Der Hirschen im Umbau – Oberkirch bekommt ein Viersterne-Haus

Markus Wicki lässt in Oberkirch ein Viersternehaus bauen. Mit dem geschichtsträchtigen Hirschen will sich der Gastronom und Unternehmer neu positionieren. Hilfe holt er dabei von einem KKL-Architekten.

Ernesto Piazza
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Noch herrscht an diesem späten Vormittag nicht der grosse Betrieb im Restaurant-Hotel Hirschen in Oberkirch. Im daran angegliederten und sich im Bau befindenden Viertsterne-Haus im alten Dorfkern wird hingegen intensiv gearbeitet. Die Handwerker müssen am ellipsenförmigen Rohbau noch einiges fertigstellen. «Wir befinden uns zeitlich etwas in Verzug», sagt der Bauherr und «Hirschen»-Gastronom Markus Wicki während des rund 20-minütigen Rundgangs. Doch im Herbst soll der fünfstöckige Baukörper in Betrieb genommen werden.

Das Hotel Restaurant Hirschen in Oberkirch erstellt einen Neubau. Besitzer Markus Wicki wollte auf keinen Fall verkaufen. (Bild: Dominik Wunderli, 24.05.2019, Oberkirch)

Das Hotel Restaurant Hirschen in Oberkirch erstellt einen Neubau. Besitzer Markus Wicki wollte auf keinen Fall verkaufen. (Bild: Dominik Wunderli, 24.05.2019, Oberkirch)

Im Neubau sind 36 luxuriöse Zimmer, zwei Suiten sowie ein Fitness- und Wellnessbereich geplant. Dort können Hotelgäste und Aussenstehende bei Bedarf auch auf Fachpersonal für Massage und Therapie zurückgreifen. Grosszügig konzipierte Seminar- und Veranstaltungsräume sowie ein komplett verglaster Pavillon für die anspruchsvolle Gastronomie runden den neuen Komplex ab.

Projekt «ein Ensemble grosser Komplexität»

Neben dem Neubau beinhaltet das Projekt auch die Renovierung und den Umbau des jetzigen «Hirschen». Dessen Geschichte lässt sich bis zum Jahr 1613 zurückverfolgen, womit das traditionsreiche Gasthaus zu den ältesten der Schweiz zählt.

Hier sollen nach Abschluss des Neubaus und der Anpassungen an das historische Haus in behutsamer Renovierungsarbeit 12 Hotelzimmer und zwei Suiten entstehen. Die sich dort ebenfalls befindende Küche wird stillgelegt und durch eine Bibliothek ersetzt. Ein neuer, moderner Platz der Speisenzubereitung im Neubau stellt den Mittelpunkt der künftigen Gastronomie dar.

Eine der grossen Leistungen des architektonischen Gesamtkonzeptes ist es, dass Alt- und Neubau harmonisch und nahtlos ineinander überfliessen. Zudem besteht die Idee, das unmittelbar angrenzende Wohnhaus in einem weiteren Schritt in die Ausbaupläne zu integrieren.

Für den Luzerner Architekten Stefan Zopp ist das Projekt ‹à la carte› «ein Ensemble von grosser Komplexität». Damit hatte der gebürtige Urner 2012 den Wettbewerb für den Um- und Neubau vom Restaurant-Hotel Hirschen gewonnen. Zopp ist auch Direktor sowie Partner des Pariser Ateliers Jean Nouvel und hat unter anderem den Konzertsaal des KKL in Luzern mitgestaltet.

Ein Familienbetrieb mit 400-jähriger Geschichte

Zurück vom Rundgang erklärt Hotelier und Gastronom Wicki: «Für mich ist es wichtig, dass der ‹Hirschen› auch in Zukunft weiterlebt.» Den traditionellen Familienbetrieb mit seiner 400-jährigen Geschichte auszubauen, diese Vision trage er schon lange mit sich herum, sagt Wicki. «Ich habe zwar einen anständigen Betrieb, doch für die langfristige Sicherung einer wirtschaftlichen Zukunft standen einerseits wieder grössere Investitionen an und andererseits war eine massive Verkleinerung oder Vergrösserung unausweichlich», philosophiert der Gastronom mit seinen 14 Gault-Millau-Punkten.

Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, alles zu verkaufen und sich neuen Themen zuzuwenden. Diese Variante kam für Markus Wicki aber nicht in Frage. «Meine Seele ist im Betrieb», betont er. Zudem beschäftigt er in einem weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gewordenen Inklusions-Projekt seine zwei Brüder mit Trisomie 21 im Hirschen Oberkirch.

(Bild: Dominik Wunderli, 24.05.2019, Oberkirch)

(Bild: Dominik Wunderli, 24.05.2019, Oberkirch)

Mit den jetzigen Investitionen – zu deren Höhe macht Wicki keine Angaben – hat sich der Gastronom für eine klare Vorwärtsstrategie entschieden. Er sagt: «Ich lege alles in dieses Projekt, nicht nur das Herzblut.» Wichtig sei für ihn, dass sich die Dorfbevölkerung wie auch anspruchsvolle Individual-, Hotel- und Tagungsgäste «bei jedem Anlass bei uns wohlfühlen können.» Ein positives Bild zeichnet Wicki in diesem Zusammenhang für das Hotel Schweizerhof in Luzern. «Da ist jedermann, jederzeit, zu jedem Event und in jedem Anzug immer herzlich willkommen.»

Hirschen setzt künftig auch auf ausländische Gäste

Sowohl Architekt Zopp wie auch Gastronom Wicki sind überzeugt, dass die Region Sempachersee noch gastronomisches Entwicklungspotenzial besitzt: Letzterer erklärt: «Eine Marktanalyse liefert uns diese Gewissheit. Die Beobachtung der Szene hat uns darin bestärkt.»

Der beim Bahnhof Oberkirch liegende Hirschen will künftig auch ausländische Touristen beherbergen können. «Zimmer und Suiten sind grosszügig konzipiert und werden zu vernünftigen Preisen angeboten», betont Wicki. So, dass diese Unterkünfte für sämtliche Gästeschichten eine Alternative zu Stadtunterkünften darstellten. Sein Ziel ist es, den Gästen «exklusive Dienstleistungen auf einem hohem Niveau und zu einem erschwinglichen Betrag» zu offerieren. Und ob jemand vom Bahnhof Luzern ins Montana oder auf den Gütsch gehe, oder mit dem Zug nach Oberkirch fahre, sei zeitlich irrelevant. Zopp sieht bezüglich Lage und Erreichbarkeit keinen Unterschied.

Mittlerweile füllt sich die Gaststube zum Lunch – auch an diesem Mittag. Wicki ist wiederum gefordert, den Spagat zwischen Bauherr und Gastronom zu machen. Doch bevor er in der Küche erneut gefragt ist, erklärt er noch viel sagend: «Es gibt nur Top oder Flop.»