Der Herzenswunsch von Elsbeth R.

Die 75-jährige geistig behinderte Elsbeth R. wünscht sich eine betreute Ferienwoche. Unsere grossherzigen Leser erfüllen diesen Wunsch. Denn die LZ-Weihnachtsaktion hilft wie jedes Jahr vielen alten und vielen behinderten Menschen mit knappen Budgets.

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Elsbeth R. zeigt eine Kette, die sie selbst gestaltet hat. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Elsbeth R. zeigt eine Kette, die sie selbst gestaltet hat. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Fünf Franken und 40 Rappen: Das tägliche Sackgeld von Elsbeth R., die seit sechs Jahren im Wohnheim Eichwäldli der Stiftung für Schwerbehinderte (SSBL) in Luzern wohnt, ist bescheiden. Die Frau mit einer geistigen Behinderung lebt von der AHV (früher von der IV-Rente) und Ergänzungsleistungen. Pro Monat stehen ihr 333 Franken zur freien Verfügung.

Dieser Betrag muss auch für persönliche Auslagen wie Kleidung, Toilettenartikel und Extras reichen. Ausserdem gibt es immer wieder ungedeckte Krankheitskosten. Das effektive Sackgeld – von Montag bis Freitag jeweils 5.40 Franken und für Samstag/Sonntag insgesamt 15 Franken – steckt pro Tag in je einem kleinen Plastiksäckli. Diese Säckli sind an einer Wochenplan-Pinwand in Elsbeth R.s Zimmer befestigt. Das erleichtert ihr das Einteilen und Sparen.

Ab und zu gibts auch etwas Süsses

«Manchmal gehe ich im ‹Militärgarten› ein Coci trinken», erzählt Elsbeth R. Ab und zu leistet sie sich dazu etwas Süsses oder ein Päckli Pommes Chips – oder kauft selten am Kiosk «ein Heftli». Betreuerin Barbara Felber deutet auf den Fernseher und sagt: «Gell, Elsbeth, wenn du dir etwas anschaffen willst, musst du ganz lange sparen mit deinem Kässeli.» Aufgewachsen ist Elsbeth R. zusammen mit vier Schwestern im Kanton Solothurn. Ihre Kindheit war schwer, ihre Eltern sind früh gestorben. Sie besuchte die Sonderschule, arbeitete später eine Zeit lang zu Hause und danach in Behindertenwerkstätten, unter anderem im Brändi in Horw. Im Wohnheim Eichwäldli fühlt sie sich wohl, obschon die meisten Mitbewohnerinnen und Mitbewohner um einiges jünger sind.

Mit den Händen gestalten

Ernst blickt Elsbeth R. in die Welt, doch unverhofft liegt der Anflug eines Lächelns auf ihrem Gesicht. Bereitwillig erzählt sie, was ihr Freude macht. Sie deutet auf Sterngirlanden aus Staniolpapier am Fenster: «Da habe ich mitgeholfen.» Mit den Händen etwas gestalten, das liegt ihr.

In ihrem Zimmer oder im Atelier des Wohnheims reiht sie Glas- und Holzperlen sowie Krälleli zu bunten Ketten, die sie mit Stolz zeigt. «Lismen» möge sie auch, «aber Socken sind zu schwierig». Elsbeth R. hilft im Haushalt ihrer Wohngruppe mit. Putzen? «Mmhh, nicht so gern. Lieber Wäsche zusammenlegen. Oder mitgehen beim Einkaufen.»

Elsbeth R. mag Musik, am liebsten volkstümliche, auch Jodel. Im Wohnheim gibt es zudem verschiedene Aktivitäten sowie begleitete Ausflüge oder mal einen Theaterbesuch. Und wie wäre es mit einem Schiffsausflug auf dem Vierwaldstättersee? «Oh, das wäre schön, aber da müsste auch jemand mitkommen.»

Besuch hat Elsbeth R. selten. Ab und zu fährt sie für ein paar Tage zu einer ihrer Schwestern, die allerdings auch schon älter ist. Ihre grösste Freude ist eine betreute Ferienwoche. «Ich war schon einmal im Jura, das hat mir gut gefallen», erzählt sie. Wenn so eine Abwechslung vom Heimalltag wieder einmal möglich wäre, würde sie das riesig freuen, und sie wäre dankbar dafür. Betreuerin Barbara Felber sagt: «Eine betreute Ferienwoche ist für Elsbeth eine Bereicherung. Aber das gehört zu jenen Extras, die ohne finanzielle Unterstützung nicht möglich sind.»

Kleines Geschenk

Weihnachten verbringt Elsbeth R. im Wohnheim. «Es sind nur wenige Bewohner hier, da einige zu ihren Familien gehen können», erzählt Betreuerin Barbara Felber. «Wir haben einen Christbaum, hören Weihnachtsmusik und verbringen einen gemütlichen Abend. Alle bekommen ein kleines Geschenk.»

Doch für Elsbeth R. wird es dieses Jahr nicht das einzige Geschenk bleiben: Dank unseren Lesern geht für sie ein Herzenswunsch in Erfüllung. Elsbeth R. kann nächstes Jahr wieder ein paar Ferientage, gut betreut, geniessen. Und für ein kleines Extra, etwa ein Konzert oder einen schönen Ausflug, wird der Beitrag der LZ-Weihnachtsaktion auch noch reichen.

Ruth Schneider

Alte Menschen verstecken ihre Armut oft

«Die 90-jährige Frau X hat sehr lange gezögert, sich mit ihren Geldsorgen wegen ungedeckter Krankheitskosten beim Sozialamt zu melden», sagt eine Sozialvorsteherin. «Denn sie schämt sich für ihre Armut. Und auf keinen Fall möchte sie in der Zeitung kommen.»

Frau X in einer Luzerner Landgemeinde ist kein Einzelfall. Es sind Menschen aus einer Generation, die in den Kriegsjahren sehr bescheiden gelebt und auch später mit kleinen Einkommen stets eisern gespart haben, damit alle Rechnungen bezahlt werden konnten. Viele von ihnen haben keine Pensionskassenrente, sondern leben von AHV und Ergänzungsleistungen, ohne Ersparnisse. Diese Frauen und Männer verstecken ihre Armut oft sogar vor den eigenen Kindern.

Die LZ-Weihnachtsaktionerhält jedes Jahr Gesuche für Frauen und Männer ab 65, 70 Jahren, die mit bescheidensten Mitteln leben. Jede Extraausgabe führt zu grossen Sorgen. Wir schildern hier einige Situationen:

Eine 76-jährige Frau, die selbständig in ihrer Wohnung lebt und ihr Geld gut einteilt, hat dringend eine grosse Zahnbehandlung nötig. Über die Ergänzungsleistungen zur AHV ist nur ein Teil der trotz Sozialtarif hohen Kosten gedeckt. Zusammen mit der Pro Senectute beteiligt sich die Weihnachtsaktion an den ungedeckten Kosten.

Ein 80-jähriger Mann konnte bisher mit Hilfe von Spitex und Angehörigen zu Hause leben. Als sich sein Gesundheitszustand verschlechterte, musste er ins Pflegeheim eintreten. Der Umzug kostete die letzten kleinen Ersparnisse. Nun benötigt der Mann einige Kleidungsstücke.

Gleich mehrere Gesuche wurden eingereicht für alte Menschen, die im Alters- und Pflegeheim leben und sich gerne ab und zu einen Ausflug oder einen Besuch bei Verwandten leisten möchten – das sprengt den Rahmen des bescheidenen Taschengeldes rasch. Schon ein Zustupf von 200 bis 300 Franken löst bei den Empfängern grosse Freude und Dankbarkeit aus.

Auch behinderte Menschen jeden Alters haben oft grosse Mühe, spezielle Therapien oder betreute Ferien sowie Freizeitbeschäftigungen zu bezahlen. Eine 30-jährige Frau mit psychischer Krankheit möchte im kommenden Jahr an einer Reittherapie teilnehmen; das «Schnuppern» hat gezeigt, dass ihr das sehr guttut. Ein körperbehinderter Mann wird seit mehreren Jahren von seiner Frau und der Spitex gepflegt. Nun möchte die Frau wieder einmal ein paar Tage Ferien machen und ihren Mann in dieser Zeit in einem spezialisierten Heim in gute Pflege geben – wenn es finanziell machbar ist.

rs

Gesuche jetzt einreichen

Bis Freitag sind bei der Weihnachtsaktion über 1500 Gesuche eingetroffen. Sozialämter und Institutionen der Region können ihre Gesuche bis 31. Dezember einreichen. Jedes Gesuch wird sorgfältig geprüft. Private können keine Gesuche direkt einreichen, aber: Wer Hilfe nötig hat oder wer jemanden kennt, der Hilfe nötig hat, kann sich an das Sozialamt seiner Wohngemeinde oder an eine soziale Institution wenden.

rs

Spenden können Sie auf das Postcheck-Konto 60-33377-5 oder online: . Im Internet finden Sie auch weitere Infos.