Panorama, sagt vielmehr:

«Die Turner-Ausstellung war eine Bereicherung für das Luzerner Kulturjahr.»

Womöglich habe man sich gar gegenseitig befruchtet. Denn: Das Kunstmuseum lud andere Institutionen zur Teilnahme am Rahmenprogramm ein. Das Bourbaki Panorama begab sich auf die Spuren der Malstile von Turner und Edouard Castres, dem Schöpfer des Panoramas, deren Leben sich 13 Jahre überschnitten haben. «Daraus entstand eine Führung mit Erkenntnissen, die wir sonst kaum so hätten erarbeiten und vermitteln können.»