Der Kinokönig und sein Reich: Die Geschichte der Kinos in Luzern

Ein «König», ein «Krieg» und Kinos in Zürcher Hand: So hat sich die Kinolandschaft in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt.

Fabienne Mühlemann
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Im Jahr 2000 nahm die Geschichte der Kinos in Luzern eine markante Wendung. Ende Januar öffnete der Filmpalast Maxx in Emmenbrücke seine Tore. Das erste Multiplex-Kino der Deutschschweiz mit acht Sälen und Platz für 2000 Personen zog die Leute in Scharen an. Die städtischen Kinos bekamen dies zu spüren. So büssten die vom Luzerner Unternehmer Georg Egger geführten Kinos Capitol, Broadway, Piccolo, Moderne und Rex sowie das Kino ABC von Urs Herdener stark an Marktanteilen ein.

Das Maxx im Jahr 2000 kurz vor der Eröffnung.

Das Maxx im Jahr 2000 kurz vor der Eröffnung.

Peter Appius, Emmen, 24. Januar 2000

Die Egger-Kinos erlitten Einbussen von rund 2,5 Millionen Franken. Egger, der sogenannte «Kinokönig» von Luzern, war denn auch der gewichtigste Beschwerdeführer gegen die Betriebsbewilligung des Filmpalastes am Emmer Seetalplatz. Er blitzte vor dem Verwaltungsgericht ab.

Im April 2001 wurde dann bekannt, dass aus Konkurrenten Partner werden: Der Maxx-Filmpalast und Eggers L-Kino-Gruppe schlossen sich zusammen. Der Besucherschwund in den Stadtkinos forderte daraufhin seine Opfer: Das Rex, das Madeleine, das ABC und das Piccolo, die vor allem kommerzielle Hollywood-Blockbuster zeigten, mussten die Lichter löschen. Gut hielten sich das Atelier, das Limelight und die beiden Pix (heute Bourbaki), die vor allem Studiofilme zeigten.

Das Kino Rex löschte die Lichter 2001.
6 Bilder
Urs Herdener musste sein Kino ABC 2001 schliessen.
Sam Pirelli im Sexkino «Madeleine». Es schloss 2001 seine Tore.
Das Kino Piccolo schloss im Jahr 2002.
Clemens Pagel, Chef-Operateur des Kino Atelier. Es musste 2008 schliessen.
Das Kino Limelight machte 2012 zu.

Das Kino Rex löschte die Lichter 2001.

Guido Röösli, Luzern, 17. Februar 2001

Als der Verdrängungskampf in Luzern begann

Diese Kinos gehörten der Zürcher Twinpics AG an. Zwischen jenen und Eggers L-Kino-Gruppe begann in Luzern ein Verdrängungskampf mit Neid und Missgunst. So warf Elke Gerig, damalige Geschäftsführerin der Twinpics AG, Egger im Juni 2001 vor: Er habe den Verleihern angedroht, Filme, die in einem der Twinpics-Kinos laufen, in seinen Häusern nicht mehr zu zeigen. «Grosse Filme, die auch in unser Konzept des aufregenden und anregenden Films passen, zeigten wir gemeinsam, die kleinen überliess Maxx uns», sagte Gerig damals gegenüber unserer Zeitung. Seitdem Egger in Emmen das Sagen habe, sei dies nicht mehr möglich.

Georg Egger im Vorführraum im Capitol im Jahr 2001.

Georg Egger im Vorführraum im Capitol im Jahr 2001.

Adrian Stähli

2004 ging der Kinokrieg dann in eine neue Runde, als Georg Egger das Limelight kaufte und somit Konkurrent Twinpics enorm schwächte. Und zwar so sehr, dass Ende des Jahres über die Twinpics AG der Konkurs eröffnet wurde. Dem Pix und dem Atelier drohten die Schliessung. In letzter Sekunde übernahm Filmregisseur Thomas Imbach die Kinos und sicherte damit das Überleben des Studiofilms in Luzern.

Fast alle Kino in Zürcher Hand

2007 zog sich der Kinokönig Egger aus dem Geschäft zurück und verkaufte sein Reich an die Kino-Theater Zürich AG, kurz Kitag. Damit waren fast alle Luzerner Kinos in Zürcher Hand. Nur das Stattkino war noch übrig. «Das Kinogeschäft dürfte mit dieser Übernahme nun noch kommerzieller werden», sagte damals Peter Leimgruber, Geschäftsführer des Stattkinos. «Das verbessert unsere Situation, weil wir uns an ein Publikum richten, das Autorenfilme sehen will.»

2008 wurde eine neue Welle an Schliessungen losgetreten. Das Atelier-Kino, das 1971 von Kabarettist Emil Steinberger gegründet worden war, trug nur noch Verluste ein. «Es ist eine traurige Sache und schmerzt mich», sagte Steinberger damals über die Schliessung. Ein Jahr später kam der Knall in Kriens: Auch das Broadway, welches 2004 noch einen vierten Saal eingebaut hatte, musste aufgeben. Ursprünglich hiess es bereits 2007, dass das Kino schliesst, weil die Parkplatz­situation unbefriedigend war. Egger krebste dann zurück: «Aus Rücksicht auf die Mitarbeiter machen wir weiter wie bisher», sagte er damals. 2009 schloss das Broadway, welches mittlerweile der Kitag gehörte, wegen fehlender Besucher trotzdem. Und 2012 löschte das Limelight wegen fehlender Rentabilität die Lichter.

Das Limelight ist am Ende

Nach den Betriebsferien hätte das Kino Limelight in Luzern am 1. August wieder eröffnet werden sollen. Dazu ist es nun nicht gekommen – was wohl so bleiben wird.

KINO ATELIER: Erfolgsfilm: Nun ist definitiv Schluss

Nach zweieinhalb Jahren, genauer nach 127 Wochen, wird der schwedische Film «As it is in Heaven» am Ostermontag im Kino Atelier zum letzten Mal gezeigt. Er lief über ein Jahr täglich, danach jeweils in der Matinée am Sonntag.