Der Käufer-Ansturm am «schwarzen» Freitag hält sich in Luzern in Grenzen

Geschäfte locken am sogenannten Black Friday mit Rabatten und Spezialangeboten. Ein Augenschein in einem Einkaufscenter und der Altstadt Luzern.

Sandra Peter
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Eines von mehreren Schaufenstern in der Luzerner Altstadt, die am Black Friday mit Ballonen geschmückt sind.

Eines von mehreren Schaufenstern in der Luzerner Altstadt, die am Black Friday mit Ballonen geschmückt sind.

Patrick Hürlimann, 29.November 2019

Tausende Lämpchen der Weihnachtsdekoration in der Mall of Switzerland in Ebikon leuchten, mit Ballons und farbenfrohen Schildern buhlen die Läden um die  Aufmerksamkeit der Besucher. Musik schallt aus den verschiedenen Geschäften und erreicht gleichzeitig die Ohren der Kunden. Im Einkaufscenter sind am Freitagmittag sowohl junge Erwachsene, als auch Familien und Frauen mit kleinen Kindern, ältere Paare oder Mutter-Tochter-Gespanne anzutreffen.

Die Plastiksäcke in den Händen der Besucher prägen zumeist Logos von Bekleidungsketten mit ohnehin schon günstigen Preisen. Die Mall wirkt zwar belebter als bei früheren Besuchen. Was zur Mittagszeit los ist, lässt sich aber nicht als Andrang bezeichnen, trotz des Black Friday.

Was ist der Black Friday?

Der Black Friday ist ein aus Amerika übernommenes Marketing-Instrument. Dabei gewähren Händler und Detaillisten satte Rabatte, sowohl off- als auch online. Mittlerweile werden die Aktionen teilweise auf ein ganzes Wochenende oder eine gesamte Woche ausgedehnt.

Am meisten Besucher tummeln sich in einem Drogeriemarkt und in einem Elektrofachgeschäft. Hier suchen Kunden auch Beratung. Andere schiessen ein Selfie vor der Weihnachtsdekoration oder betrachten die dekorierten Schaufenster.

Weihnachtsgeschenke, Winterschuhe und Wundertüten

In der Mall ist am Freitagmittag auch Chantal Hess anzutreffen. Sie ist zum zweiten Mal im Einkaufscenter in Ebikon. Sie sei nicht explizit wegen des Black Fridays gekommen, sagt sie. Einkaufen will sie Weihnachtsgeschenke, eine fixe Liste hat sie aber nicht. «Ich lasse mich inspirieren», so die Nidwaldnerin. «Ich finde es generell gut, dass es schon vor Weihnachten Rabatte gibt und nicht erst hinterher».

Mindestens 20 Prozent Rabatt gebe es in der Mall an diesem Tag wohl in jedem Laden, erklärt ein Mann, der vor einem Laden auf seine Partnerin wartet. «Ich weiss aber nicht, ob das sonst auch üblich ist oder nicht», sagt der Krienser, der anonym bleiben will. Bisher hätten seine Freundin und er je ein Paar Winterschuhe gekauft. «50 Prozent Rabatt», sagt er und klopft auf die Schachteln.

In der Luzerner Altstadt ist mehr los

In der Altstadt von Luzern ist am frühen Freitagnachmittag einiges los, Riesenrummel und Gedränge gibt es aber auch hier bislang nicht. In den Gassen tragen die Menschen grosse Einkaufstüten, aus denen Schachteln von Haushaltsgeräten oder Jacken ragen. Laute Musik gibt es auch hier in einigen Geschäften. «Ich wollte noch Fragen, ob es auch Oropax gibt», sagt ein Mann zu seiner Begleiterin, als sie aus einem Modegeschäft treten. Von den angesprochenen Käufern mit mehreren Säcken will niemand Auskunft geben. «Lieber nicht», sagen sie und huschen schnell weiter.

Bei einem zweiten Rundgang in der Stadt Luzern, etwa eine Stunde vor Ladenschluss, sind mehr Menschen jeglichen Alters in den besuchten Geschäften unterwegs. Draussen regnet es, an den Kassen gibt es nun längere Schlangen oder es sind mehr davon geöffnet. Die kleinen Sneaker- und Kosmetikläden sind nun voll. Bei den Umkleidekabinen ist auch zu dieser Zeit keine Wartezeit zu beobachten. Anprobiert wird offenbar zu Hause.

Patrick Hürlimann

Geschäfte hoffen auf spontane Käufe

«Der Black Friday ist bei unseren Besucherinnen und Besuchern sehr beliebt», erklärt Centerleiter Peter Triner schriftlich. «Viele der Kunden warten mit grösseren Anschaffungen bis Black Friday zu, um dann von möglichen Aktionen zu profitieren.» Viele Besucher würden am Black Friday auch Weihnachtsgeschenke einkaufen. «Da dieser Tag aber auch zusätzliche Kunden anzieht, welche vielleicht die Mall nicht zum regulären Weihnachtsverkauf besuchen, sehen wir das eher als zusätzliche Attraktion und Ergänzung zum Weihnachtsgeschäft», so Triner.

Ähnlich klingt es bei Josef Williner, Präsident der City Vereinigung der Stadt Luzern: «Der Black Friday bildet den Start zum Weihnachtsgeschäft. Vielleicht kauft man aber durch spezielle Angebote spontan noch etwas mehr ein, als geplant». Der Rabatt-Tag sei ein Abbild der aktuellen Situation des Detailhandels. «In schwierigen Zeiten mit Online-Konkurrenz und Einkaufstourismus ist dies eine Gelegenheit, um zusätzliche Frequenz und damit Umsatz zu generieren. Viele Unternehmen kämpfen ums Überleben», so Williner.  Jedes Geschäft müsse aber schlussendlich selber entscheiden, ob es beim Black Friday mitmachen wolle. «Die stärksten Tage sind immer noch jene direkt vor Weihnachten», so der Präsident der City Vereinigung.

Statt Vergünstigungen zu gewähren, spenden einige Läden

Einige Läden setzen mittlerweile auf einen sogenannten White Friday. Dabei werden keine Rabatte gewährt und ein Teil des Erlöses gespendet. Luzerner Geschäfte spenden etwa für die Gassechuchi oder eine Organisation, die sich für faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Produktion in der Modebranche einsetzt. In Luzern sei der White Friday aber noch kaum verbreitet, so Williner.

Viele Angebote – viele Versuchungen. «Am Ende entscheidet jeder Konsument selber, wofür er Geld ausgeben will», bringt es der Präsident der City Vereinigung auf den Punkt.

44 Prozent kaufen am Black Friday online ein

Gemäss einer Studie von GFK Schweiz hat im letzten Jahr jeder dritte Konsument ein Black-Friday-Angebot genutzt. Dabei gab ein Einkäufer durchschnittlich rund 300 Franken aus. Die beliebtesten Kategorien waren dabei Kleidung, Heimelektronik und Spielwaren. 44 Prozent der Schweizer, die eine Rabattaktion nutzten, kauften ausschliesslich online ein. Rund 21 Prozent shoppten sowohl in einem Geschäft als auch online. Im letzten Jahr kam am Black Friday der Verkehr in der Stadt Luzern zur Feierabendzeit zum Erliegen. Ab 20 Uhr beruhigte sich die Situation nach und nach.

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